Im Zuge von steigenden Inflationsraten haben Sie vermutlich von der EZB oder der Europäischen Zentralbank gehört. Hierbei handelt es sich um ein Organ innerhalb der Europäischen Union mit dem Ziel, eine gemeinsame Geldpolitik zu leiten. In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau die EZB ist, wie sie entstanden ist, was ihre Aufgaben sind und welche Instrumente genutzt werden, um vorgegebene Ziele zu erreichen.
EZB Definition
Die Abkürzung EZB steht für “Europäische Zentralbank”. Diese hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Grundlegende Funktion der EZB ist die Geldpolitik der Europäischen Gemeinschaftswährung. Dazu gehört es, die Preisstabilität innerhalb der Europäischen Union zu gewährleisten.
Wichtig ist, dass die Europäische Zentralbank eine unabhängige Zentralbank ist. Obwohl sie zur Europäischen Union gehört, besitzt sie ihren eigenen Haushalt und garantiert demnach finanzielle Unabhängigkeit. Sie gehört zu den sieben Organen der EU, ist in ihrem Handeln aber unabhängig.
In diesem Zusammenhang ist die Unabhängigkeit von politischen oder anderen externen Einflüssen zu erwähnen. Die EZB kann entscheiden, mit welchen Methoden die Ziele erreicht werden sollen (operative Unabhängigkeit). Der Begriff “institutionelle Unabhängigkeit” besagt, dass die Europäische Zentralbank nicht politisch beeinflusst werden darf.
Im Sinne der personellen Unabhängigkeit geben juristische Rahmenbedingungen eine Verhinderung einer zu starken Machtkonzentration vor. Das geschieht durch das Verbot von Nebentätigkeiten und begrenzte Amtszeiten, die zu Interessenkonflikten führen könnten.
Geschichte der EZB
Die Europäische Zentralbank wurde am 1. Juni 1998 gegründet. Dabei waren die elf Gründungsstaaten der EU: Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Finnland, Luxemburg, Österreich, Portugal und Irland. Seitdem sind Griechenland, Slowenien, Malta und Zypern, Slowakei, Estland, Lettland und Litauen hinzugekommen.
Ein erster Schritt zur Gründung der EZB erfolgte bereits im Jahr 1988. Es wurde beschlossen, dass eine Wirtschafts- und Währungsunion mit freiem Kapitalverkehr innerhalb Europas geschaffen werden soll. Dabei wurden eine gemeinschaftliche Währungsbehörde und eine dazugehörende Geldpolitik aufgebaut.
Im Jahr 1990 kam es zu dem ersten entscheidenden Schritt: Es erfolgten neue Regelungen für einen völlig freien Warenverkehr zwischen den Mitgliedern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Im Jahr 1994 kam es zum zweiten Schritt. Es wurde der Vorläufer der Europäischen Zentralbank gegründet: das Europäische Währungsinstitut, EWI genannt. Die Vorarbeit dieser Zeit beschäftigte sich bereits damit, eine gemeinsame Wirtschaftspolitik aufzubauen und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Sinn des EWI war es, Zusammenarbeit und Koordinierung der nationalen Zentralbanken und der Geldpolitik zu fördern.
Das Jahr 1999 kennzeichnet den dritten Schritt, in dem die EZB die Verantwortung für eine einheitliche Geldpolitik bekam und Wechselkurse der Währungen der ursprünglichen Mitgliedstaaten der Währungsunion festgelegt wurden.
Welche Aufgaben hat die EZB?
Grundsätzliche Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist eine gemeinsame Geldpolitik der europäischen Währung. Dazu gehören folgende Aspekte:
- Durchführung von Devisengeschäften
- Festlegung und Durchführung der Regelungen der Geldpolitik
- Verwahrung der Reserven aller Mitgliedstaaten
- Sicherstellung darüber, dass nationale Behörden die Finanzmärkte und zugehörigen Institute beaufsichtigen
- Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit im europäischen Bankensystem
- Genehmigungen der Ausgabe von Banknoten an die verschiedenen Länder des Euroraums
- Garantieren von sicheren, funktionierenden Zahlungssystemen
Grob können folgende zwei Ziele der Europäischen Zentralbank unterschieden werden:
- Preisstabilität garantieren: Zu dieser Aufgabe gehört es, starke Schwankungen des Geldwertes zu verhindern. Den wichtigsten Orientierungswert hierzu bietet die Inflation.
- Stabile Konjunkturentwicklung erhalten: Die Wirtschaften der Mitgliedstaaten sollen vor einer Rezession geschützt werden. Von Bedeutung sind hier die Auslastungen der volkswirtschaftlichen Kapazitäten.
Neben den großen Hauptzielen gehören noch einige Nebenziele dazu. Beispielsweise soll ein gewisses Wirtschaftswachstum sichergestellt werden. Zudem wird daran gearbeitet, hohe Beschäftigtenzahlen zu gewährleisten.
Welche Instrumente nutzt die EZB?
- Zinsen: Am bekanntesten ist das Instrument des Leitzinses. Der Leitzins gibt an, welcher Zinssatz für Banken anfällt, wenn diese sich bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen. Die Höhe des Leitzinses wird direkt durch die EZB festgelegt. Privatbanken geben erhobene Zinsen an ihre Kunden weiter. Bei hohen Inflationsraten nutzt die Europäische Zentralbank den Leitzins als Instrument und hebt ihn an.
- Höhe der Reserven: Die EZB schreibt den Geschäftsbanken vor, wie hoch ihre Mindestreserven auf den Girokonten der nationalen Zentralbanken sein müssen.
- Offenmarktgeschäfte: Das Geld der Europäischen Zentralbank wird gegen Zinsen an Geschäftsbanken der Mitgliedsstaaten vergeben.
- Vorbehaltlose geldpolitische Geschäfte: Die Europäische Zentralbank hat die Möglichkeit, in unbegrenzter Menge kurzfristig Käufe von Anleihen von Mitgliedstaaten der EU zu tätigen. Derzeit hat noch kein Mitgliedsstaat auf dieses Mittel zurückgegriffen.
- Wertpapierhandel: Die EZB ist im Ankauf von Wertpapieren tätig, wie beispielsweise Unternehmens- oder Staatsanleihen.
- Beteiligung am Devisenmarkt: Die Europäische Zentralbank kann am Devisenmarkt teilnehmen. Diese Beteiligung kann ein Instrument mit dem Ziel darstellen, Stabilität im Bereich der Geldpolitik sicherzustellen.
- Ständige Fazilitäten: Zur Refinanzierung von Geschäftsbanken kann die Europäische Zentralbank Kredite gewähren.
Wie ist die EZB aufgebaut?
Die Europäische Zentralbank setzt sich aus drei Entscheidungsgremien zusammen:
- EZB-Rat: Hierbei handelt es sich um das zentrale Entscheidungsgremium, bestehend aus den Mitgliedern des Direktoriums und den jeweiligen Präsidenten der nationalen Zentralbanken aller Mitgliedstaaten. Dieses Organ der EZB übernimmt wichtige Aufgaben, wie die Festlegung des Leitzinses oder grundlegende Regelungen einer gemeinsamen Geldpolitik. Zudem gehört die Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung dazu.
- Direktorium: Dieses Organ überwacht die Tagesgeschäfte der Europäischen Zentralbank und führt die währungspolitischen Regelungen durch. Es besteht aus Präsident, Vizepräsident und vier weiteren Mitgliedern. Letztere werden alle acht Jahre von den Regierungschefs der teilnehmenden Länder bestimmt.
- Erweiterter Rat: Der erweiterte Rat ist beratend und koordinierend tätig. Beispielsweise übernimmt er die Vorbereitungen, wenn ein neues Land zum Euroraum beitreten soll. Er besteht aus Präsident, Vizepräsident und sämtlichen Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten.
Neben diesen drei Gremien gibt es den Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Dieser repräsentiert die EZB und ist Vorsitzender des Direktoriums. Der Rat wählt den Präsidenten alle acht Jahre, wobei eine Wiederwahl ausgeschlossen ist.
Fazit: Was ist die EZB?
Die EZB oder auch Europäische Zentralbank ist eine der sieben Organe der EU. Sie agiert unabhängig, um Interessenkonflikte zu vermeiden und besitzt finanzielle Unabhängigkeit. Übergeordnete Aufgabe ist die Leitung und Durchführung einer gemeinsamen Geldpolitik der Mitgliedstaaten.
Dazu gehören Aufgaben wie die Verwahrung von Reserven, Sicherstellung einer angemessenen Beaufsichtigung von nationalen Behörden über Finanzmärkte und Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität im Bankensystem. Die EZB kann am Devisenmarkt tätig sein und legt die Regelungen der Geldpolitik fest.
Ein wichtiges Ziel der EZB ist die Garantie der Preisstabilität. Stärkere Schwankungen des Geldwerts sollen verhindert werden. Das zweite grundlegende Ziel ist die Erhaltung einer stabilen Konjunkturentwicklung und damit der Schutz vor einer Rezession der teilnehmenden Staaten.
Um diese Ziele zu erreichen, werden von der EZB verschiedene Instrumente eingesetzt, wie der Leitzins, Festlegung der Reservenhöhe, Offenmarktgeschäfte oder vorbehaltlose geldpolitische Geschäfte. Zudem können der Handel mit Wertpapieren, die Beteiligung am Devisenmarkt oder ständige Fazilitäten eingesetzt werden, um wichtige Ziele zu erreichen.