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Der Dow Jones hat in der vergangenen Woche Geschichte geschrieben und erstmals die Marke von 53.000 Punkten überschritten. Nach einer vierwöchigen Rally ging dem Dow gegen Ende der Woche jedoch etwas die Luft aus. Neue Inflationssorgen, steigende Anleiherenditen und abermals geopolitische Spannungen sorgten für Gewinnmitnahmen und führten zu einem Rückgang von 0,5 % per Wochenschlusskurs. Dennoch bleibt der langfristige Aufwärtstrend weiterhin intakt. Diese Woche dürfte sich der Fokus vor allem auf US-Inflationsdaten und den Start der Berichtssaison verschieben.
Dow Jones beendet vierwöchige Gewinnserie
Nach vier Wochen mit steigenden Kursen legte der Dow Jones zu Beginn der vergangenen Handelswoche zunächst erneut zu und erreichte erstmals in seiner Geschichte Kurse oberhalb von 53.000 Punkten. Im weiteren Wochenverlauf kam es jedoch zu einer Korrektur.
Belastet wurde der Markt vor allem durch die wieder gestiegenen Inflationssorgen sowie die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, welche den Ölpreis zwischenzeitlich deutlich ansteigen ließen. Höhere Energiepreise könnten den Inflationsdruck verstärken und die US-Notenbank dazu zwingen, ihren restriktiven Kurs länger beizubehalten.
Inflationsdaten im Fokus
Letzte Woche wurden die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung veröffentlicht und zeigten, dass mehrere Mitglieder nach wie vor ein hohes Risiko sehen, dass der Preisauftrieb hartnäckiger bleiben könnte als zuletzt erwartet.
Entsprechend stiegen auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise wieder bis auf rund 4,6 %. Höhere Anleiherenditen stellen insbesondere für den Aktienmarkt Gegenwind dar, da sie die Finanzierungskosten erhöhen und gleichzeitig Anleihen als Anlagealternative attraktiver machen.

Die Inflation und die damit in Verbindung stehenden Erwartungen an die Zinspolitik der Fed bleiben deshalb aktuell eines der wichtigsten Themen. Diese Woche stehen weitere wichtige Inflationsdaten auf der Agenda, die für neue Impulse sorgen könnten:
Am Dienstag, dem 14. Juli, wird der Verbraucherpreisindex (CPI) für den Monat Juni veröffentlicht. Analysten rechnen mit einem Rückgang der Jahresinflation auf rund 3,9 % nach 4,2 % im Mai. Gegenüber dem Vormonat dürfte der Gesamtindex sogar leicht um 0,1 % sinken. Das wäre der erste negative Monatswert seit Langem. Dieser Rückgang wäre allerdings fast ausschließlich dem Einbruch der Energiepreise nach der Waffenruhe von Mitte Juni geschuldet und sagt wenig über den zugrundeliegenden Preisdruck aus.
Genau deshalb dürfte der Blick der Notenbank auf die Kernrate gehen, welche Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Hier erwarten Analysten einen Anstieg von 0,3 % gegenüber dem Vormonat, was die Jahresrate bei rund 2,9 % verharren ließe; exakt auf dem Niveau von vor zwölf Monaten. Von einer nachhaltigen Entspannung kann also keine Rede sein.
Bereits einen Tag später, am Mittwoch, dem 15. Juli, folgt der Produzentenpreisindex (PPI), der häufig als Frühindikator für den zukünftigen Inflationsdruck gilt. Nach dem Sprung auf 6,5 % im Jahresvergleich im Mai (dem stärksten Anstieg seit November 2022) dürfte auch der PPI von großem Interesse sein.
Sollten die aktuellen Inflationsdaten höher ausfallen als erwartet, würde dies die Zinserwartungen erneut nach oben treiben und damit zusätzlichen Druck auf den Aktienmarkt ausüben. Umgekehrt könnten schwächere Inflationsdaten die Hoffnung auf einen weniger restriktiven Kurs der Federal Reserve stärken.
Start der Q2 Berichtssaison
Neben den Inflationsdaten beginnt in dieser Woche auch die Berichtssaison für das zweite Quartal. Traditionell eröffnen die großen US-Banken den Reigen der Quartalszahlen und liefern damit häufig erste Hinweise auf die Verfassung der US-Wirtschaft.
Bereits am Dienstag veröffentlichen unter anderem JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo ihre Ergebnisse. Am Mittwoch folgen unter anderem Morgan Stanley sowie Johnson & Johnson, bevor am Donnerstag mit UnitedHealth eine weitere wichtige Dow-Jones-Aktie ihre Zahlen präsentiert.
In den darauffolgenden Wochen nimmt die Berichtssaison weiter Fahrt auf. Aus dem Dow Jones stehen unter anderem noch die Quartalszahlen von IBM, Coca-Cola, Visa, American Express, Microsoft, Apple, Amazon, Procter & Gamble, Merck, Chevron, McDonald’s, Boeing und Walt Disney auf dem Programm.
Die Erwartungen an die Berichtssaison sind indes sehr hoch. Nach Berechnungen von FactSet rechnen Analysten für die Unternehmen des S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von 23,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Das wäre das zweite Quartal in Folge mit einem Plus von über 20 %.
Besonders ins Auge fällt dabei auch die Richtung der Revisionen: Ende März lag die erwartete Wachstumsrate noch bei 18,8 %. Die Analysten haben ihre Schätzungen im Quartalsverlauf also deutlich angehoben, was eher untypisch ist; normalerweise werden die Gewinnprognosen im Laufe eines Quartals nach unten korrigiert, in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um rund 2 %. Auch beim Umsatz wird mit 12,2 % Wachstum gerechnet, dem höchsten Wert seit dem zweiten Quartal 2022. Getragen werden die Anhebungen vor allem vom Energie- und vom Technologiesektor.
Da die tatsächlich berichteten Gewinne die Schätzungen erfahrungsgemäß sehr häufig übertreffen, hält FactSet zum Ende der Berichtssaison sogar ein Gewinnwachstum von über 29 % für wahrscheinlich. Das wäre der stärkste Wert seit dem vierten Quartal 2021.
Einerseits liefern starke Unternehmensgewinne zwar die fundamentale Rechtfertigung für die aktuellen Rekordstände; andererseits liegt die Messlatte damit aber auch ausgesprochen hoch: Bei einer Bewertung nahe dem 20-fachen der erwarteten Gewinne ist wenig Spielraum für Enttäuschungen eingepreist.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 13.07.2026

