Lieber Trader, liebe Börsenfreunde,
Der Dow Jones Industrial Average hat sich in den letzten Wochen wacker geschlagen. Seit dem Frühjahr befindet sich der Index in einem starken Aufwärtstrend und markierte gestern mit 45.711 Punkten ein erneutes Allzeithoch (auf Schlusskurs-Basis).
In der vergangenen Woche standen die schwachen US-Arbeitsmarktdaten im Fokus, die einerseits die Furcht vor einer konjunkturellen Abkühlung zurückkehren ließen, andererseits aber die Erwartungen an die Fed auf baldige Zinssenkungen erhöhten.
Deutliche Abkühlung am US-Arbeitsmarkt
Der am letzten Freitag (5. September) veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls) für den Monat August deutet auf eine deutliche Abkühlung am US-Arbeitsmarkt hin. Nur 22.000 neue Stellen wurden geschaffen, weit weniger als die erwarteten 75.000. Damit setzte sich die Abschwächung der Vormonate fort: Im Juli wurden bereits weniger als 80.000 Stellen geschaffen, und für Juni wurde die Zahl der Jobs sogar nachträglich ins Negative revidiert (−13.000 statt zuvor +14.000). Erstmals seit Dezember 2020 verzeichnete die US-Wirtschaft damit wieder einen monatlichen Beschäftigungsrückgang. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote von 4,2 % auf 4,3 % und erreichte somit den höchsten Wert seit Oktober 2021.

Bemerkenswert ist, dass der Einstellungsstopp nahezu branchenübergreifend zu spüren ist. Im August verloren die meisten Sektoren per Saldo Arbeitsplätze, nennenswerte Zuwächse gab es lediglich in Teilbereichen wie Bildung/Gesundheit (+46.000) sowie im Freizeit- und Gastgewerbe (+28.000). Unternehmensumfragen deuten darauf hin, dass viele Firmen angesichts gestiegener Kosten ihre Personalplanung auf Eis gelegt haben, nicht zuletzt weil Zölle und andere Kostensteigerungen die Budgets belasten. Massenentlassungen blieben zwar aus, doch die Dynamik am Jobmarkt ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Die deutliche Abkühlung am Arbeitsmarkt markiert einen starken Kontrast zur Lage noch zu Jahresbeginn. Damals lag die US-Arbeitslosigkeit stabil bei 4 % und Monat für Monat wurden sechsstellige Jobzuwächse gemeldet.
Unmittelbar nach Veröffentlichung der jüngsten NFP-Zahlen reagierten die Finanzmärkte mit deutlichen Bewegungen: Anleihen legten zu, die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe fielen zeitweise auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten (rund 4,06 %), und der US-Dollar geriet unter Abgabedruck. Ein deutlich schwächerer Arbeitsmarkt nährt die Hoffnung, dass die Notenbank nun früher gegensteuert und die geldpolitischen Zügel lockert.
Bis zu drei Zinssenkungen 2025 möglich
Tatsächlich haben die Erwartungen an die US-Notenbank Federal Reserve sich in den letzten Wochen dramatisch gedreht. Noch im Juli hatte Fed-Chef Jerome Powell betont, man wolle bei einem Leitzins von 4,25 - 4,50 % vorerst datenabhängig abwarten und ließ weitere Schritte offen. Die zögerliche Haltung war einer anhaltend erhöhten Inflation (zuletzt um 2,5 - 3 %, angeheizt durch neue Importzölle) sowie dem bis dahin robusten Arbeitsmarkt geschuldet. Die Fed hatte seit der letzten Zinssenkung im Dezember 2024 den Leitzins unverändert belassen und auch dem Druck aus dem Weißen Haus nicht nachgegeben. Die Lage hat sich mittlerweile jedoch geändert. Zwar ist die Inflation nach wie vor auf einem langfristig höheren Niveau; allerdings besitzt die Fed ein duales Mandat und muss neben der Inflation die Lage am Arbeitsmarkt berücksichtigen.
Gemäß dem FedWatch-Tool der CME Group ist eine Zinssenkung bei der anstehenden Sitzung am 17. September ausgemachte Sache. Bis Jahresende ist das wahrscheinlichste Szenario sogar, dass bei jeder der drei verbleibenden Sitzungen jeweils ein Zinsschritt erfolgen wird und wir zum Jahresende ein Zinsniveau von 3,50 - 3,75 % sehen werden.

Wichtig bleiben aber nach wie vor auch die Inflationsdaten. Sollte die Inflation weiter heiß ausfallen, würde das die Fed in ein echtes Dilemma bringen: Der Arbeitsmarkt verlangt rasche Zinssenkungen, gleichzeitig würde aber eine steigende Inflation gegen Zinssenkungen sprechen.
Dow Jones Index konsolidiert seitwärts
Nach dem S&P 500 und dem Nasdaq 100 hat auch der Dow Jones Industrial Average im August den Sprung auf ein neues Allzeithoch geschafft, gefolgt von einer seitwärts verlaufenden kurzfristigen Konsolidierung. Bemerkenswert ist, dass sich der Dow trotz der schwachen Arbeitsmarktdaten und der saisonalen Schwäche vergleichsweise stark halten kann, was einmal mehr das starke Momentum des aktuellen Bullenmarktes unterstreicht.

Gewinner und Verlierer im Dow Jones
Von den 30 Aktien des Dow Jones befinden sich im laufenden Jahr 23 Aktien im Plus, 7 Aktien haben hingegen ein rotes Vorzeichen. Angeführt wird die Gewinnerliste derzeit von klassischen Industrie- und Finanzwerten.
- Mit einem Plus von über 35 % führt Goldman Sachs die Gewinnerliste an: Hier sorgten das erfolgreiche Handelsgeschäft und die Aussicht auf baldige Zinssenkungen für Rückenwind.
- Boeing konnte als Flugzeugbauer von der Erholung der Luftfahrt profitieren und bislang rund 30 % Kurszuwachs verbuchen.
- Ebenfalls deutlich im grünen Bereich sind defensive Qualitätsaktien wie Johnson & Johnson (+25 %).
- Der Software-Riese Microsoft (+19 %) ritt wie viele Tech-Werte auf der KI-Welle und konnte mit soliden Cloud-Zahlen überzeugen.
- Auch die Nvidia Aktie, die 2024 neu in den Dow Jones aufgenommen wurde, verzeichnete dank des KI-Booms zweistellige Zugewinne (ca. +27 % YTD)
- Unter den Verlierern im Dow Jones ist im laufenden Jahr UnitedHealth Group am deutlichsten unter Druck geraten. Die Aktie des größten US-Gesundheitsversicherers ist 2025 zeitweise um 40 % eingebrochen und befindet sich aktuell auf YTD-Basis etwa 30 % im Minus. Gründe dafür sind stark gestiegene Kosten und Versicherungsleistungen sowie Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen UnitedHealth wegen möglicher zu hoher Abrechnungen. Zusätzlich sorgte der überraschende Rücktritt des CEOs im Mai für Verunsicherung. Zwar gilt UnitedHealth mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12 mittlerweile als günstig bewertet, doch die Vielzahl an Baustellen hat viele Investoren in die Flucht getrieben.
- Salesforce, der Anbieter von Unternehmenssoftware, gehört ebenfalls zu den Schlusslichtern. Der einstige Highflyer büßte rund ein Viertel seines Börsenwerts ein. Hintergrund ist ein spürbarer Wachstumsrückgang: Salesforce erwartet für das laufende Jahr nur noch 7 - 8 % Umsatzplus, nach jahrelangem Wachstum von 20 % und mehr. Analysten sehen das Unternehmen in einer Art Reifephase, in der die besten Zeiten vorerst vorbei sein könnten.
- Mit einem Minus von etwas mehr als 13 % zählt auch das Gesundheitsunternehmen Merck & Co zu den Verlierern, insb. wegen Patent- und Absatzsorgen.
- Sogar Apple - bis vor kurzem das wertvollste Unternehmen der Welt – notiert trotz einer kräftigen Erholungsrally im August noch leicht unter dem Jahresanfangsstand (-6 %).

Autor: Tobias Schmid
Datum: 10.09.2025

