Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
Für den Dow Jones war die vergangene Woche die schlechteste seit Oktober. Dies ist nicht unbedingt ein Beweis für eine sehr schwache Woche, sondern unterstreicht vielmehr die enorme Stärke, die der Markt in den letzten vier Monaten zeigte. Neben dem Dow erlitten auch die anderen beiden wichtigen Indizes (S&P 500 und Nasdaq 100) einen leichten Kursrückgang. Nach der nahezu ununterbrochenen Rally seit November, scheinen viele Anleger eine Korrektur herbeizusehnen, um eine erneute Chance für den Einstieg zu erhalten.
Arbeitsmarktdaten liefern widersprüchliche Signale
Die am Freitag Nachmittag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für den Monat Februar lieferten widersprüchliche Signale hinsichtlich der Frage, wann die US-Notenbank mit der Senkung der Zinssätze beginnen kann. Einerseits lag die Zahl der im vergangenen Monat neu geschaffenen Stellen mit 275.000 weit über den Erwartungen. Die Konsensschätzungen lagen bei 198.000. Die Daten deuten darauf hin, dass der Arbeitsmarkt nach wie vor robust ist und die Wirtschaft gut läuft.
Die Arbeitslosenquote hingegen stieg auf 3,9 %, und das Lohnwachstum fiel geringer aus als befürchtet, was darauf hoffen lässt, dass sich die Inflation genug abgekühlt hat, um die Fed zu beruhigen. Die Daten zum Beschäftigungswachstum im Januar wurden ebenfalls nach unten korrigiert.
Unterm Strich lassen sich die Daten wohl so interpretieren, dass die Erwartungen des Marktes gegenüber der Fed für 2-3 Zinsschritte im laufenden Jahr realistisch sind.
Hoffen auf Korrektur
Mit einem Rückgang von 365 Punkten beziehungsweise 0,9 Prozent, schloss der Dow Jones Index die zweite Woche in Folge mit einem kleinen Minus. Nach der starken Kursrally, die im November ausgehend von 32.500 Punkten startete, befindet sich der Dow im mittelfristigen Bild jedoch nach wie vor im überkauften Bereich. Der wöchentliche RSI (14) befindet sich bei über 70 Punkten. All diejenigen, die an der Rally bisher nicht partizipieren konnten oder bereits Gewinne mitgenommen haben, hoffen auf eine Korrektur und eine zweite Chance, um auf den Trend aufzuspringen.
Wie auf dem Wochenchart zu sehen ist, und wie es in einem Bullenmarkt nicht anders sein könnte, ist der Index im Falle einer Korrektur charttechnisch mehrfach unterstützt. Sollte der Markt nun tatsächlich den Korrekturmodus einschlagen, wäre ein ideales Einstiegslevel bei rund 37.000 Punkten, auf dem Kursniveau der alten Allzeithochs. Selbst bei einer ausgedehnteren Korrektur bis zur nächsten Unterstützung bei ca. 35.500 Punkten wäre der übergeordnete Aufwärtstrend noch in keinster Weise in Frage gestellt.

Dow Jones Index Wochenchart
Vermehrt Distributionstage
Wie auf dem Tageschart zu sehen ist, gab es in den letzten Wochen mehrere Distributionstage (Tage mit einer negativen Kursentwicklung bei höherem Volumen als am Vortag). Zu erkennen ist dies, wenn ein roter Volumenbalken größer ist als der Volumenbalken des Vortages. (Diese sind im folgenden Chart mit einem roten Pfeil markiert.) Sobald die Distributionstage gehäuft auftreten, ist dies oft ein Anzeichen für eine bevorstehende Korrektur.
Zu beachten ist jedoch, dass der Aktienmarkt in den letzten Wochen und Monaten ein extrem starkes Momentum aufgebaut hat. Anzeichen einer Korrektur sollten deshalb allenfalls genutzt werden, um diese abzuwarten oder um Gewinne mitzunehmen und sich anschließend bei neuen bullischen Signalen wieder in Richtung des übergeordneten Aufwärtstrends zu positionieren. Der Handel gegen den Trend wäre im aktuellen Marktumfeld eine sehr riskante Strategie.

Dow Jones Tageschart (rote Pfeile = Distributionstage)
Dow hinkt den anderen Indizes hinterher
Unter den vier großen und bekannten US-Indizes (S&P 500, Dow Jones, Nasdaq 100, Russell 2000) ist der Dow Jones derzeit der schwächste. Während der Nasdaq 100 seit Jahresbeginn rund 9 % zulegen konnte und der S&P 500 rund 8 % anstieg, markiert der Dow Jones mit knapp 3 % Jahresperformance das Schlusslicht, noch hinter dem Russell 2000.

Performance Chart US-Indizes (grün = Nasdaq 100, rot = S&P 500, rosa = Russell 2000, blau = Dow Jones)
Transportindex mit relativer Schwäche
Der Dow Jones Transportindex zeigt derzeit ebenfalls relative Schwäche und konnte im Vergleich zu den oben genannten Aktienindizes zuletzt keine neuen Hochs generieren. Gemäß Dow Theorie und Intermarket Analyse ist das ein Warnsignal, welches den Trend in Frage stellen könnte. Da sich alle anderen Aktienindizes jedoch in deutlichen Aufwärtstrends befinden und zudem fast alle Intermarket-Signale den Bullenmarkt bestätigen, sollte dem Warnsignal im Transportindex aktuell nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. In jedem Fall sollte der Transportindex aber weiterhin beobachtet werden. Sollte dieser deutliche Schwäche zeigen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Dow Jones Industrial Average unter Druck gerät.

Dow Jones Transportindex Wochenchart
Fazit: Bullenmodus bleibt aktiv
Der Dow Jones befindet sich nach wie vor in einem Aufwärtstrend mit sehr starkem Momentum. Der Index notiert schon seit einigen Wochen im überkauften Bereich und eine Korrektur wäre längst überfällig. Dass diese bisher nicht kam, zeigt, dass in einem starken Bullenmarkt die Indizes auch mehrere Wochen oder Monate im überkauften Bereich notieren und weiter ansteigen können. Bullische Trades in Einzelaktien oder in Index-Produkten bleiben deshalb eine der aktuell bevorzugten Strategien.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 11.03.2024

