Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
Die erste Juli-Woche brachte frischen Rückenwind für die Aktienmärkte. Der Dow Jones Industrial Average zeigte sich robust, wenn auch ein neues Rekordhoch vorerst knapp verfehlt wurde.
Non Farm Payrolls überraschen positiv
Den Höhepunkt der Woche stellte der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni dar. Die jüngsten Zahlen vom Donnerstag fielen deutlich besser aus als erwartet: 147.000 neue Stellen wurden außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Ökonomen hatten mit deutlich weniger gerechnet. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote von 4,2% auf 4,1%, ein Zeichen anhaltender Arbeitsmarktdynamik. Die robusten Non-Farm Payrolls sorgten an den Börsen für Erleichterung und dämpften die Sorgen vor einer abrupten Konjunkturabkühlung vorerst.
Der Dow Jones legte am Donnerstag vor dem verlängerten Wochenende (aufgrund des Unabhängigkeitstags am Freitag, 4. Juli) um +0,77% bzw.344 Punkte zu, während der S&P 500 +0,83% und die Nasdaq +1,02% stiegen. Mit diesem Kurssprung schloss der Dow nur noch 186 Punkte unter seinem Allzeithoch. Der S&P 500 und der Nasdaq 100 erreichten sogar neue Rekordstände.
Arbeitsmarkt kühlt mittelfristig moderat ab
Auch wenn die NFP-Daten besser als erwartet ausfielen, lohnt sich ein Blick hinter die Schlagzeilen: Nicht alle Details des Arbeitsmarktberichts waren erfreulich. Insbesondere das Beschäftigungswachstum im Privatsektor war vergleichsweise schwach; ein Warnsignal, das auf nachlassende Einstellungsbereitschaft von Unternehmen hindeutet. Zudem war der Stellenzuwachs nicht über alle Sektoren verteilt, was bedeutet, dass einige Branchen kaum neue Jobs schufen. Darüber hinaus gibt es Anzeichen für eine moderate Abkühlung im Arbeitsmarkt auf mittlere Sicht: Die Durchschnittsdauer der Arbeitslosigkeit verlängerte sich und der Anteil der Langzeitarbeitslosen (länger als 27 Wochen ohne Job) stieg auf den höchsten Wert seit fast drei Jahren. Unternehmensvertreter berichten, dass man vorsichtiger bei Neueinstellungen wird.
Der bislang sehr robuste Jobaufschwung könnte sich daher in den kommenden Monaten etwas abkühlen, anstatt sich ungebremst fortzusetzen.
Tatsächlich warnen einige Ökonomen davor, die starken Juni-Zahlen isoliert zu betrachten. Nachlassende Konsumausgaben und eine eingetrübte Stimmung der Verbraucher deuten darauf hin, dass die Nachfrage im Laufe des Jahres schwächer werden könnte. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte dies mit Verzögerung auch den Arbeitsmarkt treffen und für eine allmähliche Abkühlung sorgen.
Zinssenkung verschoben
Die überraschend starken Arbeitsmarktdaten haben unmittelbare Auswirkungen auf die Erwartungen an die US-Geldpolitik. Noch vor wenigen Wochen spekulierten einige Marktteilnehmer auf eine erste Zinssenkung im Sommer aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten.
Dieses Szenario hat sich nun deutlich nach hinten verschoben. Das FedWatch-Tool der Terminbörse CME preist nach den Non Farm Payrolls vom Donnerstag nur noch eine 5% Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juli ein. Am Vortag lag die Wahrscheinlichkeit noch bei rund 24%. Anders ausgedrückt: Die Wette auf einen schnellen Zinsschritt hat sich vorerst erledigt. Selbst einige Fed-Mitglieder, die zuvor vorsichtig Offenheit für einen Juli-Zinsschritt signalisiert hatten, sehen nun wenig Handlungsdruck.
Fed-Chef Jerome Powell hat wiederholt betont, man werde die weitere Datenlage abwarten und insbesondere die Inflationsentwicklung beobachten. Aktuell liegt die Inflationsrate gemessen am PCE-Preisindex (dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed) mit +2,3% gegenüber Vorjahr nur knapp über dem 2%-Ziel . Auch der Verbraucherpreisindex (CPI) verharrt in ähnlichen moderaten Regionen.
Allerdings herrschte in den letzten Wochen häufig die Befürchtung vor einer Rückkehr der Inflation aufgrund der Zollpolitik von Donald Trump. Bislang konnten viele Unternehmen Preissteigerungen vermeiden, indem sie auf Lagerbestände zurückgegriffen haben, die noch vor den Zöllen aufgebaut wurden. Dieser Effekt dürfte nachlassen: Mit Veröffentlichung der Juni-Daten könnte die Inflation einen Sprung machen, sobald höhere Importkosten an die Verbraucher weitergereicht werden.
Allzeithochs lassen auf sich warten
Seit dem Tief am 7. April stieg der Dow Jones rund 22 % an. In der vergangenen Woche zeigte der Dow mit einem Plus von 3,3 % erneut eine starke Wochenperformance und stieg bis auf 44.829 Punkte an. Während der S&P 500 und der Nasdaq 100 bereits neue Allzeithochs erreichten, notiert der Dow noch wenige Punkte unter seinem Allzeithoch bei etwa 45.000 Punkten.
Aufgrund des bullischen Gesamtmarktumfelds ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch dem Dow Jones bald der Ausbruch auf neue Hochs gelingen wird. Sollte in den nächsten Tagen erneut eine Korrektur erfolgen, läge bei 43.000 Punkten die nächste wichtige Unterstützung.

Transportindex signalisiert Stärke
Neben dem Dow Jones Industrial Average ist im Rahmen einer Gesamtmarktanalyse auch ein Blick auf den Dow Jones Transportation Average (Transportindex) sinnvoll. Der Transportindex umfasst 20 große US-Transport- und Logistikunternehmen (u.a. aus den Bereichen Bahn, Luftfahrt, Schifffahrt und Logistik) und gilt als konjunktursensitiv. In der klassischen Dow-Theorie spielt der Transportindex eine entscheidende Rolle: Ein Aufwärtstrend an den Börsen gilt demnach erst als bestätigt, wenn neben dem Dow Jones Industrial auch der Dow Transport-Index neue Hochs erzielt. Die Logik dahinter ist einleuchtend: ziehen die Geschäfte der Industriekonzerne an (steigende Kurse im Dow Industrials), sollten auch die Transportfirmen von höheren Fracht- und Passagierzahlen profitieren. Steigt also der Transportindex im Gleichklang, untermauert das die Aussagekraft des Aufschwungs. Andernfalls wäre Vorsicht geboten.
Wie Sie auf dem Tageschart unten Sehen, hat der Dow Jones Transportation Average zwar ebenfalls noch keine neuen Allzeithochs generiert, der Ausbruch über die Abwärtstrendlinie und den horizontalen Widerstandsbereich stellen aber in jedem Fall ein wichtiges bullisches Signal dar. Zudem hat der Transportindex in den letzten Wochen relative Stärke ausgebildet (zu erkennen an dem Relationschart: Dow Jones Transportation Average : Dow Jones Industrial Average), was ebenfalls ein positives Signal für den breiten Markt ist.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 07.07.2025
