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Mit einem Wochenplus von 3,25 Prozent war der Nasdaq 100 in der vergangenen Handelswoche deutlich stärker als der S&P 500 und der Dow Jones. Während der S&P 500 lediglich rund 1,2 Prozent zulegte und der Dow Jones sogar leicht nachgab, wurde der Nasdaq 100 insbesondere von einer neuen Welle der KI-Euphorie nach oben getragen.
Auslöser war unter anderem der starke Start von Metas neuem KI-Agenten Muse. Die Anwendung sorgte nicht nur bei Meta selbst für kräftige Kursgewinne, sondern befeuerte zugleich die Hoffnung auf einen weiter steigenden Bedarf an Rechenleistung. Davon profitierten insbesondere Halbleiterwerte. Gleichzeitig belasteten steigende Anleiherenditen und weiterhin hohe Ölpreise den Gesamtmarkt.
Bemerkenswert ist deshalb vor allem, dass der Nasdaq 100 diese Belastungsfaktoren weitgehend ignorieren konnte und am Dienstag sogar ein neues Allzeithoch markierte.
Meta und Halbleiter-Aktien profitieren von erneuter KI-Euphorie
Der entscheidende Impuls kam bereits zum Wochenstart. Meta legte am Montag mehr als 11 Prozent zu. Der bereits Anfang September gestartete KI-Agent Muse hatte über das Wochenende die Spitze des US-App-Stores erreicht, während neue Nutzungs- und Download-Daten auf eine überraschend starke Nachfrage hindeuteten. Zusätzlichen Rückenwind lieferte Wells Fargo mit einer deutlichen Anhebung des Kursziels für die Meta-Aktie. Die starke Resonanz auf Muse nährte damit die Hoffnung, dass sich die hohen KI-Investitionen von Meta zunehmend auch in kommerziell erfolgreichen Produkten niederschlagen könnten.

Die positive Stimmung griff unmittelbar auf den Halbleitersektor über: AMD gewann rund 10 Prozent, Intel etwa 12 Prozent und Arm rund 17 Prozent. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg allein am Montag um mehr als 4 Prozent.

Damit erklärt sich zugleich, warum der Nasdaq 100 deutlich stärker abschnitt als S&P 500 und Dow Jones. Genau die Unternehmen, die von der neuen KI-Fantasie profitierten, besitzen im Nasdaq 100 ein besonders hohes Gewicht. Der S&P 500 ist breiter über verschiedene Branchen verteilt, während der Dow Jones noch weniger von der Rally der großen Halbleiter- und Technologiewerte profitierte.
Zudem sorgten am Freitag unter anderem neue Copilot-Funktionen von Microsoft sowie ein 11,6 Milliarden Dollar schwerer Cloud-Vertrag zwischen Anthropic und Akamai für weitere positive Schlagzeilen rund um KI und die dafür benötigte Infrastruktur.
Steigende Renditen werden zum Belastungstest
Umso auffälliger war die relative Stärke des Nasdaq 100, weil sich das Zinsumfeld ab Mittwoch deutlich verschlechterte. Der vorläufige US Composite PMI für September sprang auf 58,4 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2021. Die überraschend robuste Konjunktur verstärkte die Erwartung, dass die US-Notenbank die Geldpolitik weiter straffen könnte.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit 2007. Gerade für hoch bewertete Wachstumsunternehmen ist dies grundsätzlich ein Belastungsfaktor, da steigende Zinsen die Attraktivität zukünftiger Unternehmensgewinne im Vergleich zu sicheren Anleihen reduzieren.

Der Nasdaq 100 gab am Mittwoch zwar nach, konnte die starken Gewinne vom Wochenbeginn jedoch größtenteils verteidigen. Das zeigt, dass die KI-Euphorie momentan stark genug ist, um selbst deutlichen Gegenwind vom Anleihemarkt zumindest teilweise zu kompensieren.
Nasdaq 100 verteidigt den Ausbruch auf ein neues Allzeithoch
Charttechnisch hinterlässt die Woche damit zunächst ein positives Bild. Am Dienstag stieg der Nasdaq 100 bis auf 30.770 Punkte und erreichte damit ein neues Rekordhoch. Zum Wochenschluss notierte der Index mit rund 30.608 Punkten nur wenige Punkte darunter.
Kurzfristig steht deshalb vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob sich der Index oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 30.000 Punkten halten kann. Solange dies gelingt, bleibt der jüngste Ausbruch intakt und ein erneuter Angriff auf das Wochenhoch möglich.
Ein Rückfall unter 30.000 Punkte wäre dagegen ein erstes Warnsignal. Darunter rückt der Bereich um 29.600 bis 29.650 Punkte in den Fokus, in dessen Nähe der Nasdaq 100 die vorherige Handelswoche beendet hatte.
PCE, Arbeitsmarkt und Micron im Fokus
Die kommende Handelswoche könnte bereits zeigen, wie belastbar die jüngste Tech-Rally tatsächlich ist. Am Mittwoch werden in den USA die PCE-Inflationsdaten für August veröffentlicht. Nach dem starken Anstieg der Anleiherenditen dürfte der Markt besonders sensibel auf Überraschungen bei der Inflation reagieren.
Am gleichen Tag legt zudem Micron Technology seine Quartalszahlen vor. Nach der starken Performance der Halbleiterwerte dürften insbesondere Aussagen zur Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren aufmerksam verfolgt werden.
Zum Wochenschluss folgt am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für September. Starke Daten könnten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen zusätzlich untermauern und damit erneut Druck auf den Anleihemarkt ausüben.
Für den Nasdaq 100 treffen damit zwei gegensätzliche Kräfte aufeinander: eine weiterhin starke KI-Story auf der einen und ein zunehmend restriktiveres Zinsumfeld auf der anderen Seite. Welche Seite sich durchsetzt, dürfte entscheidend dafür sein, ob der jüngste Ausbruch über die Marke von 30.000 Punkten Bestand hat.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 28.09.2026

