Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
Bereits in der zweiten Handelswoche im Dezember 2023 erreichte der Dow Jones Industrial Average ein neues Allzeithoch. Der wohl bekannteste Aktienindex der Welt war somit der erste unter den vier wichtigsten US-Indizes (S&P 500, Dow Jones, Nasdaq 100, Russell 2000), dem dies nach dem Bärenmarkt im Jahr 2022 gelang.
Hohe Erwartungen im neuen Jahr
Im vergangenen Jahr beeindruckten die Aktienmärkte mit steigenden Kursen auf breiter Front. Nachdem sich der Trend zur Disinflation fortsetzen konnte, die Wirtschaft sich stabilisierte und sich zudem der Arbeitsmarkt robust zeigte, hellte sich die Stimmung unter Investoren wieder auf. Die in Aussicht gestellten Zinssenkungen befeuerten schließlich die Stimmung und sorgten für eine Jahresendrally, die den Namen auch verdient.
Die hohen Erwartungen bieten nun jedoch auch ein gewisses Maß an Enttäuschungspotenzial. Sollte es entgegen dem aktuell vorherrschenden Konsens doch noch zu einer Rezession bzw. zu einer konjunkturellen Schwäche und/oder einem deutlichen Einbruch am US-Arbeitsmarkt kommen, könnte die Stimmung wieder drehen. Die bevorstehende Berichtsaison wird wichtige Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung und die Umsatz- und Gewinnzahlen der im Dow Jones enthaltenen Larg Caps bieten.
Zeichen von Überhitzung
Nachdem der Dow Jones zwischen Oktober und Dezember zuletzt neun Wochen in Folge anstieg, sahen wir in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres eine Konsolidierung auf hohem Niveau. Der RSI (Relative Strength Index) mit einer Periodenlänge von 10 Wochen stieg über 70 Punkte an, was ein überkauftes Niveau signalisiert und die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur oder Konsolidierung erhöht. In den letzten drei Fällen, in denen der RSI über 70 Punkte anstieg, kam es in den Wochen danach zu einer Korrektur oder zumindest zu einer Verlangsamung des Anstiegs.
Dow Jones Index Wochen-Chart mit RSI (10)
Der RSI ist aber grundsätzlich nichts anderes als ein Momentum-Indikator. Ein sogenanntes überkauftes Niveau bedeutet nicht automatisch, dass es zu einer Korrektur kommen muss, sondern lediglich, dass der Kurs vergleichsweise schnell angestiegen ist. Dass der RSI in einem Bullenmarkt auch über einen längeren Zeitraum auf einem Extremniveau notieren kann, begleitet von weiter steigenden Kursen, zeigt ein Blick zurück auf die Jahre 2016 - 2018.
Zwischen November 2016 und Januar 2018 kannte der Dow Jones nur eine Richtung: nach oben. Und dies obwohl der RSI fast ununterbrochen auf Niveaus über 70 Punkten notierte.
Dow Jones Wochen-Chart: 2016 - 2019
Was sagt die Dow-Theorie?
Ein Betrachtung des Wochen-Charts zeigt, dass der Dow Jones Index zuletzt eine Abfolge von steigenden Hochs und steigenden Tiefs ausgebildet hat.

Dow Jones Wochen-Chart: Aufwärtstrend
Das bedeutet: Nach der klassischen Dow-Theorie befindet sich der Index in einem primären Aufwärtstrend. Dies gilt so lange, bis es eindeutige Signale gibt, dass sich der Trend umgekehrt hat, was einen Trendbruch bzw. eine Trendumkehr (Abfolge von fallenden Hochs und fallenden Tiefs) voraussetzen würde.
Solange dies nicht geschieht, sind Kursrückgänge lediglich als Korrekturen des primären Trend zu werten. Auf kleineren Zeiteinheiten können diese Korrekturen als sekundäre Abwärtstrends sichtbar werden, wie es beispielsweise zwischen August und Oktober 2023 geschah. Derzeit sehen wir jedoch lediglich eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Es findet also (noch) keine preisliche, sondern lediglich eine zeitliche Korrektur bzw. Konsolidierung statt. Dies kann charttechnisch als Signal der Stärke gewertet werden. Damit sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Fortsetzung der Korrektur erhöht, müsste der Dow Jones zumindest die 37.000 Punkte Marke inklusive Tages-EMA 20 nach unten durchbrechen.
Falls Ihnen die oben angesprochene Dow-Theorie bekannt ist, wissen Sie auch, dass Charles Dow neben der Betrachtung des Kursgeschehens im Dow Jones Industrial Index die Analyse des Volumens als wichtigen sekundären Indikator nannte. Zudem betonte Dow, dass sich die “beiden Indizes”, womit er den Industrieindex und den Transportindex meinte, bestätigen müssen.
Volumen bestätigt den Trend
Wie auf dem Tages-Chart zu sehen ist, wurde die jüngste Aufwärtsbewegung im Dow Jones von steigendem Volumen begleitet. Dies zeigt sich einerseits durch hohe Volumenbalken an Aufwärtstagen und durch schwaches Volumen an Abwärtstagen; andererseits können wir einen Indikator wie das On Balance Volume (OBV) verwenden, welcher das Aufwärtsvolumen ins Verhältnis zum Abwärtsvolumen setzt. Ein steigender OBV sowie ein Aufwärtstrend und der Ausbruch auf neue Hochs im OBV signalisieren, dass der primäre Aufwärtstrend im Dow Jones durch das Volumen bestätigt wird. Das bedeutet nicht, dass der Index ungebremst weiter steigen wird. Es bedeutet aber im Falle einer Korrektur, dass die Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends wahrscheinlich ist.

Dow Jones Tages-Chart mit Volumen und OBV
Transportindex mit relativer Schwäche
Ein kleines Warnsignal sehen wir hingegen bei einem Blick auf den Dow Jones Transportindex. Dieser konnte zwar im November und Dezember ebenfalls an der Rally partizipieren und in etwa gleichem Ausmaß ansteigen wie sein großer Bruder, der Industrie-Index. Allerdings erzielte der Transportindex weder ein neues Allzeithoch, noch konnte er den lokalen Hochpunkt aus dem Sommer 2023 überwinden. In den letzten drei Wochen sahen wir zudem erneut relative Schwäche im Transportindex. Erkennbar wird dies durch die Relationslinie, die Sie unter dem Chart sehen. Hier wird der Dow Jones Transportindex durch den Dow Jones Industrieindex dividiert.

Dow Jones Transportindex Wochen-Chart
Wie Sie im Wochen-Chart erkennen können, befindet sich die Relationslinie auf einem kritischen Niveau. Sollte sich die relative Schwäche des Industrieindex fortsetzen und die Relationslinie nach unten ausbrechen, können wir dies als ein Warnsignal werten, welches die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur im Dow Jones Industrieindex ebenfalls erhöhen würde. Sollte der Transportindex in den kommenden Wochen relative Stärke aufweisen, wäre dies hingegen ein positives bzw. ein Trend-bestätigendes Signal.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 15.01.2024

