Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
Die schlechten Nachrichten scheinen derzeit kein Ende zu nehmen. Letzte Woche beherrschten erneut Schlagzeilen rund um den Handelsstreit und die Einführung neuer Zölle das Geschehen und sorgten für Abgabedruck an den Aktienmärkten. Der Dow Jones verlor im Vergleich zur Vorwoche rund 1300 Punkte bzw. 3,1 Prozent. Das charttechnische Bild scheint mittlerweile stark angeschlagen. Der Markt ist bereits deutlich überverkauft, aber eine echte Gegenbewegung nach oben konnte bislang nicht stattfinden. Am Freitagabend folgte jedoch eine starke Rally und die spannende Frage ist, ob diese in der neuen Woche fortgesetzt werden kann, oder ob sofort wieder die Bären das Ruder übernehmen.
Rezessionsängste sorgen für Abgabedruck
Aufgrund des andauernden Handelsstreits und der Furcht vor den negativen Auswirkungen der neu eingeführten Zölle der Trump-Administration hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA erhöht. Viele Banken haben Ihre Prognosen angepasst. Die Schätzungen für die Wahrscheinlichkeit einer Rezession liegen in den meisten Fällen aber nach wie vor unter 50 %:
- JPMorgan Chase: Chefökonom Bruce Kasman schätzt die Rezessionswahrscheinlichkeit in den USA nun auf ungefähr 40 % (zuvor rund 30 % zu Jahresbeginn). Er warnte vor dauerhaften Schäden am Ansehen der USA als Investitionsstandort, falls die Regierung weiter das Vertrauen untergrabe, und begründete die höhere Rezessionsgefahr mit der Sorge, dass Präsident Trumps neue Importzölle das US-Wachstum deutlich bremsen könnten. Gemäß Kasman würde das Rezessionsrisiko auf über 50 % steigen, falls die ab April angedrohten reziproken Strafzölle tatsächlich umfassend in Kraft treten.
- Goldman Sachs: Auch Goldman Sachs erhöhte die geschätzte 12-Monats-Rezessionswahrscheinlichkeit auf 20 % (von zuvor 15 %). Als Hauptgrund nannten Goldman-Ökonomen ebenfalls die neuen US-Zölle, die voraussichtlich die Inflation anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen, was die Rezessionsgefahr erhöht. Gleichzeitig senkte Goldman seine BIP-Wachstumsprognose für 2025 deutlich (von 2,2 % auf 1,7 %).
- Morgan Stanley: Morgan Stanleys Chefvolkswirt Michael Gapen erklärte in einem Interview, die Rezessionswahrscheinlichkeit sei durch die jüngsten Entwicklungen „vielleicht auf 20–25 %“ gestiegen – etwa doppelt so hoch wie in einem normalen Jahr. Bislang habe man nur mit etwa 10 % gerechnet. Gapen führte die Anpassung auf die Kombination mehrerer Politikmaßnahmen zurück: Vor allem Trumps Zollerhöhungen, aber auch geplante staatliche Ausgabenkürzungen sowie strengere Einwanderungskontrollen würden die Wirtschaftsaktivität im Jahr 2025 spürbar belasten.
Allerdings gab es in der vergangenen Woche auch Entwicklungen, die den Bullen Hoffnung geben und die zu einer Ausweitung der am Freitag begonnenen Korrektur führen könnten. Einerseits scheint die Furcht vor einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zumindest im Moment übertrieben zu sein. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen am vergangenen Donnerstag mit 221.000 unter den Erwartungen des Marktes und unter dem Wert der Vorwoche. Zudem signalisierten die Verbraucherpreise und die Erzeugerpreise einen sich fortsetzenden Trend der Disinflation, was den Spielraum der Fed für Zinssenkungen im laufenden Jahr erhöht.
Einigung im Haushaltsstreit
Ein weiterer Faktor, der im Verlauf der letzten Woche für Zurückhaltung unter Investoren sorgte, war der anhaltende Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten. Im Falle einer ausbleibenden Einigung wäre ein Government-Shutdown die Folge gewesen. Wie auch in den Jahren zuvor hat man sich aber in letzter Minute geeinigt und ein Shutdown blieb aus. Die positive Reaktion der Aktienmärkte dürfte unter anderem auch auf die getroffene Einigung zurückzuführen sein. Interessant zu beobachten bleibt, ob sich die positive Stimmung zu Beginn der Woche fortsetzen kann, bevor im weiteren Verlauf der Woche der Fokus auf der Fed-Sitzung am Mittwoch, 19. März liegen wird sowie auf einigen wichtigen Konjunkturdaten, die Aufschluss darüber geben könnten, ob die Befürchtungen vor einer Rezession begründet oder übertrieben sind.
Dow Jones bildet Double Top
Bei einem Blick auf den Tageschart des Dow Jones erkennen Sie, dass mittlerweile charttechnisch ein gewisser Schaden angerichtet wurde. Nachdem der Dow Jones das Allzeithoch bei rund 45.000 Punkten nicht überschreiten konnte, folgte eine Abwärtsbewegung, die unmittelbar zum Ausbruch unter die Unterstützung bei 42.000 Punkten führte.

Somit wurde ein Double Top ausgebildet und getriggert, das zumindest gemäß klassischer Charttechnik zu weiter fallenden Kursen führen könnte bzw. dürfte. Das Kursziel dieser Abwärtsbewegung können Sie ermitteln, indem Sie die Höhe des Double Tops von der Unterseite des Double Tops subtrahieren: 42.000 - (45.000 - 42.000) = 39.000.
Ob es tatsächlich zu einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung oder sogar zur Entstehung eines neuen Bärenmarktes kommt, bleibt abzuwarten. Das Kursgeschehen ist derzeit stark von den politischen Entwicklungen abhängig und es ist kaum vorherzusagen, welche Entscheidungen in den nächsten Tagen und Wochen getroffen werden. Falls die Entwicklungen tatsächlich auf eine Rezession hindeuten, dürften wir weiter fallende Kurse sehen.
Die Hoffnung der Bullen ist hingegen, dass der Zollstreit wie auch in der ersten Amtszeit von Donald Trump hauptsächlich verhandlungstaktische Motive hat und als Druckmittel eingesetzt wird. Falls wie 2017 eine Deeskalation und eine Einigung vermeldet wird, könnten die Aktienmärkte auch schnell wieder in den Rally-Modus zurückkehren. Falls der Dow Jones in den kommenden Tagen unter hohem Volumen ansteigen und die 42.000-Punkte-Marke nachhaltig überwinden kann, stünden die Chancen auf eine Fortsetzung des Bullenmarktes gut.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 17.03.2025
