Die Börse fungiert als Spiegel der Weltkonjunktur. Doch gerät diese ins Wanken, kann dies gesamte Volkswirtschaften erschüttern. Unkonventionelle Preisbewegungen, panische Verkäufe und billionenschwere Verluste können die Folge sein, welche allerdings gleichzeitig auch bedeutende Wendepunkte in der Geschichte markieren und als Lehre verstanden werden dürften. Erhalten Sie im Folgenden einen Überblick über die turbulentesten Börsencrashs aller Zeiten seit 1929 bis heute.
Das wichtigste in Kürze
- Börsencrashs können nicht nur als Warnsignal für die Wirtschaft verstanden werden, sondern auch bedeutende Wendepunkte in der Geschichte markieren und als Lehre fungieren
- Der „Schwarze Donnerstag“ am 24. Oktober 1929 gilt als einer der bedeutendsten Börsencrashs in der Börsengeschichte seit 1929, welcher nicht zuletzt auch eine weltweite Wirtschaftskrise einleitete
- Die „Dotcom-Internetblase“, die Immobilienkrise im Jahr 2008 und die Corona-Krise im Jahr 2020 zeigen, dass es jederzeit zu den verschiedensten Krisen mit den unterschiedlichsten Auslösern kommen kann
24. Oktober 1929: „Schwarzer Donnerstag“ – Wall Street bricht ein
Am 24. Oktober 1929, dem sogenannten „Schwarzen Donnerstag“, bricht der Dow Jones zu Handelsstart um über 22 Prozent ein. Immerhin konnten die Buchverluste per Handelsende bis auf 2,1 Prozent gedeckelt werden. Nur vier und fünf Tage später kommt es erneut zu massiven Kursverlusten in Höhe von 13 bzw. 12 Prozent. Die Börsenkrise markiert gleichzeitig auch den Startschuss der „Großen Depression“ in den Vereinigten Staaten und der Beginn der massivsten globalen Wirtschaftskrise im 20. Jahrhundert.
Vorausgegangen war eine lange Zeit der Hochkonjunktur sowie steigende Börsenkurse in den Vereinigten Staaten, welche die USA gleichzeitig auch zum reichsten Land der Welt machten. Industrien wie Auto, Elektro und Bau verzeichneten einen regelrechten Boom. Doch die Euphorie sollte im Herbst ein jähes Ende finden.

19. Oktober 1987: „Schwarzer Montag“
Der Dow Jones sackt am „schwarzen Montag“ dem 19. Oktober 1987 um 22,6 Prozent ab. Die damit einhergehende Panik sendet Schockwellen rund um den Globus aus und lässt die Kurse ebenfalls purzeln. Als Hintergrund fungierte neben einem Handels- und Budgetdefizit in den USA die Anhebung von Zinsen. Dazu dürften automatisierte Handelsprogramme computerbasierte Verkäufe ausgelöst und eine regelrechte Kettenreaktion ausgelöst haben. Bereits im Vorfeld waren zahlreiche Aktien stark angestiegen und somit überwertet gewesen. Folgerichtig griffen Währungshüter als auch Regierungen ein, um die Märkte zu beruhigen.
Einen zentralen Auslöser für den Kursrutsch am „schwarzen Montag“ gab es nicht.
März 2000: Platzen der „Dotcom-Internetblase“
Das Platzen der sogenannten „Dotcom-Internetblase“ findet einen weiteren Platz im Ranking der bedeutendsten Börsencrashs aller Zeiten seit 1929. „Dotcom“ steht dabei für die Domain-Endung „.com“ im World Wide Web. Eine Kombination aus Euphorie, überzogenen Erwartungen als auch Gier sorgten im Zeitalter des neuen Marktes (New Economy) ab dem Jahr 1995 für ein Entstehen der Internetblase. Teilweise gingen Internet-Startups an die Börse, obwohl sie kaum Umsätze und oder keine Gewinne ausweisen konnten.
Im Jahr 2000 folgte die Ernüchterung über das Ausbleiben tragfähiger Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen. Die ausgeprägten Umsatz- und Gewinnerwartungen konnten vielerorts nicht erfüllt werden. Zahlreiche Dotcom-Firmen gingen in die Insolvenz – Billionen US-Dollar an Börsenwert wurden vernichtet.
Wissenswertes: Am 11. September 2001 kommt es zu Terrorangriffen in New York und Washington, woraufhin der DAX in Frankfurt am Main um über 400 Punkte auf 4.247 Zähler absackt. Die Wall Street blieb folgerichtig für mehrere Tage geschlossen. Auf die kurzfristige Unsicherheit erfolgt allerdings wieder eine rasche Erholung.

2008: Globale Finanzkrise: Immobilienkrise in den USA weitet sich aus
Die globale Finanzkrise im Jahr 2008 gilt ebenfalls als eine der größten und bekanntesten Krisen in der Geschichte.
Geldhäuser vergaben in den USA Immobilienkredite an Kreditnehmen mit einer schlechten Bonität (Subprime Kredite) und oft ohne entsprechende Sicherheiten respektive Einkommensnachweise. Doch mit steigenden Zinsen wurde es für die Kreditnehmer immer herausfordernder die Raten für die eigenen vier Wände zu bezahlen.
Ihren Zenit erreichte die Finanzkrise durch den Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, welche einen regelrechten Dominoeffekt auslöste, weitere Banken in Schieflage brachte und die Vereinigten Staaten letztendlich sogar in eine Rezession stürzten. Die Immobilienkrise entwickelte sich im Jahr 2009 zu einer handfesten Bankenkrise.
12. März 2020: Corona-Pandemie erfasst Aktienmärkte weltweit
Einen Tag nach der offiziellen Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 12. März 2020 sorgt die Meldung für reichlich Chaos. COVID-19 wird zur Pandemie erklärt und lässt beispielsweise in Frankfurt am Main den Leitindex um zwölf Prozent und in New York um minus 10 Prozent in die Knie gehen. An den Handelstagen nach dem 12. März 2020 kommt es zu weiteren Kursverlusten und panikartigen Verkäufen. Die Ungewissheit über das Virus, die damit im Zusammenhang stehen Restriktionen für die Wirtschaft bzw. der Zusammenbruch globaler Lieferketten schürten die Furcht vor einer Rezession rund um den Globus.
Fazit: Börsencrashs von 1929 bis heute als Wendepunkte – zwischen Chance und Risiko
Die aufgezeigte Historie der größten Börsencrashs seit 1929 zeigt, wie unerwartet und mit welcher Wucht die Börsen rund um den Globus einbrechen können. Der „Schwarze Donnerstag“ am 24. Oktober 1929 gilt als einer der bedeutendsten Börsencrashs in besagtem Zeitraum, welcher nicht zuletzt auch eine weltweite Rezession einleitete. Doch auch die „Dotcom-Internetblase“, die Immobilienkrise im Jahr 2008 und die Corona-Krise im Jahr 2020 zeigen, dass es jederzeit zu den verschiedensten Krisen mit den unterschiedlichsten Auslösern kommen kann.
Börsencrashs können Ängste, Übertreibungen als auch Schwächen der Wirtschaft als auch des Finanzsystems widerspiegeln.
Doch Crashs können nicht nur als Warnsignal für die Wirtschaft verstanden werden, sondern auch bedeutende Wendepunkte in der Geschichte markieren, als Lehre für Märkte und Politik fungieren und somit Innovationen fördern. Dabei dürfte allerdings jeder Crash seine Spuren hinterlassen und nicht zuletzt auch immer wieder die Verletzlichkeit des Marktes auf eindrucksvolle Art und Weise aufgezeigt haben.
Festzuhalten bleibt, dass Crashs zwar in erster Instanz schmerzhaft sein können, allerdings möglicherweise sogar notwendig, um Marktübertreibungen zu korrigieren, Schwächen sichtbar zu machen und auf lange Sicht ein widerstandsfähiges System zu schaffen.
