Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Obwohl im gesamten Jahr 2023 der Pessimismus und negative Analysen vorherrschend waren, hat sich der DAX in den letzten Wochen auf ein neues Allzeithoch geschlichen. In nur sechs Wochen kletterte der deutsche Leitindex rund 2000 Punkte nach oben und notiert aktuell (Schlusskurs Freitag) knapp über 16750 Punkten.
EZB sendet (noch) keine klaren Signale
Nachdem es seit Anfang November keine nennenswerte Korrektur gab, stellt sich die Frage, ob bzw. wann diese kommt. Während der DAX am Donnerstag zunächst von der positiven Stimmung an den US-Märkten, ausgelöst durch die FED-Sitzung und der Aussicht auf baldige Zinssenkungen, profitieren konnte, folgte am Donnerstag nach der EZB-Sitzung zumindest ein kurzzeitiger Stimmungsdämpfer.
Die Europäische Zentralbank gab noch keine klaren Hinweise, dass über eine Zinssenkung diskutiert wird. Zumindest gab sie dies nicht offen zu. Dass sich die Rhetorik einer Notenbank aber binnen weniger Wochen um 180 Grad wenden kann, hat der FED-Vorsitzende Jerome Powell letzte Woche erneut bewiesen. Die Erwartungen des Marktes an Zinssenkungen im Euro-Raum im nächsten Jahr bleiben jedenfalls bestehen, und spätestens wenn die EZB dies auch offen kommuniziert, dürfte dies dem DAX im kommenden Jahr erneut Rückenwind verleihen.
Trend zur Disinflation hält an
Der Grund für die Zinserhöhungen der EZB bzw. aller wichtigen internationalen Notenbanken in den letzten beiden Jahren waren die rasch gestiegenen Inflationsraten (Verbraucherpreise). Die Voraussetzung für eine Rückkehr zu Zinsniveaus im Rahmen der 2 % Zielmarke bzw. für Zinssenkungen im kommenden Jahr ist somit ein sich fortsetzender Trend der Disinflation. Nach einem jährlichen VPI in Deutschland von 10,4 % im November 2022 sahen wir einen kontinuierlichen Rückgang der Verbraucherpreise auf derzeit 3,2 %. Dies liegt bereits unter dem Leitzins-Niveau von 4,5 %. Sollte sich dieser Trend in Deutschland und in anderen wichtigen Euroländern im nächsten Jahr fortsetzen, wird auch der Druck für Zinssenkungen auf die EZB wachsen.
Verkäufe unter hohem Volumen
Der DAX notiert aktuell nur wenige Punkte unter seinem Allzeithoch. Bemerkenswert ist jedoch, dass am Donnerstag und am Freitag Verkäufe unter sehr hohem Volumen stattfanden. Dies ist zumindest schonmal ein kurzfristiges Warnsignal, dass eine Korrektur eingeleitet werden könnte, zumal der Index stark überkauft ist.
DAX Tages-Chart
Auch der Wochen-Chart hat ein Umkehrsignal (Doji-Candle) unter hohem Volumen ausgebildet. Aus Sicht der Candlestick-Analyse bedeutet dies zwar nicht zwingend eine Korrektur oder Trendumkehr; es ist jedoch ein Signal dafür, dass die Bewegung an Momentum verloren hat und eine Korrektur oder Konsolidierung wahrscheinlicher geworden ist.
DAX Wochen-Chart
Charttechnische Unterstützungen & Korrektur-Ziele
Sollte die Korrektur eingeleitet werden, ist der DAX im Bereich von 16470 - 16500 Punkten derzeit gut unterstützt. Auf diesem Kursniveau befindet sich das vorherige Allzeit- und Jahreshoch aus dem Juli. Zudem läuft die Tages-EMA 20 in einigen Tagen in diesen Kursbereich hinein.
DAX Tages-Chart
Sollten hier erneut Kaufsignale auftreten, wäre eine direkte Fortsetzung des Trends möglich. Falls der Unterstützungsbereich nicht verteidigt werden kann und wir bereits im Dezember einen Schlusskurs unterhalb der 16400 Punkte sehen sollten, wäre das charttechnische Bild zumindest kurzfristig eingetrübt. Ein Blick auf den Monats-Chart verdeutlicht dies, da in diesem Fall der Ausbruch auf Monats-Basis als gescheitert angesehen werden könnte und ein Umkehrsignal entstünde.
DAX Monats-Chart
Nebenwerte beobachten
Was den mittelfristigen Ausblick des deutschen Aktienmarktes betrifft, dürfen auch die Nebenwerte nicht vergessen werden. In einem nachhaltigen und stabilen Aufwärtstrend sollten nicht nur die Schwergewichte im DAX den Trend anführen. Vielmehr wollen wir eine Partizipation des breiten Marktes sehen. Ist dies nicht der Fall, so steht auch die Rally im DAX auf wackeligen Beinen.
Der MDAX und der SDAX konnten zwar in den letzten Wochen ebenfalls deutliche Kursgewinne verbuchen, allerdings konnte keiner der beiden Indizes auf ein neues Jahreshoch ansteigen. Das muss noch nicht zwingend ein negatives Signal für den DAX bedeuten, allerdings sollten die Nebenwerte genau beobachtet werden. Falls es hier zu einer relevanten Divergenz kommt, dürfte dies auch den DAX unter Druck bringen.
Für den MDAX bedeutet dies, dass der im nachfolgenden Chart grün markierte Unterstützungsbereich verteidigt bzw. gehalten werden muss. Ein Ausbruch unter die wichtigen Tages-EMAs und unter das untere Bollinger-Band würde im MDAX die Wahrscheinlichkeit auf wieder fallende Kurse erhöhen. Eine Verteidigung der Unterstützung und Anschlusskäufe würden hingegen den Trend bestätigen.
MDAX Tages-Chart
Autor: Tobias Schmid
Datum: 18.12.2023

