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Auch am deutschen Aktienmarkt sind die Bullen zurückgekehrt. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Juli setzte der DAX seine übergeordnete Aufwärtsbewegung zuletzt mit neuem Schwung fort und erreichte in der vergangenen Handelswoche erneut ein Allzeithoch. Unterstützt wird die Rally dabei nicht nur von einer freundlichen Stimmung an den internationalen Aktienmärkten, sondern zunehmend auch von starken Unternehmensgewinnen und ersten positiven Signalen aus der deutschen Wirtschaft.
DAX überwindet 26.000-Punkte-Marke
Bereits Ende Juli zog der DAX wieder spürbar an. Am 31. Juli ging der deutsche Leitindex bei 25.629 Punkten aus dem Handel, Anfang August folgte dann der Sprung über die Marke von 26.000 Punkten. Am 12. August erreichte der DAX bei rund 26.560 Punkten ein neues Allzeithoch und notierte zum Wochenschluss am Freitag mit rund 26.440 Punkten nur knapp darunter.
Seit Ende Juli ergibt sich damit ein Plus von etwa 3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der DAX mittlerweile ca. 8 Prozent zugelegt.
Rückenwind kam zuletzt unter anderem von der geopolitischen Seite. Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt mit dem Iran ließen die Ölpreise Anfang August zeitweise deutlich zurückkommen. Das nahm etwas Druck aus den Inflations- und Zinssorgen und sorgte entsprechend für bessere Stimmung an den Aktienmärkten.
Dazu kommt eine bislang überraschend starke Berichtssaison. Viele Unternehmen konnten mit ihren Zahlen überzeugen, was die Rally zusätzlich stützt. Auch die europäischen Aktienmärkte insgesamt profitierten davon und markierten zuletzt mehrfach neue Rekordstände.
Trendbewegung bereits weit fortgeschritten
Aus charttechnischer Sicht bleibt das übergeordnete Bild weiterhin klar bullisch. Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt und der DAX markiert weiterhin steigende Hochs und steigende Tiefs.

Allerdings ist die aktuelle Trendbewegung inzwischen bereits weit fortgeschritten. Nach dem Kursanstieg der letzten Wochen wäre deshalb auch eine kurzfristige Konsolidierung oder Korrektur keine Überraschung. Eine solche Bewegung würde zunächst einmal nichts am positiven übergeordneten Chartbild ändern.
Besonders gut lässt sich der kurzfristige Trend aktuell im Stundenchart erkennen. Eine erste wichtige Marke liegt bei 26.275 Punkten. Solange sich der DAX oberhalb dieses Niveaus behaupten kann, bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend zunächst intakt.

Ein nachhaltiger Ausbruch unter die Marke von 26.275 Punkten würde dagegen ein erstes kurzfristiges Schwächesignal liefern und den Weg für eine etwas größere Gegenbewegung freimachen.
Die nächste relevante Unterstützungszone befindet sich anschließend im Bereich von etwa 25.800 bis 25.900 Punkten. Dort dürfte sich zeigen, ob die Käufer eine mögliche Korrektur erneut nutzen, um in den Markt einzusteigen.
Auch ein Rücksetzer bis in diesen Bereich wäre zunächst lediglich als normale Korrektur innerhalb des weiterhin intakten übergeordneten Aufwärtstrends zu werten.
Fundamentaler Rückenwind für den DAX
Unterstützung erhält die positive Kursentwicklung zunehmend auch von fundamentaler Seite. Besonders auffällig sind dabei die zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen der großen deutschen Unternehmen.
Die DAX-Konzerne steigerten ihren kumulierten operativen Gewinn im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf 52,6 Milliarden Euro. Das ist der höchste Wert, der jemals in einem zweiten Quartal erreicht wurde. Gleichzeitig stieg der Gesamtumsatz der Unternehmen um 4,6 Prozent auf einen Rekordwert von rund 463 Milliarden Euro. Dabei konnten zuletzt gleich mehrere Schwergewichte überzeugen.
- Siemens meldete beispielsweise für das abgelaufene Quartal einen Anstieg des Gewinns im Industriegeschäft um 25 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro und damit den höchsten Quartalswert der Unternehmensgeschichte. Gleichzeitig erreichte der Auftragseingang mit 27,9 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Siemens profitiert dabei unter anderem von der hohen Nachfrage nach Automatisierungs-, Elektrifizierungs- und Infrastrukturtechnologien sowie vom weltweiten Boom beim Bau neuer KI-Rechenzentren.
- Auch die Deutsche Telekom konnte positiv überraschen. Das bereinigte EBITDA nach Leasing lag im zweiten Quartal bei rund 11,8 Milliarden Euro und damit leicht oberhalb der Markterwartungen. Gleichzeitig erhöhte der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm für 2026 von ursprünglich 2 Milliarden auf bis zu 5 Milliarden Euro. Die Aktie reagierte auf die Nachricht zeitweise mit einem Kursplus von fast 7 Prozent.
- Bei SAP sorgten insbesondere die weiterhin starken Cloud-Zahlen für Erleichterung. Der Cloud-Umsatz legte im zweiten Quartal währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu, während der aktuelle Cloud-Auftragsbestand um 26 Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro stieg. Seit der Veröffentlichung der Zahlen am 23. Juli stieg die SAP-Aktie bereits rund 40 % an.
Allerdings sollte man bei den Rekordzahlen auch genauer hinsehen. Die Entwicklung innerhalb des DAX ist weiterhin sehr unterschiedlich. Besonders stark entwickeln sich derzeit unter anderem Rüstungsunternehmen, Profiteure des KI- und Rechenzentren-Booms sowie Teile des Finanzsektors. Die deutsche Automobilbranche steht dagegen weiterhin unter Druck.
Gleichzeitig kommen auch von der deutschen Konjunktur erste vorsichtig positive Signale. Die deutsche Industrieproduktion legte im Juni den dritten Monat in Folge zu. Auch die Exporte stiegen im Monatsvergleich um 0,9 Prozent auf einen Rekordwert von 139,3 Milliarden Euro. Zudem verbesserten sich zuletzt verschiedene Stimmungs- und Frühindikatoren für die deutsche Industrie.
Von einem kräftigen deutschen Wirtschaftsboom kann damit zwar noch lange keine Rede sein. Für den Aktienmarkt reicht momentan jedoch bereits die Aussicht darauf, dass sich die wirtschaftliche Lage zumindest stabilisiert, während gleichzeitig die Gewinne vieler großer DAX-Unternehmen weiter steigen.
Autor Tobias Schmid
Datum: 17.08.2026

