Kamala Harris oder Donald Trump? Die US-Präsidentschaftswahl 2024 gilt als eines der Highlights im laufenden Jahr und wirft seit Monaten ihre Schatten voraus. Die Wahlen finden nicht nur in den USA, sondern weltweit große Beachtung und dürften somit als wichtige Weichenstellung für die Weltkonjunktur und damit als entscheidender Impulsgeber für die globalen Finanzmärkte fungieren. Erhalten Sie im Folgenden sämtliche Hintergründe zur US-Wahl und welchen Einfluss diese auf das aktuelle Marktgeschehen haben könnte.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die US-Präsidentschaftswahl 2024 findet am 04.11.2024 statt – Kamala Harris (Demokraten) und Donald Trump (Republikaner) treten gegeneinander an
- Während Kamala Harris verstärkt für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz steht, verfolgt Donald Trump eine „America First“-Strategie, was unter anderem einen Handelskrieg mit China und Europa zur Folge haben könnte
- Die Volatilität könnte im Vorfeld und nach den Wahlen erhöht bleiben
- Auswirkungen insbesondere auf Aktienmärkte, Rohstoffe und Krypto Assets sind denkbar
Grundlegendes zur Wahl
Die Wahlen zum zukünftigen und 60.ten US-amerikanischen Präsidenten finden am 05. November 2024 statt. Nach Rückzug des aktuellen Präsidenten Joe Biden tritt die aktuelle Vizepräsidentin Kamala Harris (60 Jahre) aus dem Lager der Demokraten gegen den ehemaligen Präsidenten und Republikaner Donald Trump (78 Jahre) an.
Wissenswertes: Tim Walz gilt als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, sollte Kamala Harris das Rennen für sich entscheiden.
James David „JD“ Vance dürfte im Falle eines Wahlsieges Donald Trumps zum Vizepräsidenten aufrücken.

Wahlumfrage: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kamala Harris und Donald Trump
Zwischen Kamala Harris und Donald Trump zeichnet sich ein klassisches Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Wenn es nach dem Branchenportal Predictlt geht, liegt Trump mit 56 Pence derzeit vor Harris (48 Pence). (Stand: 20.10.2024)
Seit Mitte Juli und damit mit Ankündigung des Rücktritts durch den aktuellen US-Präsidenten Joe Biden sind beide Kandidaten allerdings mehr oder weniger gleich auf.

Quelle: https://www.predictit.org/markets/detail/7456/Who-will-win-the-2024-US-presidential-election, (Stand: 20.10.2024)
Bitcoin – Das „Trump-Barometer“
Als ein mögliches „Trump-Barometer“ kann nicht zuletzt auch die Entwicklung des Bitcoin Kurses angesehen werden. Da Trump als kryptofreundlicher US-Präsident angesehen wird, könnte ein Wahlsiegs des 78-jährigen der Krypto-Branche zugutekommen, woraufhin Anleger eine Wiederwahl antizipieren und sich somit mit Bitcoin eindecken könnten. Allein im Oktober hat das federführende Krypto-Asset um rund neun Prozent an Wert zulegen können.
Anleger sollten die Entwicklung des Bitcoin Kurses in Bezug auf die US-Wahl allerdings nicht auf die Goldwaage legen und damit nicht überbewerten. Nicht zu vernachlässigen sind Einflussfaktoren wie etwa die Aussicht auf weitere Zinssenkungen in den USA.
Bitcoin Chart
VIX: Der „Angstindex“
Der „VIX-Index“ wird in Anlegerkreisen auch als sogenannter Angstindex des Aktienmarktes angesehen. Unsicherheiten respektive Unruhen spiegeln sich folgerichtig in einem Anstieg des „VIX“ wider und vice versa.
In der Vergangenheit konnte in Wahljahren im Oktober ein Anstieg verzeichnet werden. Unterschieden wird dabei zwischen der historischen und der impliziten oder auch erwarteten Volatilität. Während Erstgenannter Werte aus der Vergangenheit nutzt und so die Volatilität misst, wird bei dem impliziten Pendant auf Basis von Optionen auf einen Index die erwartete Schwankung gemessen. In den Wahljahren 2012, 2016 und 2020 lässt sich beispielhaft aus dem VIX herauslesen, dass in dem Folgemonat und damit nach Regulierungsbildung die Volatilität wieder deutlich abgenommen hat.
VIX Chart


Politische Positionen Kamala Harris‘ in Wirtschaft und Handel
Kamala Harris steht insbesondere für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Aus wirtschaftlicher Sicht will sie die Mittelschicht durch Steuererleichterungen stärken, insbesondere junge Familien und Kleinunternehmen. Die scharfe Einwanderungspolitik Trumps will sie indes nicht verfolgen, sondern gerechte Lösungen verfolgen.
So plant die 58-jährige die Mittelschicht und untere Einkommensklassen zu entlasten. Finanziert werden soll das Vorhaben durch die Anhebung der Körperschaftssteuer auf 28 Prozent, welche durch Donald Trump zuletzt auf 21 Prozent gesenkt wurde.
Wissenswertes: Wiederum will Trump bei einem Sieg den Satz auf 20 Prozent senken. In Deutschland liegt die Steuerbelastung von Unternehmen bei rund 30 Prozent.
Die Klima-Investitionen könnten zudem als Chance für neue Arbeitsplätze angesehen werden. Bereits als Vizepräsidentin machte sich Harris für die Bereitstellung eines 20 Milliarden Dollar schweren Funds stark, welche benachteiligten Gemeinden unterstützen soll, die die Auswirkungen des Klimawandels spüren.
Zudem würden sich die USA zur Verdopplung der Energieeffizienz sowie Verdreifachung der Fassungsvermögen für erneuerbare Energien bis 2030 verpflichten, wie Harris auf dem Weltklimagipfel in Dubai ankündigte.
Außenpolitisch will sie internationale Allianzen wie etwa die NATO stärken. Allerdings soll der Einfluss Chinas eingedämmt werden.
Politische Positionen Donald Trumps in Wirtschaft und Handel
Donald Trump steht für eine „America First“-Strategie, welche folgerichtig insbesondere US-amerikanische Interessen verfolgt. Neben der Einführung protektionistischer Maßnahmen wie Zöllen oder Handelsbeschränkungen setzt Trump auf eine strenge Einwanderungspolitik sowie Steuererleichterungen für Unternehmen und Wohlhabende.
Im Gegensetz zu Harris steht Trump in Bezug auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandelns skeptisch gegenüber.
Im Wahlkampf hat Trump „die größten Steuergeschenke in der Geschichte der USA“ angekündigt, welche einen neuen Wirtschaftsboom initiieren sollen. Wie schon im Jahr 2017 will er an den verabschiedeten „Tax Cuts and Job Act“ anknüpfen und die Einkommenssteuer nebst Unternehmensbesteuerung von 21 auf 15 Prozent reduzieren.
Um die Steuersenkungen stemmen zu können, sollen bestehende Zölle erhöht bzw. neue Zölle auferlegt werden. Zur Rückgewinnung von Jobs in die USA, will Trump getreu dem Motto „America First“ agieren.
Die Importe von Grundgütern aus China soll mittelfristig eingestampft werden. In Überlegung ist zudem die Veranschlagung pauschaler Zölle von 60 Prozent auf chinesische Importe. Chinesische Investoren sollen zudem keine US-Unternehmen mehr kaufen dürfen. US-amerikanische Firmen sollen indes nicht mehr in China investieren dürfen.
Mögliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte, Rohstoffe und Krypto im Falle eines Wahlsiegs Kamala Harris‘
Aktienmärkte
Sollte Kamala Harris die zukünftige Präsidentin der Vereinigten Staaten werden, könnte dies eine Fortsetzung einer expansiveren Fiskalpolitik bedeuten, was gleichzeitig höhere Staatsausgaben und Steuern zufolge haben könnte.
Insbesondere die Sektoren wie Umwelt und Gesundheit sollten Anleger im Auge behalten, da Harris unter anderem den Klimaschutz forcieren dürfte.
Im Gegensatz zu Trump könnte Harris in erster Linie auf Vertrauenswürdigkeit und politische Stabilität setzen, was den Aktienmärkten tendenziell zugutekommen sollte.
S&P 500 Chart


Rohstoffe
Da Kamala Harris für Klimaschutz steht, könnte ein Wahlsieg Einfluss auf die Rohstoffmärkte ausüben. Profitieren könnten folgerichtig erneuerbare Energien und somit die Nachfrage nach Rohstoffen wie etwa Kupfer oder Lithium anziehen, welche bei grünen Technologien zum Einsatz kommen.
Zudem könnte Harris die Ausgaben für die Infrastruktur deutlich erhöhen, was eine verstärkte Nachfrage nach Industriemetallen wie etwa Aluminium, Kupfer und Stahl vermuten lässt.
Bitcoin
Auch die Krypto-Branche könnte durch Harris profitieren. In der Vergangenheit zeigte sie sich offen gegenüber Bitcoin und Co und damit weniger streng als die Biden-Regierung. Ein regulatorischer Rahmen soll laut ihr Innovationen fördern aber auch den Verbraucherschutz sicherstellen. Wichtig seien ihrer Meinung nach ein transparentes Regelwerk, um ein sicheres Umfeld zu schaffen.
Mögliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte, Rohstoffe und Krypto im Falle eines Wahlsiegs Donald Trumps
Aktienmärkte
Eine Trump-Regierung dürfte die Unternehmenssteuern senken und Regularien lockern, welche die Hoffnung auf steigende Unternehmensgewinne befeuern dürfte. Möglicherweise könnte Trump, welcher für niedrige Zinsen steht, zudem Druck auf die Federal Reserve (Fed) ausüben, um eine expansive Geldpolitik voranzutreiben. Die Aussicht auf sinkende Kapitalmarktzinsen dürfte die Attraktivität gegenüber beispielsweise zinstragenden Anlagen wie etwa US-Staatsanleihen erhöhen.
Nicht zu vernachlässigen ist die geplante Handels- und Außenpolitik Trumps. Sollte es zu Spannungen zwischen China und der Eurozone kommen, könnte dies zulasten der Aktienmärkte gehen.
Nicht zu verkennen bleiben allerdings auch Risiken, welche eine mögliche Trump-Regierung mit sich bringen würde. Eine protektionistische Politik seitens Donald Trumps durch die Einführung von Zöllen oder der Beschränkung von Zuwanderung könnte zulasten des Wirtschaftswachstums gehen und gleichzeitig die Teuerung befeuern. Die geplanten Steuersenkungen dürften das Haushaltsloch zudem größer werden lassen.
Rohstoffe
Da Trump auf fossile Brennstoffe wie etwa Rohöl setzen will, könnte dies der gesamten Ölindustrie zugutekommen. Sollte eine expansive Energiepolitik verfolgt werden, könnte dies einen Anstieg des Ölpreises zufolge haben. Die USA galten im Jahr 2023 der größte Rohölproduzent weltweit, hinter Russland und Saudi-Arabien. Ein Überangebot an Rohöl durch weniger Regulierung könnte allerdings auch zulasten des Ölpreises gehen und damit auch die Gewinne der Energieunternehmen schmälern.
Da der 78-jährige Zölle etwa auf Importe einführen möchte, dürfte dies ebenfalls einen Einfluss auf die Rohstoffpreise ausüben.
Zudem notieren zahlreiche Rohstoffe in US-Dollar, sodass Anleger zudem den Einfluss Trumps auf den Greenback nicht verkennen sollten.
Auch das Edelmetall Gold könnte im Falle eines Wahlsieges durch Trump profitieren. In Zeiten politischer Unsicherheiten dürften Anleger tendenziell beim gelben Edelmetall weiter zugreifen.
Bitcoin
Donald Trump hat unter anderem auf einer Krypto-Konferenz in Nashville (Tennessee) versprochen, die Vereinigten Staaten zur führenden Nation für Krypto Assets machen zu wollen. Gleichzeitig wolle er den Vorsitzenden der Securities and Exchange Commission (SEC), Gary Gensler, entlassen. Gensler gilt in Bezug auf Bitcoin und Co als äußerst restriktiv eingestellt. Zudem soll Bitcoin als strategische nationale Reserve genutzt werden.
Verwendet werden soll auch überschüssige Energie aus Kraftwerken für das sogenannte Bitcoin-Mining.
Trump bezeichnete im Jahr 2019 Bitcoin allerdings noch als „Betrug“. Der Wandel seiner Haltung im Jahr 2024 könnten als politischer Schachzug verstanden werden, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen. Ob die im Vorfeld getätigten Versprechen am Ende des Tages tatsächlich eingelöst werden, bleibt abzuwarten.
Zusammenfassung: Die US-Wahl als wichtige Weichenstellung für die globalen Finanzmärkte
Die Wahl zum zukünftigen US-Präsidenten hat das Potenzial über Wohl und Wehe nicht nur bis zum Jahresende, sondern auch weit darüber hinaus der Finanzmärkte zu entscheiden. Anleger sollten sich nicht nur vor dem Event, sondern auch weitere Tage und Wochen nach dem 5. November auf eine erhöhte Volatilität einstellen.
Während Kamala Harris aus dem Lager der Demokraten verstärkt Themen wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit angehen würde, dürfte der Republikaner Donald Trump eine protektionistische „America-First-Strategie“ verfolgen.
In diesem Zusammenhang sind die unterschiedlichsten Auswirkungen auf Aktienmärkte, Einzeltitel, Rohstoffe als auch Kryptowerte denkbar.
Im Vergleich zur US-Wahl 2016 sollten sich Anleger zudem vor Augen halten, dass eine Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten in dieser Periode keine größere Überraschung darstellen würde. Diverse Wahlumfragen signalisieren seit Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

