Wenn eine Person an Hedgefonds denkt, fallen oft Schlagwörter wie “sehr hohes Risiko” oder “hohe Renditen”. Doch was genau sind Hedgefonds und wie funktionieren sie? In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen eine Definition, Unterschiede zu klassischen Investmentfonds, mögliche Strategien und die anfallenden Risiken.
Hedgefonds Definition
Bei Hedgefonds handelt es sich um aktiv gemanagte Fonds. Hier gibt es professionelle Fondsmanager, die die Zusammenstellung des Portfolios übernehmen und bewusst Positionen auswählen. Gleichzeitig unterliegen sie weniger Regelungen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, auch BaFin genannt.
Das Ziel eines Hedgefonds ist es, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Es ist nicht das Ziel, das Risiko möglichst breit zu streuen und damit eine hohe Diversifikation zu erreichen. Um das Ziel einer hohen Rendite zu erreichen, werden bewusst Risiken in Kauf genommen. Die angewandten Strategien können sich stark unterscheiden.
Hedgefonds gehören zu den alternativen Investmentfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden. Sie können in die unterschiedlichsten Anlageklassen investieren: Es können Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Edelmetalle und Währungen gekauft werden, aber auch Hebeleffekte und Leerverkäufe genutzt werden.
Mit Hedgefonds ist es auch möglich, in Derivate zu investieren. Daher sind Hedgefonds nicht in jedem Fall von steigenden Aktienkursen abhängig. Wenn auf fallende Kurse spekuliert wurde, kann es dennoch zu Renditen kommen.
Diese Art der Geldanlage zeichnet sich oftmals durch eine sehr hohe Mindestanlagesumme von mehreren Hunderttausenden aus. Daher wird ein hohes Einkommen benötigt, um in einen solchen Fonds investieren zu können.
Was ist ein Hedgefond? - Unterschiede zu Investmentfonds
Eine Gemeinsamkeit der beiden Arten liegt beispielsweise darin, dass beide von einem aktiven Manager zusammengesetzt werden. Dieser entscheidet über die Strategie, die angewendet werden soll. Es gibt einige Aspekte, in denen sich Hedgefonds und klassische Investmentfonds unterscheiden:
| Klassischer Investmentfonds | Hedgefonds |
| Wertpapierkäufe | Wertpapierkäufe, Derivate und Leerverkäufe möglich |
| Geldanlage unterliegt einer starken Regulierung | Deutlich weniger Regulierungen |
| Ziel ist es, die Rendite des Marktes zu schlagen | Ziel ist eine möglichst hohe Performance |
| Schutz von Anlegern gesetzlich gesichert | Geringer Schutz für Anleger |
| Kein Fremdkapital | Einsatz von Fremdkapital möglich |
| Performance abhängig von Entwicklung des Gesamtmarktes und den enthaltenen Positionen | Performance in erster Linie von der Strategie und Expertise des Managers abhängig |
Wie funktionieren Hedgefonds?
Es gibt einige unterschiedliche Strategien, die Fondsmanager eines Hedgefonds einsetzen können, um ihr Ziel einer möglichst hohen Rendite erreichen zu können:
- Global-Macro-Strategie: Ziel ist es, mithilfe von Trends eine hohe Rendite zu erzielen. Märkte werden auf der makroökonomischen Ebene (gesamtheitlich) beobachtet. Diese Analyse soll genutzt werden, um Chancen zu identifizieren, die systematisch ausgenutzt werden können. Die Trends können aus politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen resultieren.
- Long-Short-Strategie: Diese Strategie wird angewendet, indem der Fondsmanager auf die zukünftige Entwicklung von Unternehmenskursen spekuliert. Die Manager können darauf spekulieren, dass Aktien steigen (Long-Position) oder dass Aktien fallen werden (Short-Position). Hierbei handelt es sich um die am weitesten verbreitete Strategie.
- Arbitrage-Strategie/ Relative-Value-Strategie: Diese Strategie nutzt Unterschiede zwischen Kursen verschiedener Märkte zum gleichen Zeitpunkt aus. Beispielsweise werden Aktien an einem günstigen Marktplatz eingekauft und an einem anderen Marktplatz zu höheren Preisen verkauft.
- Event-Driven-Strategie: Wenn Fondsmanager sich an dieser Strategie orientieren, soll versucht werden, bevorstehende Ereignisse oder Events auszunutzen. Dazu gehören beispielsweise geplante Übernahmen oder Sanierungen von Unternehmen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.
Investieren in Hedgefonds - Welche Risiken gibt es?
Ein mit Hedgefonds verbundenes Risiko ist die Abhängigkeit des Fondsmanagers. Dieser ist maßgeblich für die Positionen und die eingesetzte Strategie verantwortlich. Demnach hängt der Fonds von seiner Erfahrung und seinen Kenntnissen ab.
Auch die geringe Regulierung ist ein Risiko, das Investoren in Kauf nehmen müssen. Der Anlegerschutz ist hier deutlich geringer als bei herkömmlichen Investmentfonds. Es kann zu einem Totalverlust kommen.
In Zeiten von Finanzkrisen bestehen Risiken für Hedgefonds, was in der Finanzkrise im Jahr 2008 sichtbar wurde. Einige Investoren mussten große Verluste einfahren, viele Fonds wurden geschlossen.
Auch der Hebeleffekt ist mit großen Risiken verbunden. Es kann Fremdkapital in Form von Krediten eingesetzt werden, um Hebeleffekte zu nutzen. Diese Vorgehensweise ist allerdings riskant: Wenn es zu einem negativen Hebeleffekt kommt, muss die eigentliche Kreditsumme inklusive Zinsen zurückgezahlt werden.
Zudem sind eingesetzte Leerverkäufe spekulativ. Anleger spekulieren darauf, dass bestimmte Kurse fallen. Diese Entwicklungen sind allerdings nicht vorhersehbar und es kann schnell zu nicht erwarteten Veränderungen kommen.
Hedge Fonds Deutschland
Der Zugang zu Hedgefonds ist für Privatanleger schwierig. Inzwischen gibt es in Deutschland nur noch wenige Arten von Hedgefonds, in die Anleger investieren können. Dazu gehören Single-Hedgefonds, die sich an professionelle oder semiprofessionelle Anleger richten.
Darüber hinaus gibt es sogenannte Dach-Hedgefonds. Sie beinhalten eine größere Menge an unterschiedlichen Hedgefonds. Diese Hedgefonds unterliegen bestimmten Regelungen, beispielsweise, dass eine Investition in einen bestimmten Hedgefonds einen festen prozentualen Wert nicht übersteigen darf. Auf diese Weise kann die Diversifikation etwas erhöht werden. Für Leerverkäufe und Hebeleffekte muss ein gesetzlich vorgegebener Rahmen berücksichtigt werden.
Fazit: Hedgefonds einfache Erklärung
Hedgefonds unterliegen einem aktiven Fondsmanagement. Der Fondsmanager wählt Positionen und eine passende Strategie aus, um das allgemeine Ziel einer möglichst hohen Rendite zu erreichen. Die Fonds können in ganz unterschiedliche Anlageklassen investieren, darunter auch Derivate. Auch Hebeleffekte und Leerverkäufe können eingesetzt werden.
Klassische Investmentfonds und Hedgefonds unterscheiden sich beispielsweise in einer unterschiedlich starken Regulierung. Zudem ist es das Ziel von klassischen Investmentfonds, die Marktrendite zu schlagen, während Hedgefonds eine möglichst hohe Performance erzielen wollen.
Fondsmanager können unterschiedliche Strategien anwenden. Dazu gehören die Global-Macro-Strategie, Long-Short-Strategie, Arbitrage-Strategie und die Event-Driven-Strategie.
Grundsätzlich sind Hedgefonds risikoreich. Mögliche Risiken beziehen sich auf den Fondsmanager, die geringe Regulierung, Finanzkrisen, Hebeleffekte, Fremdkapital und Leerverkäufe. In Deutschland gibt es Single-Hedgefonds und Dach-Hedgefonds.