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Der Dow Jones Industrial Average setzte in der vergangenen Handelswoche seine Korrektur fort und schloss die dritte Woche in Folge schwächer. Nicht nur der Krieg im Nahen Osten sorgte für weiter steigende Nervosität; auch makroökonomische Faktoren lieferten zunehmend Gegenwind.
Die wichtigsten Makrofaktoren hinter der Dow-Schwäche
Neben der anhaltenden Verunsicherung aufgrund des Kriegs im Iran hatte der Dow Jones letzte Woche mit weiteren negativen News auf der Makro-Ebene zu kämpfen. Das US-Wachstum wurde nach unten revidiert, während die Kerninflation zugleich auf einem zu hohen Niveau verharrte und damit die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen dämpfte. Parallel dazu verschärften steigende Treasury-Renditen und ein festerer US-Dollar den Druck auf Aktien zusätzlich.
BIP-Revision auf 0,7 %: Wachstum verliert an Dynamik
Einer der wichtigsten Belastungsfaktoren zum Wochenschluss war die deutliche Abwärtsrevision des US-BIP für das vierte Quartal 2025. Das Wachstum wurde in der zweiten Schätzung auf annualisierte 0,7 % gesenkt, nachdem zuvor noch 1,4 % gemeldet worden waren. Im Vergleich zum Vorquartal mit 4,4 % Wachstum ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die wirtschaftliche Dynamik bereits vor dem jüngsten Ölpreisschock merklich nachgelassen hatte. 
Für den Dow Jones ist das besonders relevant, weil der Index stärker als andere große US-Indizes von klassischen Konjunktur- und Value-Sektoren geprägt ist. Wenn das Wachstum abkühlt, geraten Industrie-, Finanz- und zyklische Konsumwerte schneller unter Druck. Genau das war letzte Woche zu beobachten: Der Markt begann nicht nur auf geopolitische Schlagzeilen zu reagieren, sondern gleichzeitig eine schwächere wirtschaftliche Grundtendenz einzupreisen. 
Hinzu kommt, dass die BIP-Daten nicht isoliert betrachtet werden können. Die Revision nach unten signalisiert, dass die US-Wirtschaft anfälliger in diese neue Phase erhöhter Energiepreise hineingeht, als viele Marktteilnehmer noch vor wenigen Wochen erwartet hatten. Falls in den kommenden Wochen keine rasche Deeskalation stattfindet, besteht die ernsthafte Gefahr, dass die geopolitische Krise auch schnell zu einem makroökonomischen Problem für den Aktienmarkt werden könnte.
Core PCE bleibt hoch: Warum das Inflationsproblem nicht gelöst ist
Parallel zur schwächeren Wachstumsdynamik lieferte auch die Inflationsseite keine Entlastung. Der für die Fed besonders wichtige PCE-Preisindex stieg im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,3 %, die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel um 0,4 %. Auf Jahressicht lag der Gesamt-PCE bei 2,8 %, der Core PCE aber bei 3,1 %. Damit blieb gerade die Kerninflation klar zu hoch, um eine schnelle geldpolitische Lockerung zu rechtfertigen.
Das Problem dabei ist derzeit weniger der absolute Anstieg als das Timing. Denn die Inflationszahlen spiegeln den jüngsten Anstieg der Öl- und Energiebewegung noch kaum wider. Anders gesagt: Der Markt bekam zum Wochenschluss eine Kombination aus bereits schwachem Wachstum und immer noch zu hoher Kerninflation präsentiert, noch bevor die jüngsten Entwicklungen bei den Energiepreisen voll in den Daten angekommen sind. Genau daraus lässt sich die Sorge ableiten, dass der Inflationsdruck in den kommenden Monaten eher wieder zunimmt als nachlässt. 
Für den Dow war das negativ, weil ein solches Umfeld den Spielraum der Fed begrenzt. In einem klassischen Risk-on-Szenario könnten schwächere Wachstumsdaten Zinssenkungsfantasie auslösen. Dieser Mechanismus funktioniert derzeit allerdings nicht, weil der Markt gleichzeitig befürchtet, dass höhere Energiepreise den Inflationsprozess wieder anheizen könnten.
Steigende Treasury-Renditen und weniger Zinssenkungsfantasie belasten Aktien
Genau dieser Zusammenhang zeigte sich auch am Anleihemarkt. Im Wochenverlauf zogen die US-Renditen deutlich an, weil die Erwartungen des Marktes an mögliche Zinssenkungen einen Dämpfer erhielten. Am Mittwoch sprang die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe um 9 Basispunkte auf 4,226 %, und zum Wochenschluss lag sie bei rund 4,28 %. Gleichzeitig stieg der US-Dollar als sicherer Hafen im Wochenverlauf deutlich an. 
Steigende Renditen sind für den Aktienmarkt aus zwei Gründen problematisch: Erstens erhöhen sie den Abzinsungsdruck auf Bewertungen. Zweitens verschärfen sie die finanziellen Bedingungen in einem Moment, in dem die Konjunktur ohnehin an Dynamik verliert. Beim Dow kommt hinzu, dass ein höheres Zinsniveau zwar einzelnen Finanzwerten kurzfristig helfen kann, ein stagflationäres Umfeld aber insgesamt die Kreditqualität, die Investitionsneigung und das Gewinnmomentum belastet. Entsprechend standen in der Woche gerade auch große Banktitel zeitweise spürbar unter Druck.
Ölpreis, VIX und Schlagzeilenrisiko
Der steigende Ölpreis war auch in der letzten Woche einer der wichtigsten Faktoren, mit denen sich der Markt beschäftigte. Bereits am Montag schoss WTI intraday auf rund 119 US-Dollar, während der VIX gleichzeitig auf 35,3 Punkte anstieg. Zwar fielen beide im Anschluss zunächst wieder deutlich zurück, doch das reichte nicht aus, um die Nervosität nachhaltig aus dem Markt zu nehmen. Im Gegenteil: Die extreme Volatilität zu Wochenbeginn zeigte bereits, wie sensitiv das gesamte Marktumfeld auf neue Meldungen aus dem Nahen Osten reagierte. 
Im weiteren Verlauf bestätigte sich dieser Eindruck. Am Mittwoch stiegen die Ölpreise erneut kräftig, am Donnerstag sorgten Angriffe auf Tanker und die Angst vor einer anhaltenden Schließung der Straße von Hormus für die nächste Verkaufswelle.
Ein kräftiger Ölpreisanstieg wirkt wie eine zusätzliche Steuer auf die Weltwirtschaft: Transport, Produktion und Konsum werden teurer, während gleichzeitig die Inflationssorgen zunehmen. Für Aktien bedeutet das sinkende Margen, unsicherere Nachfrageaussichten und weniger geldpolitischen Spielraum. Deshalb wurde aus dem Ölpreisanstieg nicht nur ein Thema für den Energiesektor, sondern ein breiter Belastungsfaktor für den Gesamtmarkt. 
Um für die kommenden Wochen ein bullisches Szenario skizzieren zu können, ist deshalb eine Entspannung auf der geopolitischen Seite inklusive deutlich rückläufiger Ölpreise eine zwingende Grundvoraussetzung.
Charttechnischer Ausblick für den Dow Jones Index
Nach der Abwärtsbewegung der letzten Woche notiert der Dow Jones mittlerweile rund acht Prozent unter seinem Allzeithoch, welches Anfang Februar erreicht wurde. Zu Beginn der neuen Woche steht vor allem der aktuelle Kursbereich zwischen 46.500 - 46.700 Punkten im Fokus. Genau hier verlaufen die Tages-EMA 200 und die Tages-SMA 200 (siehe rote Linien im Chart).

Falls die 200-Tage-Linie verteidigt werden kann, bleibt die Chance auf eine Erholungsbewegung erhalten. Aber selbst bei einem Bruch nach unten warten noch einige Unterstützungszonen, wie auf dem Wochenchart erkennbar ist. Statt blind ins fallende Messer zu greifen, scheint in der aktuellen Situation jedoch auch Zurückhaltung keine verkehrte Strategie zu sein. Sollten an einer der Unterstützungszonen deutliche Umkehrsignale und eine Trendumkehr auf kleineren Trendgrößen auftreten, dürfte in den kommenden Wochen noch genug Zeit bleiben, um sich anschließend wieder zu positionieren.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 16.03.2026

