Lieber Trader, liebe Börsenfreunde,
mit einem Minus von 1,7 % am ersten Handelstag und einem Minus von 3,1 % in der ersten Handelswoche startete der Nasdaq 100 schwach in das neue Börsenjahr 2024. Vorausgegangen war in den letzten Wochen eine starke Rally, welche unterm Strich zu einem Plus von 53,8 % für das gesamte Jahr 2023 führte.
Sowohl das Sentiment als auch sämtliche Momentum-Indikatoren signalisierten einen stark überkauften Markt, weshalb die jetzige Korrektur die wenigsten Anleger überraschen dürfte.
Übergeordneter Aufwärtstrend intakt
Aus markttechnischer Sicht ist eine Korrektur nach einer solch starken Aufwärtsbewegung als Zeichen eines gesunden Trends zu werten. Eine weitere ungebremste Fortsetzung der Rally hingegen wäre ein Zeichen der Übertreibung gewesen und hätte die Gefahr für ein “böses Ende” - das heißt einen deutlich stärkeren Kurseinbruch - erhöht.
Im nachfolgenden Wochen-Chart des Nasdaq 100 ist der langfristige Trendverlauf (Bewegungs- und Korrekturphasen) visualisiert. Die letzte Bewegung in Trendrichtung führte den Index von rund 14.200 Punkten auf einen neuen lokalen Hochpunkt bei rund 16.900 Punkten. Was die klassische Trend-Definition betrifft, gilt der langfristige Aufwärtstrend als intakt, solange der letzte lokale Tiefpunkt des Trends bei 14.100 - 14.200 Punkten nicht unterschritten wird.

Nasdaq 100 Index (Weekly)
Chancen im aktuellen Marktumfeld
Als Folge des eben beschriebenen Trendverlaufs stellt die Positionierung aus der Korrektur heraus in Richtung des übergeordneten Trends eine attraktive Trading-Gelegenheit dar. Dies kann beispielsweise mit direktionalen Trades in Futures oder ETFs auf den Nasdaq 100 umgesetzt werden. Aber auch für Trades in einzelnen Aktien sollte der Trend des Index beachtet werden. Eine weitere attraktive Strategie in diesem Marktumfeld kann der Verkauf von Put-Optionen auf den Index, auf Index-Futures sowie auf ETFs oder Aktien sein; entweder mit dem Ziel das Underlying ggf. zu kaufen (Cash Secured Put) oder rein Spekulativ, bspw. mit Bull Put Spreads.
Charttechnische Unterstützungen
Wann und wie genau ein Einstieg umgesetzt wird, hängt von der individuellen Strategie ab. Häufig ist es sinnvoll, Unterstützungen zu identifizieren und zu beobachten, ob hier bullische Signale auftreten. Im folgenden Wochen-Chart sind zwei Unterstützungszonen eingezeichnet.
Die erste Unterstützung befindet sich bei 16.000 - 16.100 Punkten. Hier fand der letzte charttechnische Ausbruch Anfang Dezember statt. Bemerkenswert ist dabei das stark angestiegene Volumen (roter Pfeil). Dies lässt vermuten, dass wir hier mit einer Gegenreaktion der Bullen rechnen können.
Bei 15.700 - 15.800 Punkten befindet sich die nächste wichtige Unterstützungszone. Auf diesem Kursniveau befindet sich der letzte lokale Hochpunkt des Aufwärtstrends aus dem Juli 2023. Zudem verläuft die Wochen-EMA 20 (lila) aktuell auf diesem Kursniveau. Abhängig von der zeitlichen Ausdehnung der Korrektur sehen wir zudem die Aufwärtstrendlinie (gestrichelte rote Linie), welche für Unterstützung sorgen könnte.

Nasdaq 100 Wochen-Chart mit Unterstützungszonen
Im folgenden Tages-Chart sind die Fibonacci-Retracement-Levels markiert. Es ist zu sehen, dass alle drei wichtigen Korrektur-Levels mit den drei lokalen Hochpunkten der Korrekturbewegung der Sommermonate zusammenfallen.

Nasdaq 100 Tages-Chart mit Fibonacci-Korrektur-Levels
Relative Stärke
Unter den bekannten amerikanischen Aktienindizes war der Nasdaq 100 im vergangenen Jahr der stärkste Index und Technologie-Aktien führten den Aufwärtstrend des breiten Marktes an. Neben dem bloßen Vergleich der prozentualen Performance eignen sich Relations-Charts sehr gut, um die relative Stärke oder Schwäche eines Marktes erkennen zu können und um frühzeitige Wechsel der relativen Stärke feststellen zu können.
Ein Relations-Chart bzw. eine Relationslinie entsteht, wenn ein Basiswert durch einen anderen dividiert wird. In diesem Fall verwenden wir die bekannten ETFs: QQQ und SPY. (Ebenso kann der Index selbst verwendet werden.) Der folgende Chart zeigt, dass im gesamten Jahr 2023 die Relationslinie aufwärts tendierte. Relations-Charts können mit den üblichen Werkzeugen der technischen Analyse untersucht werden. Zur Analyse des Trends einer Relationslinie eignen sich neben dem Trendverlauf gleitende Durchschnitte und Trendlinien sehr gut.
Der folgende Chart signalisiert auf Basis der EMAs 20 und 50 noch einen Aufwärtstrend. Sollte der Nasdaq 100 jedoch in den kommenden Wochen weiterhin Schwäche zeigen, besteht die Gefahr, dass der Trend gebrochen wird.
Die Analyse der relativen Stärke der Technologiewerte (QQQ:SPY) ist im Übrigen ein Instrument, das auch aus Sicht der Intermarket-Analyse sehr wertvolle Signale generiert. So ist zu sehen, dass der Bärenmarkt im Jahr 2022 begleitet wurde durch einen Abwärtstrend der Relationsline, d.h. durch relative Schwäche des Nasdaq 100. Mehr noch: die Relationslinie hat die Trendwenden des breiten Marktes frühzeitig angekündigt bzw. zumindest signifikante Warnsignale generiert. Das gleiche geschah zu Beginn des Jahres 2023: Hier drehte die Relationslinie nach oben und signalisierte frühzeitig eine Trendwende des breiten Marktes.

Relationslinie: Nasdaq 100 dividiert durch S&P 500 (QQQ:SPY)
Autor: Tobias Schmid
Datum: 08.01.2024

