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Survivorship Bias

Bestimmte Verzerrungen im Denken können dazu führen, dass Entscheidungen ungenau oder irrational werden. Auch im Zusammenhang mit der Börse und dem Handel spielen solche Verzerrungen eine Rolle. Ein Beispiel hierfür ist der Survivorship Bias. In diesem Artikel erfahren Sie, was genau der Survivorship Bias aussagt und wozu er führen kann. 

Was bedeutet Survivorship Bias? 

Bei sogenannten kognitiven Verzerrungen handelt es sich um Phänomene aus der Kognitionspsychologie. Es geht um fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Denken, Erinnern und Urteilen. Diese können zu irrationalen Entscheidungen führen.

Survivorship Bias bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie "Überlebenden-Verzerrung". Besonders gut beobachtbar sind diese Verzerrungen, wenn Datensätze von Stichproben lediglich “überlebende” Beobachtungen enthalten. Beispiele, die nicht erfolgreich verliefen, werden hierbei nicht berücksichtigt, was zu Fehleinschätzungen führen kann. 

Dadurch, dass Misserfolge nicht ausreichend miteinbezogen werden, können besonders die Erfolgswahrscheinlichkeiten von Gruppen, Personen oder bestimmten Ereignissen überschätzt werden. Erfolge werden demnach als müheloser Aufstieg angesehen, ohne dass der gesamte Prozess, der auch Rückschläge und Schwierigkeiten beinhaltet, berücksichtigt wird.

Diese Verzerrung spielt auch im Rahmen der Börse eine wichtige Rolle: Viele Anleger orientieren sich dabei beispielsweise an Erfolgen aus der Vergangenheit, beachten aber frühere Verluste nicht, was zu unrealistischen Erwartungen ihres Investments führt.

Wieso entsteht der Survivorship Bias?

Grundsätzlich entstehen Wahrnehmungsfehler oder kognitive Verzerrungen dadurch, dass das menschliche Gehirn Abkürzungen verwendet. Diese sollen Dinge vereinfachen und Denkwege effizienter gestalten und werden auch “Heuristiken” genannt. 

  • Das funktioniert, indem Menschen beim Denken auf vergangene Erfahrungen zurückgreifen
  • Auf diese Weise kommt es allerdings auch zu Problemen, wie der Bildung von typischen Vorurteilen bzw. Stereotypen und Schubladendenken

Der Survivorship Bias kann im Rahmen einer Analyse entstehen, wenn herangezogene Daten fehlerhaft ausgewählt werden. Hierbei liegt der Fokus des Betrachters größtenteils auf den Erfolgen der Vergangenheit, ohne dass Misserfolge ausreichend berücksichtigt werden. Der Fehler kann in einem der drei folgenden Prozessschritte liegen:

Es kann bereits bei der Erhebung von Daten zu Problemen kommen. Wenn Misserfolge bewusst oder unbewusst ausgeschlossen werden, entsteht ein starker Fokus auf bisherigen Erfolgen.

Auch im Zuge der Datenaufbereitung können Schwierigkeiten entstehen, wenn ein Teil der erhobenen Daten ausgeschlossen wird und die restlichen Daten größtenteils Erfolge beinhalten.

In manchen Fällen entsteht der Fehler auch erst während der Analyse. Obwohl ausreichende Daten vorhanden sind, kann sich eine Person nur auf eine bestimmte Art von Daten, im vorliegenden Fall speziell den bisherigen Erfolgen, fokussieren. Dadurch wird die Interpretation durch den Schwerpunkt von Erfolgen irrational und unrealistisch, da die Misserfolge nicht berücksichtigt wurden.

Survivorship Bias an der Börse

Im Folgenden sehen wir uns konkrete Beispiele für den Survivorship Bias an, wie er im Zusammenhang mit der Börse und dem Investieren entstehen kann.

Wachstumsaktien

Eine Möglichkeit, den Survivorship Bias konkret zu beobachten, ist der Handel mit Wachstumsaktien. Während wirtschaftlich guter Zeiten sind Wachstumsaktien häufig sehr beliebt bei Anlegern. Investoren gehen von hohem Wachstumspotenzial und Aktienkursen aus. Allerdings können solche Unternehmensaktien oftmals nur keine oder geringe Gewinne vorweisen.

Anleger, die sich vermehrt auf Wachstumsaktien spezialisieren, begründen ihre Investments häufig mit vergangenen Erfolgsgeschichten von ehemaligen Wachstumsaktien. Diese haben alle Erwartungen übertroffen und für hohe Gewinne gesorgt.

Hier ist der Survivorship Bias deutlich erkennbar: Investoren berücksichtigen vergangene Erfolge, lassen Misserfolge und gescheiterte Wachstumsaktien allerdings außen vor. Das führt zu unrealistischen Zukunftsprognosen und Erwartungen

Investmentfonds

Im Zuge von Performanceanalysen von Investmentfonds kann es zum Survivorship Bias kommen. Wenn die Performance von Fonds betrachtet wird, werden oft nur die Fonds mit einbezogen, die tatsächlich überlebt haben und nicht geschlossen wurden. Auch Fonds, die eine unterdurchschnittliche Performance hingelegt haben, werden oftmals nicht mit einberechnet. 

Dadurch, dass solche Misserfolge im Datensatz erst gar nicht berücksichtigt werden, kommt es zu einer Fehleinschätzung der Wertentwicklung von Fonds. Die Gesamtperformance kann dadurch unrealistisch hoch eingeschätzt werden, während die Möglichkeit des Scheiterns nicht beachtet wird. 

Indizes

Wenn Indizes betrachtet werden, werden enthaltene Unternehmen oftmals als qualitativ hochwertig angesehen, da sie bereits bestimmte Kriterien erfüllt haben müssen, um in den Index aufgenommen zu werden. 

Indizes werden allerdings in regelmäßigen Zeitabständen neu aufgestellt. Immer wieder fallen Unternehmen aus Indizes heraus, die bestimmten Kriterien nicht mehr standhalten können. An ihre Stelle treten andere Unternehmen, die stattdessen nachrücken können. Nur wenige Aktien, die einmal aus einem Index gefallen sind, schaffen es zu einem späteren Zeitpunkt erneut, wieder aufgenommen zu werden. 

Wie können Investoren den Survivorship Bias an der Börse verhindern?

Der Survivorship Bias kann im Kontext von Investments zu irrationalen Transaktionen und damit zu Verlusten führen. Deshalb ist es für Anleger entscheidend, diese Verzerrung zu verstehen und im Alltag zu berücksichtigen. Doch wie kann dies gelingen?

Mögliche Verzerrungen können Sie finden, wenn Sie nicht nur auf die Daten sehen, die Sie bereits haben, sondern sich fragen, was fehlen könnte. Haben Sie ausreichend Daten zur Verfügung? Sind auch schlechte Kennzahlen und negative Entwicklungen berücksichtigt und die Daten repräsentativ?

Zudem sollten vergangene Erfolgsgeschichten stets hinterfragt und in Bezug zur Gesamtzahl gesetzt werden. Sind diese Erfolge in der entsprechenden Branche sehr häufig oder eher die Ausnahme?

Eine konkrete Strategie ist das systematisierte Investieren. Hier verwenden Investoren feste Regelwerke, um ihre Investitionsentscheidungen zu tätigen. Sie lassen sich nicht von vergangenen Erfolgen beeindrucken und setzen stattdessen auf vorab festgelegte Regeln, damit Verzerrungen schwieriger eintreten können. 

Auch ein ausreichendes Risikomanagement gehört dazu. Ein Beispiel bieten Fundamentalanalysen, die konkrete Zahlen berücksichtigen und sich nicht nur auf die Vergangenheit eines Unternehmens oder einer Branche stützen.

Fazit: Survivorship Bias beim Investieren

Kognitive Verzerrungen spielen im Alltag eine wichtige Rolle. Es können fehlerhafte Neigungen in Bezug auf das Denken, die Wahrnehmung, das Erinnern oder Urteilen entstehen. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist der Survivorship Bias, bei dem Personen sich lediglich auf Erfolge fokussieren und Misserfolge nicht ausreichend berücksichtigen, was zu unrealistischen und fehlerhaften Einschätzungen führt.

Solche Verzerrungen spielen auch an der Börse bei Anlegern eine wichtige Rolle. Beispielsweise kaufen manche Investoren bevorzugt Wachstumsaktien, die sie mit hervorstechenden Erfolgsgeschichten einiger weniger Unternehmen berücksichtigen. Hierbei werden Misserfolge von einer Vielzahl an anderen Konzernen nicht beachtet. 

Lassen sich Anleger vom Survivorship Bias beeinflussen, kann es zu irrationalen Einschätzungen und damit verbundenen Verlusten kommen. Ein besseres Verständnis der kognitiven Verzerrung kann demnach helfen, die eigenen Anlageentscheidungen zu optimieren. Das funktioniert beispielsweise durch Einsetzen der Fundamentalanalyse und systematisiertes Investieren, um solche Gefahren zu reduzieren.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist der Survivorship Bias?

Der Survivorship Bias ist ein Beispiel für eine kognitive Verzerrung. Kognitive Verzerrungen sind Phänomene aus der Kognitionspsychologie, die fehlerhafte Neigungen beschreiben. Personen fokussieren sich beim Survivorship Bias auf Erfolgsgeschichten, während Misserfolge nicht berücksichtigt werden. Das kann zu fehlerhaften Einschätzungen und unrealistischen Erwartungen führen.

Wo spielt der Survivorship Bias an der Börse eine Rolle?

An einigen konkreten Beispielen lässt sich das Phänomen im Börsenalltag beobachten. Anleger begründen Käufe von Wachstumsaktien mit erfolgreichen Beispielen aus der Vergangenheit und lassen Fehlversuche außer Acht. Bei der Analyse der Gesamtperformance von Investmentfonds werden geschlossene oder unterdurchschnittliche Fonds oftmals nicht berücksichtigt. Zudem kommt es zu einer Zuschreibung einer hohen Qualität von Unternehmen, die in Indizes enthalten sind. Diese können auch aus dem Index herausfallen, was selten bedacht wird.

Wie kann ich den Survivorship Bias beim Investieren vermeiden?

Ein besseres Verständnis des Survivorship Bias kann helfen, bessere und fundiertere Anlageentscheidungen zu treffen und Verluste aufgrund solcher fehlerhaften Neigungen zu vermeiden. Dazu sollten sich Anleger ans systematisierte Investieren halten, ein ausreichendes Risikomanagement betreiben und die Fundamentalanalyse berücksichtigen. Es sollte stets auf vollständige Datensätze geachtet werden, die Misserfolge beinhalten.

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