Mit dem Thema Zöllen müssen sich Anleger spätestens seit dem Amtsantritt Donald Trumps im Januar 2025 zum US-Präsidenten auseinandersetzen. Die Zollpolitik der US-amerikanischen Regierung hat Anleger rund um den Globus aufgeschreckt und die Karten somit neu gemischt. Im Folgenden erhalten Sie sämtliche Hintergründe rund um die Entwicklungen im Zollkonflikt. Zunächst wird jedoch eine Einführung in die Thematik und ein Rückblick in vergangene Handelsstreitigkeiten gewährt.
Das wichtigste in Kürze
- Der durch Donald Trump initiierte Zollstreit hat weltweit für Aufsehen gesorgt und Rezessionssorgen ausgelöst
- Donald Trump versucht mit Hilfe des Zollstreits unter anderem das US-Außenhandelsdefizit zu reduzieren
- Die Auswirkungen des Zollstreits auf die Weltwirtschaft bleiben bis dato unklar
Welche Strategie verfolgt Donald Trump durch die Einführung von Strafzöllen?
Der US-Präsident will mit der Einführung von Strafzöllen der heimischen Wirtschaft den Rücken stärken und das eigene Außenhandelsdefizit reduzieren.
Wissenswertes: Unter einem Zoll wird eine durch den Staat erhobene Abgabe etwa auf Waren verstanden, welche entweder importiert (Einfuhrzoll) oder exportiert (Ausfuhrzoll) wird. Im engeren Sinn ist unter einer Zollabgabe nicht zuletzt ein Instrument in der Handelspolitik gemeint, um die Preise für ausländische Waren künstlich zu erhöhen. In der Regel sollen somit inländische Produzente geschützt und oder Einnahmen erzielt werden.
Historische Handelsstreitigkeiten – Strafzölle als beliebtes Mittel
Bereits in der ersten Amtszeit Donald Trumps (2017-2021) haben die USA einen Handelskrieg mit China angezettelt und etwa Strafzölle auf chinesische Waren in Summe von über 360 Milliarden US-Dollar angeordnet. China konterte auf US-Produkte wie etwa Sojabohnen, Autos oder Whiskey.
Während für Stahlimporte 25 Prozent veranschlagt wurden, galten für Aluminium-Einfuhren 10 Prozent. Neben der Eurozone (EU) waren auch Kanada sowie Mexiko betroffen. Die EU verhängte Vergeltungszölle auf US-Waren wie etwa Harley-Davidson, Jeans und Whiskey.
Doch auch bereits im Jahr 1930 trug das sogenannte „Smoot-Hawley-Zollgesetz“ in den USA durch den massiven Anstieg von Importzöllen zur Stabilisierung der Wirtschaft während der „Großen Depression“ bei. Die Vergeltungszölle anderer Länder verschärften allerdings die Weltwirtschaftskrise.
Den Handelskonflikt zwischen den USA und Japan in den 1980er-Jahren gilt es ebenfalls zu hervorzuheben. Die USA warfen Japan vor, Autos nebst Elektronik zu Dumpingpreisen zu exportieren und führten daraufhin Strafzölle ein.
Die historischen Entwicklungen zeigen, dass Strafzölle offensichtlich ein wiederkehrendes Mittel in der internationalen Handelspolitik darstellen.
Chronologie des durch Donald Trumps initiierten Handelskonflikts – Alle wichtigen Entwicklungen
- Am 1. Februar 2025 und damit nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt unterzeichnet Donald Trump ein Dekret für Zölle auf Waren aus China in Höhe von 10 Prozent sowie für Kanada und Mexiko in Höhe von 25 Prozent. Kurz vor Inkrafttreten der Zölle setzt Trump die Zölle gegenüber als auch Kanada für 30 Tage aus. Die Zölle gegen die Volksrepublik sollen am 4. Februar jedoch in Kraft treten.
- Am 09. Februar 2025 ordnet Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent auf sämtliche Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten an.
- 07.3.2025: Die USA setzen Zölle auf Waren aus Mexiko und Kanada vorerst weitestgehend und vorübergehend aus. Die Entscheidung solle zunächst zum 2. April gelten, so Trump. Für sämtliche Waren, welche unter das USMCA-Freihandelsabkommen fallen, sollen keine Strafabgaben anfallen.
- Der 27. März 2025 ist insbesondere für Autobauer ein Schock. Der US-Präsident kündigt 25 Prozent Sonderzölle auf Autoimporte in die USA an. Gemeint sind sämtliche Autos, welche nicht in den USA produziert wurden. Auch Autoteile sollen mit Zöllen belegt werden. Eine Ausnahme wird für Autoimporte angekündigt, welche unter das nordamerikanische USMCA-Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko fallen. Je nach in den Vereinigten Staaten produzierten Anteil könne ein niedriger Zollsatz gelten.
- Der sogenannte „Liberation Day“ sorgt am 02. April für großes Aufsehen. Trump kündigt im Rosengarten des Weißen Hauses Strafzölle gegen nahezu „allen Ländern“ an. Pauschal wurden Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Einfuhren in die USA erhoben. Für die Europäische Union sind Zölle von 20 Prozent vorgesehen, für China wurden 34 Prozent veranschlagt.

"Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen", so Donald Trump Anfang April. Der US-Präsident bezeichnet den Tag als einen der Wichtigsten in der Geschichte der USA. Das „goldene Zeitalter“ der USA würde zurückkommen, hieß es.
Individuelle Zölle in der Übersicht:
| Land | Strafzoll in Prozent |
|---|---|
| Lesotho | 50 |
| Saint Pierre und Miquelon | 50 |
| Kambodscha | 49 |
| Laos | 48 |
| Madagaskar | 47 |
| Vietnam | 46 |
| Myanmar | 44 |
| Sri Lanka | 44 |
| Falklandinseln | 41 |
| Syrien | 41 |
| Mauritius | 40 |
| Irak | 39 |
| Guyana | 38 |
| Bangladesch | 37 |
| Botswana | 37 |
| Réunion | 37 |
| Serbien | 37 |
| Thailand | 36 |
| Bosnien und Herzegowina | 35 |
| China | 34 |
| Nordmazedonien | 33 |
| Angola | 32 |
| Fidschi | 32 |
| Indonesien | 32 |
| Taiwan | 32 |
| Libyen | 31 |
| Moldawien | 31 |
| Schweiz | 31 |
| Algerien | 30 |
| Nauru | 30 |
| Südafrika | 25 |
| Japan | 24 |
| Europäische Union | 20 |
| Argentinien | 10 |
| Brasilien | 10 |
| Saudi-Arabien | 10 |
| Türkei | 10 |
| Großbritannien und Nordirland | 10 |
Quelle: Tagesschau
- Bereits am 04.04.2025 reagiert China auf die neuen US-Zölle und schraubt den Zusatzzoll für US-Importe ebenfalls auf 34 Prozent hoch, welche ab dem 10. April gelten sollen.
- Am 08.04.2025 erhöht Trump den Druck auf China, indem er zusätzlich 50 Prozent Strafzölle auf China-Waren ankündigt. Der US-Präsident verlange die Rücknahme der Gegenzölle auf US-Einfuhren.
- Die EU legt ihre angekündigten Strafzölle für US-Importe aus. „Wir haben die Ankündigung von Präsident Trump zur Kenntnis genommen. Wir wollen den Verhandlungen eine Chance geben. Während wir die Annahme der EU-Gegenmaßnahmen, die von unseren Mitgliedstaaten nachdrücklich unterstützt wurden, abschließen, werden wir sie für 90 Tage aussetzen. Wenn die Verhandlungen nicht zufriedenstellend verlaufen, werden unsere Gegenmaßnahmen in Kraft treten“, so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
- 10.04.2025: China kontert im Zollstreit mit den USA und erhöht die Einfuhrzölle auf alle US-Importe um 50 Prozentpunkte, sodass neue Extrazölle in Höhe von 84 Prozent anfallen.
- Am 11.04.2025 ordnet Trump eine 90-tägige Zollpause für zahlreiche Länder an, wie Trump in seinem Netzwerk „Truth Social“ mitteilt. Für den genannten Zeitraum greife ein reduzierter Zollsatz von zehn Prozent, welcher für mehr 75 Staaten gelte, welche Verhandlungsbereitschaft gezeigt und bis dato keine Vergeltungsmaßnahmen angekündigt hätten. Für China-Importe kündigt Trump allerdings einen Zoll in Höhe von 125 Prozent an.
- Die Volksrepublik China erhöht die Zölle auf US-Importe auf 125 Prozent, womit sich die Eskalationsspirale weiterdreht.
- Am 12.04.2025 eskalierte der Zollstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt weiter. Während die Zölle für Einfuhren in die Volksrepublik aus den USA auf 125 erhöht werden, werden Importe aus China mit zusätzlich 145 Prozent belastet.
- 29.04.2025: US-Präsident Donald Trump hat ein Dekret zur Abmilderung der Strafzölle für Autobauer erlassen, sodass nur noch ein Zolltarif gelten soll. Somit werden entweder 25 Prozent für im Ausland produzierte Autos oder 25 Prozent auf Stahl oder Aluminium fällig. So sollen die Hersteller nicht mehrfach durch Zölle belastet werden, hieß es.
Fazit Trumps Zollstreit
Der durch die Vereinigten Staaten initiierte Handelsstreit unter der Federführung von US-Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 bereits für kräftig Aufsehen und für Verschiebungen an den Finanzmärkten gesorgt.
Die Unsicherheit über die nur schwer absehbaren Auswirkungen auf den globalen Wirtschaftsmotor könnten immer wieder die Sorge vor einer globalen Abkühlung und damit die Rezessionsangst zum Vorschein bringen.
Die erratische Politik des Republikaners dürfte Anleger in den kommenden Monaten und Jahren Investoren möglicherweise immer wieder umtreiben. Unklar bleibt, ob nach Ablauf der 90-tägigen Frist der sogenannten „reziproken Zölle“ wieder eingeführt werden oder doch noch eine Lösung gefunden werden kann.
