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Der Nasdaq hat eine der turbulentesten Handelswochen des Jahres hinter sich. Bereits vor der Notenbanksitzung letzte Woche setzte sich der Abverkauf fort und beschleunigte sich nochmals unmittelbar nach der Fed-Sitzung ab Mittwochabend, bevor am Donnerstag ein kräftiger Rebound folgte.
Neben der Fed-Sitzung standen vor allem die Quartalsergebnisse der Big-Tech-Konzerne im Fokus. Microsoft und Meta berichteten am Mittwochabend, Apple und Amazon am Donnerstagabend, wobei die Kursreaktionen sehr unterschiedlich ausfielen.
Nasdaq 100 verteidigt Wochen-EMA-20
Nach dem Bruch der Unterstützung bei 28.600 bis 28.800 Punkten setzte sich die Abwärtsbewegung zu Beginn der vergangenen Woche fort und beschleunigte sich sogar. Vom Schlusskurs der Vorwoche bei 28.128 Punkten fiel der Nasdaq 100 bis zum Schlusskurs am Mittwochabend bis auf 27.192 Punkte zurück. Allein am Mittwoch verlor der Index gut zwei Prozent. Vom Allzeithoch bei 30.762 Punkten aus dem Juni war das ein Rückgang von knapp zwölf Prozent.
Am Donnerstag setzte dann eine starke Gegenbewegung ein, die zu einem Anstieg von 3,4 Prozent führte und zusammen mit den Anschlusskäufen am Freitag die vorherigen Kursverluste aus der ersten Wochenhälfte komplett neutralisierte.

Für den gesamten Juli steht dennoch ein Verlust von rund 6,6 Prozent zu Buche, der schwächste Monat für den Nasdaq 100 seit März 2025.
Rein charttechnisch war mit dem Bruch der oben genannten Unterstützung der Weg frei bis zur 200-Tage-Linie, die aktuell bei etwa 26.700 Punkten verläuft. Dank dem Turnaround am Donnerstag und Freitag konnte der Nasdaq 100 jedoch wieder oberhalb der 20-Wochen-EMA schließen.
Eine endgültige Entwarnung ist dies allerdings noch nicht. Solange die zuvor durchbrochene Unterstützung, die nun als Widerstand agiert, nicht zurückerobert wird, bleibt das charttechnische Bild angeschlagen und die Gefahr einer erneuten Abwärtsbewegung bleibt bestehen. Erst ein nachhaltiges Zurückerobern der 28.750er-Marke inkl. Tages-EMA 20 und 50 würde das Chartbild wieder deutlich aufhellen.

Notenbank verblüfft mit Intransparenz
Die Fed hat den Leitzins am Mittwoch zum fünften Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Eine Zinserhöhung blieb also aus. Bemerkenswert war allerdings das Stimmbild: Die Entscheidung fiel mit 9 zu 3 Stimmen. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan votierten für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Drei Gegenstimmen in dieselbe Richtung hat es zuletzt im September 2016 gegeben.
Die anschließende Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh lieferte den Märkten dann genau das, was sie am wenigsten gebrauchen konnten: keine Orientierung. Eine Forward Guidance gab es erneut nicht, ein Signal für die September-Sitzung vermied Warsh konsequent. Auf Nachfragen der Journalisten antwortete er ausweichend und verwies auf die Datenlage. Das Statement halte sich bewusst aus Prognosen heraus, Marktteilnehmer sollten auf Daten reagieren, nicht auf die Notenbank. Zum künftigen Zinspfad ließ er sich nicht in die Karten schauen. Deutlich wurde er nur beim Inflationsziel: Es gebe kein weiches Ziel, sondern nur eines, nämlich zwei Prozent, und fünf Jahre Inflation über Ziel ließen sich nicht in neun Wochen heilen.
10-jährige und 30-jährige Renditen ziehen deutlich an
Die Reaktion am Anleihenmarkt war eindeutig. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um rund acht Basispunkte auf 4,69 Prozent, die dreißigjährige kletterte über 5,2 Prozent. Die hohen Anleihen-Renditen bleiben damit aktuell eine der wichtigsten potenziellen Gefahren, insbesondere für Technologie-Aktien.

Liquidation von Hedgefond erhöht Volatilität
Verstärkt wurde die Volatilität durch ein weiteres Ereignis: die Zwangsliquidation des KI-Hedgefonds Situational Awareness. Der Fonds von Leopold Aschenbrenner war mit bis zu vierfachem Hebel auf KI-Infrastruktur und Speicherchips positioniert (unter anderem SK Hynix, Nebius, CoreWeave, Sandisk und Micron) und hielt gleichzeitig Short-Positionen in Software-Werten wie Adobe.
Beide Seiten liefen gegen ihn. Nach Margin Calls von Goldman Sachs, JPMorgan und Bank of America wurde das komplette öffentliche Aktienportfolio am Donnerstag vor Handelsbeginn in einem einzigen Blocktrade an Citadel verkauft. Der besonders bei Speicherchip- und Infrastrukturwerten sichtbare Verkaufsdruck der Tage zuvor hatte damit einen konkreten Absender.
Mit dem Abschluss der Transaktion verschwand der größte Zwangsverkäufer aus dem Markt, und exakt ab diesem Zeitpunkt setzte die Gegenbewegung ein. Solche Liquidationen markieren erfahrungsgemäß häufig lokale Extreme, weil der Verkaufsdruck technisch bedingt ist und nicht fundamental.
Quartalsergebnisse der Big Tech Unternehmen im Fokus
In den letzten zwei Wochen haben fünf der Magnificent Seven ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht. Der Markt hat sie sauber in Gewinner und Verlierer sortiert. Die Trennlinie verlief nicht entlang der Höhe der KI-Investitionen, sondern entlang der Frage, ob diesen Ausgaben bereits sichtbare Umsätze gegenüberstehen.
- Microsoft lieferte die stärkste Vorlage. Der Umsatz stieg im vierten Geschäftsquartal um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden US-Dollar, das Azure-Geschäft wuchs um 43 Prozent und damit so schnell wie zuletzt Anfang 2022. Der Auftragsbestand kletterte um 84 Prozent auf 678 Milliarden US-Dollar. Die Aktie sprang am Donnerstag um rund 15 Prozent nach oben, der größte Tagesgewinn der Firmengeschichte, und trug den Index praktisch im Alleingang.
- Amazon zog am Freitag nach. Der Konzernumsatz legte um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar zu, AWS wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden; das stärkste Wachstum seit 18 Quartalen. Dass die Investitionsprognose für 2026 gleichzeitig von 200 auf 220 Milliarden US-Dollar angehoben wurde, störte niemanden, weil der Auftragsbestand von 496 Milliarden US-Dollar die Nachfrage belegt. Die Aktie schloss gut 15 Prozent im Plus.
- Auf der anderen Seite standen Meta und Apple. Meta steigerte den Umsatz zwar um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar, verfehlte aber beim Gewinn je Aktie die Erwartungen deutlich. Vor allem der Free Cashflow machte negative Schlagzeilen: Er brach um 91 Prozent auf 784 Millionen US-Dollar ein, während die Capex-Prognose auf 130 bis 145 Milliarden US-Dollar angehoben wurde. Die Aktie verlor rund acht Prozent. Apple wiederum meldete mit 109,4 Milliarden US-Dollar Umsatz ein Rekordquartal, enttäuschte aber mit einem Ausblick von neun bis elf Prozent Wachstum. Der scheidende CEO Tim Cook bezeichnete die Engpässe bei Speicherchips als wichtigen Punkt. Die Aktie brach am Freitag um rund 7,4 Prozent ein, mehrere Analysten senkten ihre Kursziele.
- Den Auftakt hatte bereits in der Vorwoche Alphabet gemacht mit 82 Prozent Wachstum in der Cloud, aber einem erstmals seit dem Börsengang 2004 negativen Free Cashflow und einer auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar erhöhten Investitionsprognose. Auch hier folgte ein Kursrutsch von rund sieben Prozent, ehe die Aktie am Freitag wieder gut sechs Prozent zulegte.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 03.08.2026

