Wein gilt nicht nur als Genussmittel, sondern zunehmend auch als interessante Geldanlage. In Zeiten volatiler Märkte und vieler Unsicherheiten suchen Anleger nach alternativen Wegen, um ihr Kapital zu schützen und langfristig zu vermehren. Hochwertige Weine bieten dabei eine vielversprechende Möglichkeit, das eigene Portfolio zu diversifizieren und gleichzeitig von einem wachsenden Markt zu profitieren. Doch was macht Wein zu einer attraktiven Investition, und worauf sollten angehende Investoren achten? In diesem Beitrag beleuchtet Alexander Eichhorn, warum Wein als Geldanlage immer beliebter wird, welche Weine sich besonders gut eignen und welche Strategien beim Aufbau eines Weinportfolios erfolgversprechend sind.
Alternative Anlageformen im Vergleich
Indizes wie der Object of Desire Index der Coutts Private Bank und der Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII) zeigen die Wertentwicklung der bedeutendsten alternativen Anlageklassen und ermöglichen so einen Vergleich mit Aktien- oder Rohstoffindizes. Dabei wird deutlich, dass Whisky-Investments in den letzten zehn Jahren, vor allem durch die hohe Nachfrage aus Asien, besonders stark performt haben.

Wein- vs. Whisky-Investments
Die Performance von Investment-Whiskys war in den letzten Jahren zwar deutlich höher als bei Wein, doch Wein bietet als Investment einige Vorteile:
- Diversifikation
Whiskys sind oft extrem teuer, und wertvolle Flaschen können bereits im fünfstelligen Bereich liegen. Dadurch ist eine breite Streuung in verschiedene Whiskys in vielen Portfolios kaum möglich.
- Hohe Fälschungsrate
Mit den steigenden Whisky-Preisen hat auch die Zahl der Fälschungen zugenommen. Investoren sollten daher nur bei renommierten Auktionshäusern kaufen.
- Marktübertreibungen
Die Preise für Whiskys sind in den letzten Jahren rapide gestiegen, ähnlich wie bei Kryptowährungen. Ob diese Preisanstiege nachhaltig sind oder nur einem Hype folgen, bleibt fraglich. Trotz der hohen Renditen bei Whisky in den letzten Jahren bietet Wein ebenfalls attraktive Investmentchancen und kann eine vergleichbare Performance erzielen.

Wein als Low-Volatility-Investment
Wein gilt als Geldanlage zudem als stabiler Wertspeicher, besonders in Zeiten von Wirtschaftskrisen, da er eine geringe Korrelation zu den Aktienmärkten aufweist. Ein Vergleich der Rendite-Risiko-Profile des Wine Index mit gängigen Aktienindizes zeigt die Stärken von Weininvestitionen auf.

Investoren sollten Wein als Kapitalanlage nicht als Konkurrenz zum Aktienmarkt betrachten. Weininvestments zeichnen sich durch geringere Volatilität und einen hohen Sicherheitsfaktor aus. Wie andere begrenzt verfügbare Sachwerte besitzt Wein einen intrinsischen Wert, der verhindert, dass sein Wert – anders als bei Aktien – auf null sinkt. Auch wenn die erwartete Wertsteigerung ausbleibt, bleibt ein Restwert erhalten. Weininvestitionen zählen oft zu den sogenannten „Passion Investments“, die nicht nur materiellen, sondern auch emotionalen Wert in Form von Genuss und Freude bieten.
Ähnlich wie Kunstwerke, Antiquitäten oder Oldtimer eignen sich wertvolle Weine hervorragend als Statussymbole und passen perfekt zu einem luxuriösen Lebensstil. Doch Weine haben einen entscheidenden Vorteil: Sie werden konsumiert. Wenn wertvolle Flaschen geöffnet werden, steigt der Wert der verbliebenen, da sie durch ihre zunehmende Seltenheit und Reife immer begehrter werden. Eine Wertsteigerung ist daher fast unvermeidlich. Manche Menschen lagern zur Geburt ihres Kindes Wein ein, um diesen später zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten zu genießen – vorausgesetzt, der Wein ist von hoher Qualität und langlebig.
Mit der wachsenden Zahl an Superreichen, insbesondere in Asien, und deren Vorliebe für luxuriöse Lebensstile, dürfte die Nachfrage nach wertvollen Weinen auch in Zukunft stabil bleiben, was für weiter steigende Preise spricht.
In Wein investieren – Die Renditen
Wein als Kapitalanlage eignet sich neben dem Kapital- und Inflationsschutz ebenfalls als lukrative Wertanlage. Die Rendite des größten Wein Index, war in den letzten Jahren vergleichbar mit der Performance der großen Aktienindizes. Der große Vorteil beim Investieren in Wein ist die Krisensicherheit, so gab es während der Finanzkrise 2008/09 nur einen Drawdown von ca. 10 % und in der Coronakrise 2020 kam es zu einer Korrektur von um die 4 % im Weinindex. Die großen Aktienindizes fielen in diesen Crashs teilweise um ein Vielfaches.

Wenn Investoren die Performance einzelner Weinregionen betrachten, stellen sie fest, dass alle bedeutenden Weinregionen an Wert gewonnen haben. In den letzten Jahren haben sich jedoch besonders die Weine aus dem Burgund und die Champagner hervorgetan.
Wertvolle Weine erkennen – Ab wann wird ein Wein wertvoll?
Nur etwa 200 Weingüter weltweit erfüllen die Kriterien für „Investment-Grade Wines“ (IGWs). Die Merkmale, die einen Wein als wertvoll kennzeichnen, sind:
- Herkunft aus renommierten Weingütern: Weine von bekannten und angesehenen Weingütern sind oft die besten Kandidaten für eine Kapitalanlage.
- Langlebigkeit: Ein Wein sollte mindestens 10 Jahre alt werden, um als wertvoll zu gelten.
- Wertsteigerung: Der Wein sollte über einen Zeitraum von 10 Jahren oder länger an Wert gewinnen.
- Handelbarkeit: Der Wein muss als Vermögenswert handelbar sein.
- Positive Kritiken: Anerkennung durch namhafte Weinkritiker ist ein wichtiger Indikator für Wert und Qualität.
- Qualitätssicherung: Das Weingut sollte eigene Standards zur Qualitätssicherung etablieren.
Innerhalb etablierter Weinbaugebiete zeichnen sich Produzenten aus, die neben den grundlegenden Qualitätskriterien auch durch selbstauferlegte Einschränkungen, wie Ertragsbegrenzungen, höchste Standards einhalten. Weniger dicht bepflanzte Rebflächen und alte Reben mit tiefen Wurzeln produzieren zwar weniger, aber qualitativ hochwertigere Weine. Spitzenweingüter verzichten gegebenenfalls auf die Produktion, wenn der Jahrgang nicht den gewünschten Standard erreicht, was das Investieren erleichtert, da die Produktion nicht einfach durch Anbauflächenvergrößerung erhöht werden kann.

Je älter, desto besser?
Ältere Jahrgänge bieten in der Regel mehr Sicherheit als neue, da ihre Qualität und Entwicklung bereits bewertet wurden. Allerdings steigen die Preise für ältere Jahrgänge langsamer und erreichen oft ein Plateau, wenn das Trinkreifefenster sich schließt. Investoren sollten daher das Trinkreifefenster im Blick behalten, um das Beste aus ihrer Investition herauszuholen.
Die Investitionstauglichkeit eines Weins hängt von seiner Haltbarkeit ab. Weine mit einer langen Lebensdauer sind wertvoller. Wenn ein Wein in 15 bis 20 Jahren nicht mehr genussvoll trinkbar ist, eignet er sich nicht als Kapitalanlage. Besonders wertvolle Weine aus Bordeaux und Burgund erreichen ihre Trinkreife in der Regel nach 15 bis 20 Jahren. Spitzen-Dessertweine und Champagner können über 50 bis 60 Jahre gelagert werden, während „Fortified Wines“ wie Madeira, Port, Sherry oder Malaga oft über 200 Jahre trinkbar bleiben.
Weinkritiker als Maßstab
Trotz ihrer Kontroversen sind Bewertungen von renommierten Weinkritikern ein wichtiger Indikator für Wein-Investitionen. Weine mit hohen Bewertungen, etwa von Robert Parker, sind in der Regel gute Investitionsobjekte. Eine Punktzahl von 95 oder mehr von Parker kann die Rendite einer Weininvestition um bis zu 5,5 % steigern. Beispielsweise wird der 2005er Château Latour, der 2008 von Parker 100 Punkte erhielt, für etwa 1.500 Euro gehandelt, während der 1998er mit 90 Punkten nur etwa 500 Euro wert ist.
Weitere bedeutende Weinkritiker wie James Suckling, Jancis Robinson und insbesondere Michael Broadbent, dessen Bewertungen für alte und seltene Weine besonders wertvoll sind, sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Investoren sollten daher die Bewertungen der wichtigsten Weinkritiker sorgfältig prüfen, um die besten Chancen auf eine profitable Wein-Investition zu haben.
In welchen Wein investieren?
Aus diesem recht umfassenden Katalog qualitativer und quantitativer Kriterien lässt sich ableiten, dass die wenigsten Weine als Investment geeignet sind: Weniger als 1 % der weltweiten Produktion. Der mit Abstand größte Anteil der ca. 200 Anlageweine entfällt dabei auf die Regionen Bordeaux und Burgund, aber auch die Moselweine von Egon Müller ab dem Prädikat Auslese gehören dazu.

Nachfolgend die Preisentwicklung zweier bekannten Investments:
Dom Perigon (Champagner; alle Jahrgänge):

Domaine de la Romanee-Conti “La Tache” (Burgunder; alle Jahrgänge):

Weitere bekannte Investments sind:
Bordeaux-Region:
- Château Lafite Rothschild (Pauillac)
- Château Margaux (Margaux)
- Château Latour (Pauillac)
- Château Haut-Brion (Pessac-Leognan)
- Château Mouton-Rothschild (Pauillac)
Burgunder-Region:
- Bonneau du Martray
- Domaine Armand Rousseau
- Domaine Coche-Dury
- Domaine Comte de Vogue
- Domaine de la Romanee-Conti
- Domaine des Comtes Lafon
- Domaine des Lambrays
- Domaine du Comte Liger-Belair
- Domaine Dujac
- Domaine Emmanuel Rouget
- Domaine Fourrier
- Domaine Georges Roumier
- Domaine Henri Jayer
- Domaine Jacques-Frederic Mugnier
- Domaine Leflaive
- Domaine Leroy
- Domaine Meo-Camuzet
- Domaine Rene Engel
- Maison Joseph Drouhin
- Mommessin
- Ponsot
Champagner-Region:
- Bollinger
- Dom Perignon
- Krug
- Louis Roederer
- Philipponnat
- Pol Roger
- Ruinart
- Salon
- Taittinger
Italien:
- Brunello
- Piedmont
- Super Tuscan
USA:
- Opus One
- Screaming Eagle
- Scarecrow
Das Weingut von Egon Müller zählt als einziges Investmentweingut in Deutschland.
Vor- und Nachteile von Wein als Kapitalanlage
Vorteile von Weininvestments:
- Potenziell hohe Rendite: Seltene und hochwertige Weine können im Laufe der Zeit erheblich an Wert gewinnen.
- Langfristige Anlage: Wein lässt sich über einen langen Zeitraum lagern und behält dabei seinen Wert oder verzeichnet sogar Wertsteigerungen.
- Kombination von Finanzen und Leidenschaft: Weininvestments bieten die Möglichkeit, in ein Produkt zu investieren, das man sowohl genießen als auch sammeln kann.
- Portfoliodiversifikation: Weininvestments können zur R
- isikominimierung beitragen, indem sie das Portfolio diversifizieren.
- Krisensicher: Anlageweine zeigen sich in Krisenzeiten besonders stabil und bieten zusätzliche Sicherheit.
- Steuerfreiheit: Gewinne können für Privatanleger nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei realisiert werden.
Nachteile von Weininvestments:
- Hohe Kosten: Der Erwerb seltener und hochwertiger Weine ist oft mit hohen Kosten verbunden, zusätzlich entstehen Ausgaben für Lagerung und Versicherung.
- Notwendiges Fachwissen: Ein fundiertes Verständnis des Weinmarkts, der verschiedenen Weine und optimaler Lagerbedingungen ist unerlässlich.
- Keine regelmäßige Einkommensquelle: Weininvestments bieten keine regelmäßigen Erträge, sondern sind auf langfristige Wertsteigerungen ausgelegt.
- Unregulierter Markt: Da es keine festen Regeln oder Standards für den Handel mit Wein als Investment gibt, besteht ein höheres Risiko.
Unsere Weininvestmentstrategie
CapTrader und Eichhorn Coaching sind offizieller Partner der Londoner Weinbörse. Diese Partnerschaft bietet viele Vorteile für Investoren:
- Lagerung im Zollfreilager (Umsatzsteuer- & Zollfrei)
- Tatsächliches Eigentum, keine Fondsmasse oder ähnliches
- Versicherung bei Brand & Diebstahl
- Tagesaktueller Einblick ins Portfolio
Fachkundige Beratung und Abwicklung durch unseren exklusiven Partner sorgen dafür, dass ein Weininvestment zum vollen Erfolg wird.
Steuervorteil bei Wein als Wertanlage
Für manche ist Wein eine Kapitalanlage, doch für den Fiskus bleibt er ein Konsumgut. Da wertvolle Weine von den Steuerbehörden bislang kaum beachtet werden, könnten sie bei zukünftigen Vermögensabgaben möglicherweise unberücksichtigt bleiben. Während Gemälde und Oldtimer schwer zu verstecken sind, bleibt Wein als Konsumgut eine Anlageklasse, die relativ unauffällig bleibt.
Ein weiterer Vorteil aus steuerlicher Sicht: Gewinne aus Weininvestitionen sind in Deutschland bisher vollständig steuerfrei. Solange die Spekulationsfrist von einem Jahr eingehalten wird, fallen weder Kapitalertragsteuer noch Einkommensteuer an. Wichtig ist jedoch, dass der Handel mit Wein nicht so regelmäßig betrieben wird, dass die Finanzbehörden einen gewerbsmäßigen Handel unterstellen könnten.
Wer in Wein investieren und später Gewinne realisieren möchte, sollte am besten die gesamte Sammlung „en bloc“ oder innerhalb eines kurzen Zeitraums verkaufen, um nicht als gewerblicher Händler eingestuft zu werden.
Fazit zum Investieren in Wein
Das Investieren in hochwertige Weine erweist sich als äußerst rentabel und bietet zugleich Schutz für das Vermögen. Die Weine aus den bedeutendsten Jahrgängen der renommiertesten Weingüter haben sich über Jahrzehnte als lukrativer und sicherer Sachwert etabliert. Wer in Wein investiert, sollte besonders auf gründliche Recherche und den Kauf bei vertrauenswürdigen Quellen achten. Wenn man den großen Weinkritikern vertraut, auf fachgerechte Lagerung achtet und sich auf herausragende Jahrgänge konzentriert, kann man von einem renditestarken Sachwert profitieren, der das Vermögen schützt.
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