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Eine Frau liegt auf einer blaugrünen Fläche mit verstreuten US-Dollarnoten um ihren Kopf herum; der Titel "Dein Money 1x1" und sein Untertitel heben diesen unverzichtbaren Finanzratgeber für Frauen hervor.

Dein Money 1×1

Von
Celine
| 5. Juli 2023 |
Literatur

von Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck ist ein Finanzratgeber, der sich explizit an Frauen richtet. Das ergibt sich nicht nur aus dem Untertitel, sondern auch aus dem Layout und den inhaltlichen Schwerpunkten und Ansprachen im Buch selbst. Beworben wird dieses Buch als Guide, der Frauen dabei helfen soll, in allen Lebensphasen einfach gut aufgestellt zu sein.

Obgleich das Buch optisch einen guten Eindruck macht und auch sprachlich die gängigsten und allgemeinen Themen rund um die Finanzwelt für Einsteiger wirklich gut wiedergibt, hinkt es doch gewaltig, sobald es tiefer in die Themen geht, und wird aufgrund einer Schar von QR-Codes und Empfehlungen in eigener Sache und eigener Zunft weniger als ein Buch, das viele Fragen beantworten möchte als vielmehr wie eines, das einen gezielten Trichter in Richtung eigener Produkte darstellen soll.

Ich persönlich hatte nach den knapp 300 Seiten nicht den Eindruck, dass ich das Thema vollständig abgehakt hätte. Vielmehr schreiben die Autorinnen auch selbst, dass es nur als Startschuss gedacht wäre, um danach tiefer in die Thematik einzutauchen oder sich Hilfe von Expertinnen zu suchen.

Beides prinzipiell nun auch nichts Schlimmes. Alles relevante in einem Buch zu behandeln ist auch schier unmöglich und weshalb soll man sich nicht zusätzlich kompetente Hilfe holen. Nur kam es mir etwas komisch vor, dass stets zu „unabhängigen Versicherungsmaklerinnen“ geraten wurde und das an unzähligen Stellen, aber nicht ein einziges Mal auch nur erwähnt wurde, dass es auch so etwas wie eine Honorarberatung gibt.

„Eins gleich vorweg: Die Frage, welche Versicherungen du brauchst und welche nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt ganz auf deine Lebensumstände an. Doch sei dir gewiss, dass du nicht alle Versicherungen brauchst, die Frauen hierzulande so angeboten werden. Du bist also vielleicht schneller durch mit dem Thema, als du denkst.

Dieses Kapitel soll dir eine Übersicht über die verschiedenen Versicherungen bieten. Eine beratende Funktion hat es nicht. Bei deiner Recherche wirst du feststellen, dass es sehr viele verschiedene Tarife gibt. Hol dir den Rat einer unabhängigen Versicherungsmaklerin, wenn du dir bei der Suche nach der richtigen Police fachkundige Unterstützung wünschst.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Man kann erahnen, wie unkonkret und in die Beratung leitend dieses Kapitel aufgebaut ist. Die Tipps und Tricks sind allesamt deutlich ausführlicher, fundierter und kostenlos auf Verbraucherportalen im Netz ohne Probleme abrufbar. Dennoch wird in diesem Buch stets der Rat von Versicherungsmaklerinnen und Steuerberaterinnen selbst für die banalsten Themen empfohlen.

Viel schlimmer wirken für mich da aber weitere Punkte, die ich an dem Buch aussetzen muss. Bereits weiter oben habe ich auf die unzähligen QR-Codes im Buch hingewiesen. QR-Codes sind an sich kein komplett zu verteufelndes Instrument für einen Ratgeber. Sie müssen eben nur Sinn machen, indem sie wertvolle weitere Inhalte transportieren, die der Aktualität halber nicht im Printwerk inkludiert wurden oder den Rahmen gesprengt hätten.

Das kann man so aber nur auf die wenigsten QR-Codes übertragen. Vielmehr dienten sie an unzähligen Stellen dann doch primär einer Idee: Reichweite für die eigene Homepage und den eigenen Podcast zu generieren. Darüber hinaus sollte eine Sache komplett unstrittig sein: Wenn ich solche QR-Codes einbaue, dann sollten sie auch aktuell gehalten werden und funktionieren, oder? Das trifft hier nicht zu. Ich habe nicht jeden einzelnen gecheckt, aber 15 Stück und von denen hat nur ein einziger funktioniert. Alle anderen gaben mir diesen Hinweis wieder: „Go Back Home“.

Das geht natürlich gar nicht und da müssen sich Verlag und Autorinnen selbst an die Nase packen und das Problem ausräumen. Es wird auch nicht an meinem Handy gelegen haben, denn ich habe es mit 3 weiteren Endgeräten getestet. Für mich ein No-Go.

Aber es wurden nicht nur aus meiner Sicht deutlich zu viele, sinnlose und nicht funktionierende QR-Codes platziert, sondern auch Aussagen getroffen, wo sich mir die Haare zu Berge stellten.

„Am Kapitalmarkt wird mehr Risiko immer mit mehr Renditeaussicht belohnt! Misstraue jedem, der etwas anderes behauptet und dir zum Beispiel sagt, dass es da eine Anlagemöglichkeit mit wenig Risiko und riesigen Gewinnaussichten gibt.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck
Person liest ein Buch an einem sonnigen Strand mit Wellen im Hintergrund.

Bitte was? Ich verstehe die Grundintention dieser Aussage und die ist auch korrekt, aber die Behauptung, dass am Kapitalmarkt mehr Risiko immer mehr Renditeaussicht entspricht, ist schlichtweg Unfug. Das heißt im Umkehrschluss aber eben nicht, dass es Anlagemöglichkeiten mit wenig Risiko und riesigen Gewinnaussichten gibt. Beides hängt nicht miteinander zusammen.

Was viel wichtiger gewesen wäre zu betonen ist das Rendite-Risiko-Verhältnis. Das sollte Dreh-und-Angelpunkt bei dieser Betrachtung sein und selbstverständlich gibt es Anlageformen, die bei geringerem Risiko eine höhere Rendite versprechen. Leuten, die sowas widersprechen und behaupten, dass mehr Risiko immer(!) zu mehr Renditeaussicht führt sollte man misstrauen.

Vor allem da das Buch nicht nur von einer Person geschrieben wurde und hinter herMoney ein ganzes Unternehmen steht, kann ich nicht nachvollziehen, dass dieser Satz sich hierein verirrt hat. Das hätte auffallen müssen und ich gehe mal davon aus, dass die Autorinnen den Diversifikationseffekt kennen werden, der ihre Aussage wissenschaftlich belegbar ad absurdum führt.

Und die Autorinnen beziehen das auch nicht einmal nur auf den Aktienmarkt. Sie tätigen diese Aussage für den kompletten Kapitalmarkt inklusive aller anderen Assetklassen, die gehandelt werden.

Das ist aber nicht die einzige Passage, die mir Kopfschmerzen bereitet hat.

„Die BU ist die Königsklasse der Absicherungen. Rechne doch einfach mal aus, wie viel Gehalt du bis zum Renteneintritt durchschnittlich verdienen würdest. Jetzt kommst du vielleicht auf eine sechs- oder siebenstellige Summe. Und dann stell dir vor, morgen passiert etwas, das es dir unmöglich macht, weiterhin deinen Job auszuüben.

Hast du mal eben 500 000 oder eine Million Euro auf der hohen Kante? Nein? Wer kommt dann für dich auf? Wer gleicht das Fehlen deines Gehalts wieder aus? Dein Partner oder deine Partnerin? Und wenn deine bessere Hälfte sich irgendwann verabschiedet? Finanzielle Unabhängigkeit sieht anders aus! Die Krankenkasse? Die zahlt wegen derselben Erkrankung innerhalb von drei Jahren in der Regel nur 78 Wochen lang. Danach bekommst du Arbeitslosengeld. Und selbst mit der vollen gesetzlichen Erwerbsminderungsrente kämst du Pi mal Daumen gerade einmal auf die Hälfte deines Nettogehalts.

[…] Kurzum: Für dein Überleben wäre gesorgt, finanziell hättest du aber den Abstieg zu befürchten.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Solche Fragereihen kenne ich sonst nur aus der Versicherungsbranche, aber viel spannender wird es, wenn man weiterliest:

„Du siehst: Ohne BU geht es meist nicht. Wenn du noch keine solche Versicherung hast, solltest du über den Abschluss einer BU nachdenken. Denn die monatlichen Beiträge werden für dich von Lebensjahr zu Lebensjahr höher.

Eine gute Idee könnte sein, bereits als Schülerin, Studentin, Auszubildende oder Jobeinsteigerin eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Denn: In jungen Jahren bist du gesundheitlich wahrscheinlich noch nicht vorbelastet und somit eine interessante Kandidatin für die Versicherer.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Man muss sich den letzten Satz einfach mal auf der Zunge zergehen lassen und sich fragen, ob man „eine interessante Kandidatin für die Versicherer“ sein möchte. Im Grunde genommen bedeutet das nichts anderes, als dass die Versicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit Kasse macht mit mir. Denn jede einzelne Versicherung ist eine Wette auf das (Nicht-)Eintreten eines Ereignisses, die ich mit einer Versicherung eingehe.

Keine Versicherung wird dabei einen Vertrag zu Konditionen mit mir eingehen, die im Schnitt zu Lasten der Versicherung gehen. Ganz im Gegenteil, sie wird stets das Risiko abwägen und Marge und eigene Fixkosten mitberücksichtigen. Wenn ich nun besonders interessant bin, heißt das nichts anderes, als dass ich besonders lukrativ bin.

Das sollte man im Hinterkopf behalten. Weiter geht es mit:

„Jede Vierte muss ihren Beruf vor dem Rentenalter über einen längeren Zeitraum oder sogar dauerhaft an den Nagel hängen. Jede Vierte! Grund genug, sich ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen, meinst du nicht auch? Wenn du unsicher bist, welches Produkt sich am ehesten für dich eignet, kannst du dich an eine unabhängige Versicherungsmaklerin wenden.“ 

Die Autorinnen wollen mit diesem Buch Frauen einen Plan an die Hand geben, damit sie ihre Finanzen organisieren können. „Du erfährst, welche Versicherungen du wirklich brauchst, wie du dich vor Altersarmut schützt und dir ein kleines Finanzpolster aufbaust, um dir deine Träume zu erfüllen. Dieses Buch ist also ein praktischer Ratgeber, der dir hilft, das Thema Finanzen endlich anzupacken.“ Diese Intention würde ich bis Mitte des Buches auch noch unterschreiben. Aber spätestens zum Ende hin wird es immer vager und dann erstrahlen eher solche Passagen:

„herMoney-Tipp: Es ist gut, sich mit anderen auszutauschen. Das gilt insbesondere dann, wenn es an der Börse mal heiß hergeht. Daher ist es eine gute Idee, sich einer Community mit Gleichgesinnten anzuschließen (beispielsweise der herMoney-facebook-Gruppe). Das dient nicht nur dem Austausch, sondern so kann man sich bei starken Kursrückgängen gegenseitig aufmuntern.“ Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Und wer es noch nicht verstanden haben sollte:

„Um ein derart gutes Tarifwerk zu finden, kannst du dich zum Beispiel an eine Versicherungsmaklerin wenden.“ Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

„Wenn du Interesse an einem Rürup-Vertrag hast, könntest du einen Termin mit deiner Steuerberaterin und einer Vorsorgeexpertin vereinbaren. Das ist in diesem Fall besonders wertvoll, weil es sich hier um ein sehr steuergetriebenes Produkt handelt.“ Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Spätestens nach 100 Seiten sollte klar sein: Dieses Buch wurde nicht primär geschrieben, um Fragen zu beantworten, sondern vielmehr, um einen Bedarf zu wecken, wie man in der Versicherungsbranche gerne zu sagen pflegt. „Wir wollen im ersten Gespräch nur Interesse wecken beim Kunden, nicht beraten.“, bekam eine Freundin von mir immer mit auf den Weg gegeben.

Im Übrigen sollte man niemals(!) ein Finanzprodukt nur aus steuerlichen Gründen abschließen und für eine Rürup braucht du ganz sicherlich keine Steuerberaterin aber Obacht, die wird zu späterer Stelle nochmal zu einem viel banalerem Thema empfohlen.

An dieser Stelle ein paar Worte zu den Autorinnen:

Anne Connelly ist die Gründerin von herMoney, einem Finanzportal für Frauen. Sie ist langjährige Managerin der Investmentfondsbranche.

Anke Dembowski ist studierte Betriebswirtin und Finanzjournalistin. Sie ist Gründerin von Fondsfrauen, einem Karrierenetzwerk für Frauen im Finanzbereich und schreibt regelmäßig für herMoney.

Simin Heuser hat Volkswirtschaft studiert und kam früh mit der Fondsbranche in Kontakt. Ihre Stimme ist im »herMoney 1x1« Podcast zu hören und sie ist bei Events oder in der herMoney Academy dabei.

Saskia Weck hat vor ein paar Jahren begonnen, sich intensiv mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen. Sie war Kundin von herMoney wurde Mitarbeiterin. Heute schreibt sie über Geld und Familienthemen, ist beim »herMoney 1x1« Podcast zu hören und auf den Events zu sehen.

„Insgesamt solltest du darauf achten, dass du in Sachen Geldanlage möglichst breit aufgestellt bist. Das bedeutet nicht, dass du jede Anlageklasse bedienen musst. Aber sein Geld ausschließlich auf dem Tagesgeldkonto zu haben oder in Aktien zu investieren, ist keine besonders sinnvolle Strategie. Wir wollen ja »nicht alle Eier in einen Korb legen«, wie man so schön sagt.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

So ist das Zitat im Ursprung nicht gemeint gewesen und nein, man sollte nicht unbedingt möglichst breit gestreut über alle Assetklassen hinweg investieren. Und auch nicht unbedingt in Holz, was auf der Seite davor noch als potenzielle Anlageform aufgezählt wurde. Es muss schon Sinn machen. So könnte man vielmehr ein Gefühl a la FOMO bekommen, dass man bei allem dabei sein muss und alles kaufen muss, nur um möglichst breit aufgestellt zu sein.

Leider werden zu solchen Aussagen im Buch durchweg keinerlei Quellen angegeben. Es finden sich nur banale Quellen zu den demografischen Entwicklungen, Inflation, Versicherungen etc. im Anhang, aber keine, die die Anlagetipps verifizieren würden.

So kommt dann am Ende auch ohne jegliche Herleitung solcher Nonsens zu Stande:

„Ob für dich ein thesaurierender oder ein ausschüttender Fonds besser ist, hängt davon ab, wie dein Anlageziel aussieht. Ist dein Ziel ein möglichst rascher Vermögensaufbau, solltest du dich für einen thesaurierenden Fonds entscheiden. Weil hier die Erträge wiederangelegt werden, profitierst du vom Zinseszinseffekt.

Möchtest du hingegen die laufenden Erträge des Fonds ausgeben und nur das Kapital weiter für dich arbeiten lassen, ist ein ausschüttender Fonds wahrscheinlich besser für dich.“

 Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Einen ausschüttenden Fonds zu wählen, um die laufenden Ausschüttungen zu verkonsumieren ist generell eine ziemlich schlechte Entscheidung, denn Ausschüttungen sind steuerlich die ungünstige Art der Einnahme. Viel sinnvoller wäre es, bedarfsgerecht Anteile zu verkaufen – im Idealfall mittels einer Depotschaukel, um das FIFO-Prinzip auszunutzen. Und was die Formulierung des „möglichst raschen Vermögensaufbaus“ in dieser Passage zu suchen hat erschließt sich mir ebenfalls nicht.

Die Entscheidung zwischen einem thesaurierenden und einem ausschüttenden Fonds sollte nur steuerliche Gründe haben, hat aber für manche Leute auch emotionale Gründe, aber das hat rein gar nichts damit zu tun, dass ich mit der ein oder anderen Wahl rascher Vermögen aufbauen würde …

Interessant sind auch die Äußerungen zu den Contras bei ETFs:

„Mit einem ETF kannst du keine Risiken begrenzen und keine »Überrenditen« erzielen. Dein Vermögen schwankt mit dem Markt. Gute Fondsmanager oder Fondsmanagerinnen investieren dagegen nur in die aussichtsreichsten Aktien. Zudem können sie Risiken durch den Verkauf einzelner Papiere begrenzen. Hier ein Beispiel: Vor Beginn der Finanzkrise 2008 waren Bankaktien im wichtigsten europäischen Index EURO STOXX sehr hoch gewichtet. Während ein gutes Management die riskanten Aktien frühzeitig verkaufen konnte, blieben die Verlustaktien in einem ETF enthalten, bis sie aus dem Index geflogen sind.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Selbstverständlich investieren gute Fondsmanagerinnen nur in die aussichtsreichsten Aktien. Interessant nur, dass das keine Studie so belegen kann und die Autorinnen im Abschnitt davor selbst schreiben:

„Nur wenige Fondmanagerinnen und Fondsmanager schlagen auf Dauer den Markt. Viele trauen sich nicht einmal, von ihrem »Vergleichsindex« abzuweichen - und sind damit die hohen Managementkosten nicht wert.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Aber das sind sicherlich nicht die guten Fondsmanagerinnen. Schade, dass man nicht gleich eine Liste mit denen hier abgedruckt hat. Wäre doch sehr informativ gewesen. Spaß beiseite. Es gibt dafür keinerlei wissenschaftliche Belege. Ganz im Gegenteil: Studien legen nahe, dass niemand prognostizieren kann, welche Aktien besonders aussichtsreich sind und welche nicht. Die zu erwartende Rendite einer Einzelaktie entspricht der des Gesamtmarktes, bei gleichzeitig deutlich erhöhtem Risiko.

Darüber hinaus ist es ebenfalls mehrfach untersucht worden, dass gerade in der Finanzkrise 2008, die hier angeführt wird, eben keine bessere Performance der aktiven Fonds gegeben hat, obwohl dieser „Vorteil“, dass sie prinzipiell eingreifen könnten, immer wieder angeführt wird. Es wird einfach nicht richtiger, wenn man es häufiger behauptet und wo sind bitte in diesem Kapitel die Quellen?

Für mich einfach nicht in Ordnung. Es geht auch noch weiter mit den fragwürdigen Tipps:

„Indexzusammensetzung: nie ohne Know-how! Weißt du, in was genau du investierst? Der »Weltindex« MSCI World etwa bündelt rund 1650 Unternehmen aus 23 Industrienationen. Die schnell wachsenden Schwellenländer sind fast gar nicht vertreten. Und je nach Marktphase sind einzelne Länder oder Branchen besonders stark gewichtet. Hier ein Beispiel: 1989 hatte Japan ein Indexgewicht von 45 Prozent, sieben japanische Banken zählten zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt - bis die Aktienblase platzte. Übrigens: Deutschland ist nur mit gut 3 Prozent im MSCI World enthalten. Das größte Gewicht hat der US-Markt. Wer auf den Index setzt, ist weit über 50 Prozent in US-Aktien investiert. Kurzum: Bevor du in einen Index investierst, solltest du die Zusammensetzung kennen!“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

An keiner Stelle wird erläutert, was die Konsequenzen davon sind. Wir erfahren auch nicht, wie wir die 50 Prozent US-Aktien zu interpretieren haben. Wenn man einen Punkt einfach nur schreibt, ohne ihn ansatzweise zu erläutern und das Fazit daraus einfach ist: „du solltest die Zusammensetzung kennen“, dann kann man ihn meiner Meinung nach auch ganz streichen.

Wirklich abstrus wird es aber weiter hinten:

„Vorsichtiger solltest du werden, wenn dein Sparplan schon eine ganze Weile läuft und du bereits eine ansehnliche Summe angespart hast. Denn je größer die angesparte Summe, desto gravierender wirkt sich ein Börsen-Crash für dich aus. Das heißt auch: Je länger dein Sparplan läuft, desto mehr verhält sich deine Fondsanlage wie eine Einmalanlage. Allerdings hast du ja schon über längere Zeit Erfahrung gesammelt und kennst dich daher besser aus. Dennoch kannst du bei lang laufenden Sparplänen überlegen, einen Teil der Summe in einem weniger dynamischen Fonds zu übertragen.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Aus welchem Grund sollte ich denn bitte wieder bei steigendem Vermögen, mehr in weniger dynamische Fonds übertragen? Zunächst einmal fehlt hier komplett der Hinweis, dass eine Übertragung Steuerpflicht, Transaktions- und Opportunitätskosten auslöst und dann fehlt die einzig passende Erläuterung dafür vollständig: Nämlich, dass ich ein gewisses Alter erreicht habe und nun aufgrund meines kürzeren Anlagezeitraums umschichte.

Die Umschichtung hat doch rein gar nichts mit der Höhe meines Vermögens zu tun. Das ist absoluter Nonsens und wird hier abermals auch nicht hergeleitet.

Aber wichtig ist dann etwas weiter wieder der Hinweis auf die Steuerberatung:

„Bei weiterführenden Steuerthemen konsultierst du am besten deine Steuerberaterin.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Wobei jeder, der sich mit der Thematik intensiver beschäftigt hat wissen sollte, dass insbesondere der Aktienmarkt steuerlich sehr einfach gestrickt ist, wenn man nicht in skurrile Sphären abdriftet. Quellsteuer, Kapitalertragssteuer, Vorabbesteuerung und Co. kurz zu erläutern sollte auf 300 Seiten eigentlich entspannt machbar sein. Vor allem, wenn man fast eine Seite des Buches allein dafür verwendet, auf Versicherungsmaklerinnen und Steuerberaterinnen zu verweisen und sich die unzählige Quellhinweise für die Investmenttipps spart.

Selbst an Stellen, wo es passen würde, wird nicht über die Vorabbesteuerung gesprochen oder die Steuerfreistellung bei Aktienfonds etc.:

„Die Besteuerung erfolgt nach dem sogenannten Zuflussprinzip. Das bedeutet: Sobald du Geld aus deinem Fonds erhältst, kommt es zur Besteuerung. Sprich bei einer Dividendenzahlung oder wenn du deinen Fondsanteil mit Gewinn verkaufst.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Den Autorinnen nach wird also nur besteuert, wenn ich Ausschüttungen erhalte oder verkaufe. Interessant, aber vollkommen falsch. Aber wusstet ihr, dass man bereits ab einem Depotvolumen von 50.000 EUR gerne etwas mehr Fonds dazunehmen kann?

„Wenn du mit einem größeren Betrag neben Basis- Investments auch spezielle Schwerpunkte auf bestimmte Regionen, Branchen oder Themen legen möchtest, dann könntest du dein Depot entsprechend ergänzen. In diesem Kapitel erklären wir dir sowohl das Basisdepot, das für viele Frauen sinnvoll sein könnte, als auch das Akzentedepot, mit dem du spezielle Schwerpunkte setzen könntest.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Müßig zu erwähnen, dass auch der Grund hierfür nicht erläutert wird. Aber etwas später kommt dann diese abstruse Begründung dafür:

„Letztlich solltest du dir Gedanken darüber machen, wie viel Zeit und Lust du hast, dich mit deinen Kapitalanlagen zu befassen.

Da du dieses Buch liest, gehen wir davon aus, dass du Interesse an Finanzen hast. Die Frage ist: Willst du nur zweimal im Jahr dein Depot betrachten und eventuell Umschichtungen veranlas-sen? Oder willst du das Börsengeschehen gerne öfter betrachten und dein Depot entsprechend umgestalten? Wenn du nur wenig Zeit in deine Kapitalanlagen stecken willst, könntest du mit einem breit gestreuten Basisdepot gut versorgt sein. Möchtest du dich hingegen intensiver mit dem Kapitalmarkt beschäftigen, könntest du auch mit einem kleineren Teil deines Depots ungewöhnliche Strategien ausprobieren und sozusagen eine kleine »Spezialitäten-Ecke« einbauen. Die solltest du dann aber laufend im Auge behalten, um eventuell schnell umschichten zu können.“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Und wenn man dann erst in der Oberliga spielt (ab 200.000 EUR), darf man sich beinahe hauptberuflich mit der Börse beschäftigen! Wie wunderbar:

„Wow, du spielst in der Oberliga! Gut, dass du dieses Buch zur Hand nimmst. Denn bei großen Beträgen lässt sich mit dem Vermögen ein gutes Zusatzeinkommen erzielen! Für dich könnte es eine geeignete Strategie sein, das Basisdepot einzurichten und zusätzlich ein paar Akzente zu setzen. So könntest du dein Vermögen richtig breit streuen. Zudem hättest du dadurch die Möglichkeit, tiefer in die Börsenwelt einzutauchen. Es ist nämlich so: Wenn du ein paar spezielle Fonds im Depot hast, lässt du das Ganze nicht einfach nur laufen, sondern beobachtest das Börsengeschehen viel intensiver!“ 

Anne Connelly, Anke Dembowski, Simin Heuser und Saskia Weck

Aber weshalb sollte ich das nochmal machen? Keine Begründung, erst recht keine wissenschaftliche. Genauso wenig in Bezug auf das Basisdepot, was interessanterweise 75:25 zwischen Industrie- und Schwellenländer aufgeteilt ist, obwohl man aus der Wissenschaft eher 70:30 kennt. Aber vielleicht bin ich unterm Strich auch einfach zu kritisch.

So bleibt es am Ende ein solides Buch, was im Ansatz etliche Sachen richtig macht, aber sobald es intensiver zugeht, keine Antworten mehr liefert, inhaltliche Schwächen zeigt und stärker wie ein Marketing-Funnel wirkt als ein Sachbuch.

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