Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat neue Zahlen und Fakten über die Aktien- und Wertpapieranlage herausgebracht. Im Folgenden erhalten Sie zunächst etwa Einblicke über die wichtigsten wirtschaftlichen Einflussfaktoren im Börsenjahr 2024.
Anschließend wird etwa den Fragen nachgegangen, von welchem Faktor der Aktienbesitz im Jahr 2024 besonders abhängig war und wie sich die Aktionärszahlen im Osten und Westen entwickelt haben.
Das wichtigste in Kürze
- Zinswende der großen Notenbanken Fed und EZB, geopolitische Konflikte und US-Präsidentschaftswahl fungierten als zentrale Einflussfaktoren im Börsenjahr 2024
- Aktienbesitz stark abhängig von Einkommen – Jüngere Anleger setzen verstärkt auf ETFs
- Regionale Unterschiede zwischen Osten und Westen – Bundesland Bayern mit höchster Aktionärsdichte
Mögliche Einflussfaktoren auf die Aktienmärkte im Jahr 2024
- Zinswende durch die großen Notenbanken Fed und EZB als womöglich bedeutender Einflussfaktor auf die Aktienmärkte
Geprägt war das Börsenjahr 2024 insbesondere durch die Zinswende der großen Notenbanken Federal Reserve (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB). Während die Fed im vergangenen September den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt hatte, drehte sie im November und Dezember jeweils um einen Viertelprozentpunkt an den Zinsschrauben. Aktuell notiert das Zinsband bei 4,25 bis 4,50 Prozent.
Überraschenderweise hat die EZB vor der Fed die langersehnte Zinswende eingeläutet. Die europäischen Kollegen hatten bereits im Juni 2024 und damit bis Februar 2025 insgesamt fünf Mal die Leitzinsen gesenkt. Der Einlagenzins liegt gemäß geldpolitischem Beschluss der EZB vom 6. März 2025 bei 2,50 Prozent und der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken frisches Geld besorgen können, bei 2,65 Prozent.
- Geopolitische Unsicherheiten beschäftigten Anleger ebenfalls stark
Doch auch geopolitische Unwägbarkeiten, wie etwa der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland sowie im Nahen Osten sorgten vor allem im abgelaufenen Börsenjahr 2024 immer wieder für Unbehagen.
Auch wenn die Beine geopolitischer Börsen tendenziell kurz ausfielen, schwebte die Unsicherheit über eine Eskalation immer wieder wie ein klassisches Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger.
Auch im Jahr 2025 dürften besagte Unsicherheitsfaktoren Anleger zunächst weiter umtreiben. Seit dem Amtsantritt Donald Trumps bemühen sich die USA allerdings verstärkt um Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland.
- US-Präsidentschaftswahlen 2024 als eines der Höhepunkte im Jahr 2024
Im letzten Quartal des Jahres waren es vor allem die US-Wahlen, welche ihre Schatten vorauswarfen. Nach Feststehen der Ergebnisse überwog in erster Linie die Erleichterung über das Ausbleiben einer politischen Hängepartie bzw. die rasche Bildung einer neuen Regierung.
Trump hat seit seinem Einzug in das Weiße Haus allerdings für starke Bewegungen an den Märkten gesorgt. Insbesondere die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und wichtigen Volkswirtschaften dürften Anleger in den kommenden Monaten weiter begleiten. Nicht zuletzt könnten mögliche Gegenreaktionen der betroffenen Nationen für eine Eskalation des Handelskonflikts sorgen.
12,1 Millionen Bürger hatten 2024 Aktien, Aktienfonds oder ETFs im Depot
Insgesamt hatten 12,1 Millionen Bürger im Jahr 2024 dem Deutschen Aktieninstitut zufolge entweder Aktien, Aktienfonds oder ETFs in ihren Depots. Dabei nutzten 30 Prozent sogenannte Sparpläne für ihre Anlage. Jeder Dritte legte dabei in sogenannte ETFs (Exchange-traded funds), also börsengehandelte Fonds, an. 10,5 Millionen Anleger sparten mit Fonds oder ETFs und 4,2 Millionen der insgesamt 12,1 Millionen Aktionäre besaßen Einzelaktien.
Zur Einordnung: Dem Statistischen Bundesamt (Destatis) nach lebten zum Jahresende 2024 rund 83,6 Millionen Menschen in Deutschland.
Wovon war der Aktienbesitz im Jahr 2024 stark abhängig?
Dem Deutschen Aktieninstitut zufolge besaßen lediglich 10 Prozent der Aktienanleger bis unter 2.000 Euro Nettoeinkommen Wertpapiere, Aktienfonds oder ETFs. Bei einem Nettoeinkommen von 2.000 bis unter 3.000 Euro lag der Anteil bei 23 Prozent, von 3.000 bis unter 4.000 Euro bei 34 Prozent und ab 4.000 Euro und mehr bei 49 Prozent, sodass von einer starken Abhängigkeit des Einkommens laut DAI ausgegangen werden kann.
Wie sahen die Aktionärszahlen im Osten und Westen aus?
Laut Angaben des DAIs gab es im Jahr 2024 im Bundesland Bayern mit 23,1 Prozent die meisten Aktionäre, gefolgt von Baden-Württemberg (21,7 Prozent), Hessen (20 Prozent), Nordrhein-Westfalen (17,2 Prozent), Niedersachen (15,3 Prozent), Schleswig-Holstein/Hamburg (14,5 Prozent) und Rheinland-Pfalz (13,3 Prozent).
Berlin (13,7 Prozent), Sachsen-Anhalt (11,7 Prozent), Thüringen (11,5 Prozent), Sachsen (10,9 Prozent), Brandenburg (10,8 und Mecklenburg-Vorpommern (8,6 Prozent) runden das Ranking ab.
Auffällig ist zudem, dass der Anteil an Aktionären im Westen mit 18,6 Prozent deutlich höher als im Osten Deutschlands (11,4 Prozent) lag.
Wie sah die Altersstruktur bei jüngeren Anlegern bei der Aktienanlage aus?
45 Prozent der ETF-Anleger waren unter 40 Jahre, gefolgt von einem Fünftel der 40-49-jährigen, 17 Prozent zwischen 50-59 Jahren und 18 Prozent über 60 Jahren.
Bei traditionellen Fonds tun sich junge Anleger offensichtlich schwerer. Lediglich ein Viertel unter 40 Jahren setzte auf besagte Anlageklasse, gefolgt von 16 Prozent (40-49 Jahre), 28 Prozent (50-59 Jahre) und 31 Prozent (60+).
Quelle: DAI.
ETF-Sparpläne als beliebteste Analageform vor Fondssparplan und Aktiensparplan
Dem DAI zufolge lag der Anteil von Sparplänen nach Anlageform mit 47 Prozent bei einem ETF-Sparplan am höchsten (47 Prozent), gefolgt von einem Fondssparplan (22 Prozent) und dem Aktiensparplan (10 Prozent).
Zusammenfassung: Einkommen als wichtiger Einflussfaktor – Große regionale Unterschiede in Deutschland beim Aktienbesitz
Das Börsenjahr 2024 war insbesondere geprägt durch die Zinswende der großen Notenbanken Federal Reserve (Fed) und Europäische Zentralbank, was die Attraktivität von zinslosen Anlagen wie etwa Aktien gegenüber festverzinslichen Werten offensichtlich erhöht hat. Allerdings waren es z.B. geopolitische Unwägbarkeiten wie z.B. im Ukraine-Russland-Konflikt und im Nahen Osten, welche den Risikoappetit zwischenzeitlich immer wieder ausgebremst haben dürften.
Auch die US-Präsidentschaftswahl 2024 und die Erleichterung über eine rasche Regierungsbildung sowie eine Rallye im Sektor der Künstlichen Intelligenz (KI) dürften zum Optimismus beigetragen haben.
Festzuhalten bleibt, dass sich interessanterweise jüngere Anleger indes offensichtlich schwerer mit traditionellen Fonds schwertun und lieber bei klassischen ETFs zugreifen. Auch die regionalen Unterschiede zwischen Osten und Westen gilt es hervorzuheben. Das Bundesland Bayern wies mit 23,1 Prozent die meisten Aktionäre im Jahr 2024 aus. Brandenburg (10,8 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (8,6 Prozent) landeten auf dem letzten Rang.
Insgesamt lagen die Aktionärszahlen laut DAI im Jahr 2024 das fünfte Mal in Serie über der Zwölf-Millionen-Marke, was nicht zuletzt den Trend zum eigenständigen Gang an die Börse unterstreichen dürfte.
Quellen:
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/419455/umfrage/leitzins-der-zentralbank-der-usa/
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201216/umfrage/ezb-zinssatz-fuer-das-hauptrefinanzierungsgeschaeft-seit-1999/
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25_030_124.html#:~:text=030%20vom%2023.,Januar%202025
&text=WIESBADEN%20%E2%80%93%20Zum%20Jahresende%202024%20lebten,Menschen%20gegen%C3%BCber%20dem%20Jahresende%202023. - https://www.rnd.de/politik/donald-trump-droht-russland-mit-zoellen-und-fordert-friedensverhandlungen-3GCQA376WFOZNAHVSH6IG3NHDA.html
- https://www.dai.de/zahlen-und-fakten
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_8.jpg
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_9_neu.jpg
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_4.jpg
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_5.jpg
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_1.jpg
- https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/DAI_24037_Aktionaerszahlen_2024_Website_2.jpg
- https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/kuenstliche-intelligenz-nvidia-100.html
