
von Mark Douglas ist zur Abwechslung mal wieder ein Buch, das sich mit der psychologischen Seite des Tradings beschäftigt. Es versucht, den Lesern zu helfen, eine professionelle Einstellung zum Handel zu entwickeln – wobei es leider wie die meisten Bücher in dem Bereich, weit entfernt ist von einem wissenschaftlichen Fundament. Auch Quellangaben sind mal wieder absolute Mangelware bzw. nicht vorhanden bei dieser deutschen Ausgabe des erschreckenderweise weltweiten Bestsellers Trading in the Zone.

Zweifelsfrei bietet es einige interessante Perspektiven auf die mentalen Herausforderungen, denen aktive Trader im täglichen Handel gegenüberstehen. Mir erschließt sich nur nicht, weshalb man sich dabei, wenn überhaupt, dann nur höchst oberflächlich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Die psychologische Perspektive hinter der menschlichen Entscheidungsfindung – vollkommen losgelöst vom Kapitalmarkt – ist nicht erst seit Daniel Kahneman, Richard Thaler und Co. weltweit bekannt, wissenschaftlich mit Nobelpreisen prämiert worden und zu einem eigenen Wissenschaftszweig geworden: der Behavioral Finance.
Statt sich an diesen Erkenntnissen zu orientieren und den Menschen damit ein Stück weit Tribut zu zollen, die Annahmen und Thesen kritisch und methodisch korrekt über Jahrzehnte überprüft haben, verirrt sich Mark Douglas wieder in persönlichen Erfahrungen, Hörensagen und der typischen Front zwischen Wissenschaft und Praxis.
Eine unglaublich naive und limitierende Annahme, die meiner Meinung nach davor die Augen verschließt, dass die wissenschaftliche Faktenlage, die Kahneman und Co. auf breiter Flur in den letzten Jahrzehnten geschaffen und selbst immer wieder kritisch geprüft haben, auf realen Beobachtungen und Experimenten beruht und eben kein „akademisches Lehrbuchwissen“ darstellt, wie es von Seiten Autoren wie Mark Douglas gerne dargestellt wird.
Mark Douglas ist für mich mal wieder die Perfektion des typischen Trading-Coaches. Nach wenigen selbst am Kapitalmarkt aktiven Jahren, in denen er mehr oder weniger überzeugende Ergebnisse abgeliefert hat – deren Eintreten selbstverständlich nichts mit dem Zufall, sondern mir seinem eigenen Können zu tun hatte – ging er den Weg und vermarktete seinen Track-Record, um anderen Tradern zu zeigen, wie sie erfolgreich werden. Dabei konzentrierte er sich dann auch noch cleverer Weise auf die Psychologie hinter dem Handeln, statt auf das Handeln selbst, denn nichts ist weniger greifbar und damit entspannt aus der Perspektive des Coaches.
Das Buch besteht inhaltlich aus verschiedenen Themenbereichen, die sich mit der fundamentalen und technischen Analyse, den Versuchungen und Gefahren des Tradings, der Verantwortungsübernahme und der Entwicklung von Konsistenz im Denken und Handeln befassen. Dabei erklärt der Autor auch die Bedeutung von Überzeugungen und wie sie das Trading beeinflussen können.
Was Mark Douglas dabei unter anderem für absolut absurde und nicht einmal ansatzweise belegbare Aussagen zum Besten gibt, schlägt mitunter dem Fass den Boden aus. So argumentiert er, ohne dabei jegliche Quellangaben zu liefern, wie im Übrigen auch bei allen anderen wertenden Aussagen im Buch, dass die technische Analyse in der heutigen Zeit überlegen sei:
„Die technischen Analysten wussten etwas, wofür die breite Masse der Marktteilnehmer Generationen brauchte, um es zu begreifen.
Als Methode zur Vorhersage künftiger Kursbewegungen hat sich die technische Analyse gegenüber einem rein fundamentalen Ansatz als weit überlegen erwiesen.“
Mark Douglas
Aus diesen beiden wissenschaftlich in keiner Weise haltbaren Behauptungen – man schlage nur eines der Bücher von John Bogle, Burton Malkiel, Pirmin Hotz, Gerd Kommer oder Nate Silver auf – lässt sich meiner Meinung nach wieder in Perfektion die Geisteshaltung der Branche erkennen: die vermeintlichen Experten wissen etwas, das andere so einfach nicht verstehen können. Vielleicht, weil sie intellektuell – trotz Nobelpreise etc. – dazu einfach nicht in der Lage sind, oder weil sie noch nicht den Weg in die Gruppe der Erleuchteten gefunden haben. Eben weil sie es nicht verstehen können, finden sie dutzende wissenschaftliche Belege dafür, dass es Bullshit ist. Ihnen fehlt der Glauben, die Überzeugung, gar die Weitsicht und deswegen sind sie verdammt, auf Ewigkeit, den erfolgreichen Tradern bei ihrem Erfolg zuschauen zu müssen.
„Wenn Sie 1024 Gorillas in eine Sporthalle verfrachten und ihnen beibringen, Münzen zu werfen, wird einer darunter sein, der zehnmal hintereinander Kopf wirft. Die meisten würden das Glück nennen; im Investment Geschäft heißt es dagegen: So ein Genie!“
John C. Bogle aus Tony Robbins Buch Unangreifbar
Es ist wirklich erschreckend, dass immer noch unzählige Menschen diesen offenkundigen Hokuspokus Glauben schenken, obgleich es immer dasselbe Spiel ist: Chartanalyse-Prediger wie Mark Douglas und Co. veröffentlichen Bücher voller Behauptungen, Mutmaßungen und unwissenschaftlicher Aussagen ohne jeglichen Beleg – die Praxis und der selbstverständlich ausschließlich auf Können zurückzuführende Erfolg einiger Trader sei Beleg genug (Survivorship- und Overconfidence-Bias gibt es unter ihnen scheinbar nicht) – und rationale Investoren veröffentlichen etliche Studien und Bücher voller Belege, dass das absoluter Unfug ist. Mir will sich einfach nicht erschließen, weshalb man da noch allen Ernstes Zweifel hegt oder gar der Meinung ist, dass beide Ansätze ähnlich relevant seien.
„Es ist schwierig jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht.“
Upton Sinclair aus Rolf Dobellis Buch Die Kunst des klugen Denkens
Vielleicht wollen manche Menschen einfach nicht die Hoffnung aufgeben, irgendwann doch den heiligen Gral der Kapitalmärkte zu finden oder eben den einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, in die Unterrendite zu treiben und ewig zu binden.
„Der technische Ansatz eröffnet viel mehr Möglichkeiten, denn er zeigt auf, wie dieselben wiederholbaren Verhaltensmuster von Augenblick zu Augenblick, täglich, wöchentlich, jährlich und in jeder Zeitspanne dazwischen auftreten. Mit anderen Worten: Die technische Analyse verwandelt den Markt in einen endlosen Strom von Möglichkeiten, sich zu bereichern.“
Mark Douglas
Müßig an dieser Stelle zu erwähnen, dass es schier unmöglich ist, zwischen all diesen Möglichkeiten korrekt zu wählen. In der Rückschau findet man bekanntlich immer das „richtige“ Signal, aber mit Blick nach vorne, sieht das schon ganz anders aus. An dieser Stelle vielleicht auch nochmal Nate Silver dazu:
„Vielleicht sollten wir etwas Sympathie für diese armen Chartanalysten aufbringen. Das Signal vom Rauschen zu unterscheiden, ist nicht immer einfach.“
Nate Silver aus seinem Buch Die Berechnung der Zukunft
Dies ist allerdings nicht nur eine losgelöste Aussage seinerseits aus seinem Buch: er erarbeitet sie vorher auf hunderten Seiten mit unzähligen Quellen. Das Buch von Mark Douglas umfasst dahingegen nicht einmal hunderte Seiten und kommt recht dünn und überschaubar daher.
Schon das Backcover des Buches offenbart, dass auch Mark Douglas mal wieder den wesentlichen Teil seines Geldes nicht mit dem Handel von Wertpapieren selbst, sondern mit dem Coaching anderer Händler verdient hat. In ein Bildnis übersetzt ist er mal wieder nicht der Goldsucher, sondern der, der die Goldsucher mit Schaufeln versorgt. Und selbstverständlich wird der Verkäufer von Schaufeln den Leuten stets erzählen, dass dort ganz viel Gold liegt. Er hat es mit eigenen Augen gesehen, ist nur ein solcher Menschenfreund, dass er es ihnen überlässt. Ob dort am Ende wirklich Gold liegt oder nicht, kann ihn egal sein, denn er hat die Schaufel verkauft und damit sein Geld gemacht.
So kann man dann am besten Seminare, Trainings, Coachings, Mentoring-Programme und Bücher verkaufen.
Wir sollten Menschen wie Marc Douglas danken, dass sie solch aufrichtige und bescheidene Menschen sind, dass sie nicht selbst das Gold aus den Flüssen und Stollen heraustragen, obwohl es doch so einfach ist. Aus reiner Nächstenliebe erzählen sie lieber anderen, wie es geht, damit diese ebenfalls so vermögend werden können wie sie.
„Tradingpsychologie stellt einen seriösen psychologischen Ansatz vor, um ein beständiger Gewinner beim Traden zu werden. Ich biete kein Handelssystem an; ich bin mehr daran interessiert, Ihnen zu zeigen, wie Sie auf eine Art und Weise denken können, die notwendig ist, um ein profitabler Händler zu wer-den. Ich gehe davon aus, dass Sie bereits Ihr eigenes System, Ihren eigenen Vorsprung haben. Sie müssen lernen, Ihrem Vorteil zu vertrauen. Denn dieser Vorteil bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses höher ist als die eines anderen. Je größer Ihr Vertrauen ist, desto einfacher wird es sein, Ihre Geschäfte auszuführen. Dieses Buch soll Ihnen die Einsicht und das Verständnis vermitteln, das Sie über sich selbst und die Natur des Tradings brauchen, damit das Handeln so leicht, einfach und stressfrei wird, wie wenn Sie nur den Markt beobachten und darüber nachdenken, es zu tun.“
Marc Douglas

Ich empfinde es schon irgendwie als befremdlich, seinen eigenen Ansatz als seriös zu bezeichnen, dann allerdings in seinem Buch auf knapp 200 Seiten, keine einzige Quelle zu nennen und nicht einmal ein Literaturverzeichnis zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich wird es ihm – wie angeblich bei so vielen Büchern im Bereich des Tradings – vom Verlag untersagt worden sein. Aber so ist das nur einmal, wenn man keine Quellen für die eigenen Behauptungen hat. Dann schreibt man einfach selbst vorweg, dass der Ansatz seriös ist und dann ist es eben so. Dazu bedarf es keiner weiterer Quellen.
Am Ende bleibt es bei einem Stern für ein Buch, was durchaus ein paar interessante psychologische Tipps und Tricks mitbringt, um mental stärker und konsistenter an den Märkten agieren zu können. Aber deutlich und klare Abwertungen gibt es für zahlreiche wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen und ein doch recht überschaubares Buch mit wenig optischer Gestaltung, keinerlei Quellangaben, ohne Literaturverzeichnis etc. Es vermittelt und bestätigt sich selbst einen wissenschaftlichen Anspruch, basiert aber im Grunde genommen nur auf Behauptungen, Mutmaßungen und Annahmen des Autors, deren Herkunft wir in keiner Art und Weise nachverfolgen können.
Das ist für mich eines Sachbuchs nicht würdig und aufgrund der Vielzahl an steilen Thesen im Buch auch nicht tragbar. Und deswegen kann ich dem Buch auch keine zwei Sterne geben, was zumindest noch ein „solide“ darstellen würde.
