Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Die amerikanischen Aktienmärkte gerieten in der vergangenen Handelswoche teils deutlich unter Abgabedruck, was zu einem Rückgang des S&P 500 von 1,6 % führte. Auslöser für die Korrektur waren Bedenken bezüglich der sehr hohen Bewertungen bei KI-Aktien sowie eine zunehmend angespannte Marktbreite.
Sorge vor Überhitzung des Marktes
Die Kursrallye der letzten Monate führte zu einer historisch hohen Bewertung des S&P 500. Der sog. Buffett-Indikator, der das Verhältnis der gesamten US-Börsenkapitalisierung zum BIP misst, signalisiert mit 220 %, dass der Markt 2025 so teuer ist wie zuletzt am Höhepunkt der Dotcom-Blase.
Auch andere Kennzahlen bestätigen die hohe Bewertung:
- Das zyklisch adjustierte Shiller-KGV des S&P 500 liegt nahe 40.
- Und das auf die nächsten zwölf Monate gerichtete Forward-KGV beträgt knapp 23.
- Beim Nasdaq-100 stieg das Forward-KGV sogar auf etwa 27–28 Punkte.
Gleichzeitig ist der Großteil der Indexgewinne auf eine kleine Anzahl an Aktien zurückzuführen. Der Technologiesektor macht inzwischen 35 % der Gewichtung des S&P 500 aus, und die Magnificent 7 (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla) vereinen ebenfalls rund 35 % der gesamten Marktkapitalisierung des Index. Nvidia allein bringt mit etwa 8 % so viel Gewicht auf die Waage wie das kleinste Drittel des Index zusammen.
Das Verhältnis zwischen dem S&P 500 Equal Weighted Index und dem “normalen” nach Marktkapitalisierung gewichteten S&P 500 Index ist deshalb auf den tiefsten Stand seit 2003 gefallen.
Die Kombination aus rekordhohen Multiplikatoren und der starken Indexgewichtung der führenden Aktien macht den Index deshalb anfällig für Korrekturen, falls sich am Narrativ des KI-Booms etwas ändern sollte.
Historisch hohes Gewinnwachstum in der aktuellen Berichtssaison
Historisch betrachtet ist eine hohe Bewertung allerdings kein Indikator für eine schlechte Forward Performance des S&P 500, insbesondere dann nicht, wenn starkes Wachstum hinter der hohen Bewertung steht.
Die laufende Q3-Berichtssaison übertrifft selbst optimistische Erwartungen: Für 91 % der bereits berichtenden S&P-500-Konzerne liegt das „blended“ Gewinnwachstum bei +13,1 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist das vierte Quartal in Folge mit zweistelligen Zuwächsen und damit die längste solche Serie seit 2021. Parallel stiegen die Umsätze um +8,3 %, der höchste Wert seit Q3 2022. Auch die operative Nettomarge stieg mit 13,3 % auf ein neues Rekordhoch an.
Auffällig ist jedoch, dass sich die Dynamik erneut stark auf die Magnificent 7 konzentriert, deren EPS-Wachstum deutlich über dem Durchschnitt des Marktes liegt.
Der S&P 500 handelt mit einem Forward-KGV von 22,7 klar über dem Fünf- und Zehnjahresschnitt. Das wäre nur dann vertretbar, wenn die erwarteten Gewinnzuwächse von rund +12 % für 2025 und +14–16 % für 2026 tatsächlich halten. Bricht das Gewinnwachstum ein oder liefern die Megacaps Enttäuschungen, droht eine spürbare Multiple-Kontraktion. Die Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums ist deshalb einer der wichtigsten Faktoren für die mittelfristige Entwicklung des Aktienmarktes.
Marktbreite kühlt sich kurzfristig ab
Wie oben erwähnt, spielt die Marktbreite eine wichtige Rolle, wenn es um die "Gesundheit" eines Bullenmarktes geht. Sobald eine deutliche Divergenz zwischen der Entwicklung des Index und der Entwicklung der Marktbreite zu erkennen ist, wäre dies ein deutliches Warnsignal. Die jüngste Schwäche der Marktbreite war zwar ein kurzfristiges Warnsignal; mittel- bis langfristig sind die Signale aus der Analyse der Marktbreite jedoch immer noch bullisch.
Die Advance Decline Line (einer der wichtigsten Marktbreite-Indikatoren) befindet sich nach wie vor in einem deutlichen Aufwärtstrend und stieg Ende Oktober noch auf ein neues Allzeithoch an und bestätigte damit das Long-Signal im S&P 500. Der Rückgang in den letzten beiden Wochen stellt daher lediglich eine Korrektur innerhalb des langfristigen Aufwärtstrend dar. Das nächste wichtige Signal in der A/D-Line entsteht bei einem Ausbruch über beziehungsweise unter eine der mit den roten Linien markierten Zonen.

S&P 500 Equal Weighted Index mit relativer Schwäche
Ein weiterer interessanter Index aus dem Bereich der Marktbreite-Analyse ist der ebenfalls oben erwähnte S&P 500 Equal Weighted Index. Im Gegensatz zum nach Marktkapitalisierung gewichteten S&P 500 besitzt hier jedes Unternehmen die exakt gleich hohe Indexgewichtung, nämlich 0,2 % (100 % / 500). Auf dem folgenden Chart sehen Sie, dass der Equal Weighted Index zwar im aktuellen Jahr relative Schwäche zeigt; allerdings ist das per se kein zwingend negatives Signal für den breiten Markt, solange sich der Index in einem Aufwärtstrend befindet. Sollte die Unterstützung bei 7.500 Punkten unterschritten werden, drohen allerdings zumindest kurzfristig weitere Verluste.

Rebound am Freitagabend
Nachdem der S&P 500 im Verlauf der letzten Woche deutlich unter Druck geriet, folgte am Freitagabend eine starke Gegenbewegung. Der Index schloss nach zwischenzeitlichen Verlusten von knapp 1,5 % am Freitag sogar leicht im Plus und generierte damit ein deutliches Umkehrsignal über der Tages-EMA-50 (grün). Dies signalisiert eine Rückkehr der Bullen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erholung in der neuen Handelswoche.

Auch der VIX bildete am Freitag ein deutliches Umkehrsignal aus. Nach einem Anstieg im Tagesverlauf bis auf 22,72 Punkte verabschiedete sich das “Angstbarometer” mit einem Schlusskurs von 19,08 Punkten und unterhalb der psychologisch wichtigen 20-Punkte-Marke ins Wochenende.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 10.11.2025

