
von Anton Gneupel & Luis Pazos ist mal wieder ein typisches Luis Pazos Buch. Denn die Autoren haben sich ein spannendes Nischen-Thema ausgesucht, dieses wirklich gut aufgearbeitet und verfolge weiterhin einen klaren Fokus auf Einkommensströme bzw. Ausschüttungen. Für wen das besonders wichtig ist und wer sich zeitlich darüber bewusst ist, dass es allerdings steuerlich häufig eher ineffizient, aber dennoch reizvoll ist, kann stets ohne Furcht zu Büchern von Luis Pazos greifen. Dabei gibt es dann immer wieder Themen, die man so noch nicht in der Breite zu Gesicht bekommen hat.
Dieses Mal geht es um Closed-end-Funds. Hierbei handelt es sich im Grunde genommen um eine Kombination aus klassischen Investmentfonds und ETFs. CEFs versuchen dabei die Einfachheit und das aktive Management von klassischen Investmentfonds mit der Börsennotiz und der laufenden Handelbarkeit von ETFs zu verbinden.

Das soll den administrativen Aufwand für das Management und die Verwaltung bei maximaler Transparenz und Liquidität für die Anleger minimieren. Im Gegensatz zum offenen Investmentfonds ist hier jedoch kein direkter Handel mit täglicher Kursfeststellung vorgesehen und anders als beim ETF wird auf eine Kooperation mit Market Makern als auch Authorized Participants und damit ein Index-Tracking sowie den Creation/Redemption-Prozess verzichtet.
Bei Luis Pazos geht es stets darum, einen globalen Einkommensstrom zu kreieren. CEFs sind dabei aber eine in Kontinentaleuropa weitgehend unbekannte Fondsgattung.
„Kontinentaleuropäischen Anlegern, die sich erstmals mit den Kennzahlen von CEFs beschäftigen, werden nach kurzer Zeit zwei Dinge ins Auge springen: Zum einen die vergleichsweise hohen Barrenditen, zum anderen die Ausschüttungspolitik, die selten ein halbjährliches, meist ein quartalsweises beziehungsweise monatliches Zahlungsregime vorsieht, und gerade für einkommensorientierte Anleger den Reiz dieses Finanzinstruments ausmacht.“
Anton Gneupel & Luis Pazos
Die beiden Autoren stellen nun in diesem Buch die Hintergründe, Entwicklungen und Funktionsweisen dieses Finanzinstrumentes detailliert vor. Dabei überfrachtet dieses Buch auch leicht Fortgeschrittene Leser nicht, da es über eine etwas längere Einleitung sanft abholt. Nur absolute Einsteiger werden an manchen Stellen sicherlich zu knacken haben, aber für die wurde das Buch dann eben auch nicht geschrieben.
Sie erläutern, worauf es bei der Bewertung von CEFs ankommt, welche unterschiedlichen Anlagestrategien vom jeweiligen Management verfolgt werden und anhand welcher Kriterien Privatanleger eine individuelle Titelauswahl vornehmen können. Die ausführliche Betrachtung der Chancen und Risiken sowie eine Zusammenstellung von CEF-Musterportfolios runden den Inhalt des Buchs ab.

Zum Aufbau des Buches: Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den historischen Hintergründen von Closed-end-Funds. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der aktuell bedeutendsten Sammelanlagen sind Gegenstand vom zweiten Kapitel. Wie es zur Herausbildung von CEFs als eigenständiges Instrument mit gesonderter Regulierung kam, die gängige rechtliche Struktur, etwaige länderspezifische Besonderheiten der CEFs sowie deren vornehmliche Zielgruppe werden im dritten Kapitel thematisiert. Dies schließt dann auch den eher theoretischen ersten Teil des Buches ab.
Ab Kapitel vier beginnt der praxisorientiertere Teil mit der Typisierung der Fondsgattung nach der praktizierten Anlagestrategie, jeweils einschließlich eines konkreten Branchenvertreters. Daran anschließend folgt im nächsten Kapitel eine Übersicht der bedeutendsten Kapitalmärkte für CEFs, welche historisch bedingt im angelsächsischen Raum zu finden sind. Selbstverständlich gehört zur Betrachtung potenzieller Investitionen auch ein Blick auf die Chancen und Vorteile sowie Risiken und Nachteile, welcher in den Kapiteln sechs und sieben erfolgt, bevor im achten Kapitel erprobte Werkzeuge an die Hand gegeben werden, um CEFs zu bewerten. Typisierte CEF-Musterportfolios in sowie die unausweichliche Steuerthematik runden diese erste deutschsprachige Publikation zu Closed-end Funds ab.
Für mich sind Closed-end-Funds kein Finanzinstrument, das ich in Zukunft nutzen werden. Das liegt aber weniger daran, dass sie nicht interessant sind, sondern weil mein Fokus vielmehr auf der Gesamt-Performance meines Portfolios und weniger auf der Optimierung einzelner Teilbereiche liegt. So macht es rein wissenschaftlich betrachtet für eine Erhöhung der Gesamt-Performance keinen Sinn, die Ausschüttungen zu erhöhen. Ganz im Gegenteil, es ist eher – aufgrund von steuerlichen Gesetzgebungen – negativ zu betrachten.
Wem Ausschüttungen aus emotionalen oder sonstigen Gründen allerdings besonders wichtig sind, findet hier vielleicht ein weiteres interessantes Vehikel, um diese strukturiert zu erhöhen oder noch breiter zu diversifizieren. So möchte ich diese Rezension auch mit Worten der Autoren in diese Richtung schließen, kann aber nochmal betonen, dass es sich hierbei um ein spannendes und gut aufgearbeitetes Buch handelt:
„Tatsächlich richtet sich das Gros der CEFs - vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel - an einkommensorientierte Anleger, Investoren also, die sogenanntes Income Investing betreiben. Das Income Investing bezeichnet eine Anlagestrategie, bei welcher der Fokus des Anlegers auf dem erzielbaren Einkommen aus einem Portfolio liegt, ohne den Wertpapierbestand selbst zu veräußern. Das Einkommen selbst speist sich […] aus Dividenden, Optionsprämien, realisierten Kursgewinnen, Zinsen sowie sonstigen Erträgen aus beispielsweise Konzessionen, Lizenzen und Patenten, sogenannten Royalties. Im Fall eines CEFs werden diese auf Fondsebene vereinnahmt und in regelmäßigen Abständen an die Anteilseigner ausgeschüttet.“
Anton Gneupel & Luis Pazos
