Die Ursachen für eine Insolvenz können vielfältig sein. Rund um den Globus sehen sich jedes Jahr Unternehmen mit der Zahlungsunfähigkeit konfrontiert.
Im Folgenden erhalten Sie eine Einführung in die Thematik und wie es um die Situation in Deutschland im Jahr 2024 bestellt war.
Das wichtigste in Kürze
- In Deutschland gab es in den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 insgesamt 16.222 Unternehmensinsolvenzen (+22,2 Prozent).
- Im Jahr 2016 (1. bis 3. Quartal) hatte es zuletzt mehr Unternehmensinsolvenzen gegeben (16.480)
- Häufigkeit an Insolvenzen im Bereich Verkehr und Lagerei war am höchsten ausgeprägt
- Verbraucherinsolvenzen zogen gegenüber 2013 ebenfalls an
- Namhafte Pleiten: Galeria Kaufhof, FTI und Tupperware gingen im Jahr 2024 insolvent
Definition Insolvenz
Unter einer Insolvenz wird die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens verstanden. Diese kann vorliegen, wenn:
- Ein Unternehmen seinen Zahlungen nicht mehr nachkommen kann,
- Überschuldung vorliegt, bzw. die Verbindlichkeiten höher als das Vermögen sind,
- der Schuldner seinen Zahlungspflichten nicht termingerecht nachkommen kann.
In der Bundesrepublik Deutschland gingen laut Angaben des Statistischen Bundesamts vom 1. bis 3. Quartal 2024 finalen Ergebnissen zufolge insgesamt 16.222 Unternehmen insolvent und damit 22,2 Prozent mehr im Vergleich zum Vergleichszeitraum aus dem Jahr 2023. Mehr beantragte Unternehmensinsolvenzen hatte es zuletzt in den ersten drei Quartal des Jahres 2016 gegeben. Die Gläubiger forderten insgesamt aus den Insolvenzen rund 45,6 Milliarden Euro, nach Forderungen von rund 21,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Bezieht man sich auf insgesamt 10.000 Unternehmen, gingen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 hierzulande unter dem Strich 47 Unternehmen pleite. Dabei resultieren die meisten Pleiten aus den Bereichen Verkehr und Lagerei (91 Fälle), Baugewerbe (72 Fälle) und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (70 Fälle) sowie Gastgewerbe (64 Fälle) je 10.000 Unternehmen.
Deutliche Zunahme an Großinsolvenzen
Auch wenn die Mehrheit der Unternehmensinsolvenzen sogenannte Kleinstunternehmen betrifft, welche höchsten zehn Mitarbeiter beschäftigen (81,4 Prozent), fällt auf, dass es einen überdurchschnittlichen Anstieg der Firmenpleite bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten gibt (+44,4 Prozent), wie das Branchenportal Creditreform meldet und sich dabei auf das Jahr 2024 bezieht.
Spektakuläre Firmenpleiten: Galeria Kaufhof, FTI und Tupperware Deutschland
Im Jahr 2024 gab es in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Unternehmensinsolvenzen. Doch mit Galeria Kaufhof, FTI und Tupperware Deutschland sorgten insbesondere drei Unternehmen für reichlich Aufsehen.
Galeria Kaufhof
Seit August 2024 kann Galeria (ehemals Galeria Karstadt Kaufhof) zum Neustart ansetzen. An insgesamt 83 Standorten soll es zunächst weitergehen. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen rund 12.000 Beschäftigte.
Karstadt sieht sich insbesondere mit Herausforderungen durch den Boom des Online-Handels konfrontiert.
FTI
Im Sommer 2024 sorgte die Pleite des Reisekonzerns FTI mit insgesamt einer Milliarde Euro Schulden für reichlich Aufsehen. Schätzungsweise gebe es insgesamt 350.000 Gläubiger.
FTI hatte hierzulande ca. 1.400 Angestellte, wonach 50 Prozent ihre Jobs verloren haben sollen.
Profitiert haben dürften durch die FTI-Pleite vor allem etwa Konkurrenten wie etwa TUI, DERTOUR oder Alltours.
Tupperware Deutschland
Das für seine Vorratsbehälter bekannte Unternehmen Tupperware reiht sich ebenfalls in die Liste prominenter Insolvenzen im Jahr 2024 ein.
In der Corona-Pandemie hat das Unternehmen noch profitieren können. Doch mit gestiegenen Kosten bei Personal, Fracht sowie Rohstoffen und einer zunehmenden Konkurrenz geriet Tupperware zusehends in der Bredouille.
Spektakuläre Insolvenzen in Deutschland im Jahr 2024
Zahlreiche Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen wie etwa Warenhaus, Taschen, Kosmetik oder Reisen mussten im Jahr 2024 Insolvenz anmelden. Zu den prominentesten Pleiten dürften neben Galeria Kaufhof der Reisekonzern FTI sowie Tupperware Deutschland gezählt haben.
| Unternehmen | Monat der Insolvenz | Branche |
| Galeria Kaufhof | Januar | Warenhauskette |
| Omega | Januar | Taschen |
| The Body Shop | Februar | Kosmetik |
| Next.e.Go Mobile | März | Automobil |
| Eissmann Automotive | März | E-Kraftfahrzeughersteller |
| Huebauch | April | Chemie |
| Esprit | Mai | Mode |
| FTI | Juni | Reisen |
| Nukem Technologies Engineering Services | Juli | Nuklear |
| Fosen Werft | August | Schiffswerft |
| Tupperware Deutschland | November | Haushaltsartikel |

Wissenswertes: Auch die sogenannten Verbraucherinsolvenzen sind im Jahr 2024 gestiegen. Insgesamt meldet das Destatis vom 1. bis 3. Quartal 2024 53.409 Verbraucherinsolvenzen, was einem Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 6,8 Prozent entspricht.
Laut Angaben von Creditreform werden neben steigenden Lebenshaltungskosten auch höhere Zinsen für Krediten als Gründe angeführt, welche die Haushaltskasse stark belasten. Nicht zuletzt dürfte der Wegfall von gut bezahlten Arbeitsplätzen die Situation verschärft haben.
Was bedeuten Insolvenzen für Aktionäre? Pleite von Wirecard, Signature Bank und Lehman Brothers als Warnsignal
Unternehmensinsolvenzen aus der Vergangenheit sollten immer wieder als Warnhinweis für Anleger verstanden werden. Diese zeigen, dass im schlimmsten Fall ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals drohen kann. Als womöglich prominentester Vertreter einer Insolvenz in der Bundesrepublik Deutschland in der letzten Dekade fungierte etwa der Zahlungsabwickler Wirecard aus dem Sommer 2020, nachdem Bilanzbetrug im großen Stil bekannt wurde. Bis heute warten zehntausende Wirecard-Aktionäre auf Entschädigung im Insolvenzverfahren.
Für große Aufmerksamkeit sorgte im Jahr 2023 etwa auch die Signature Bank aus den USA. Hintergrund für die Insolvenz war der Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB), nachdem Kunden im großen Stil Geldsummen abgezogen hatten.
Die Behörden und Anleger rund um den Globus fürchteten daraufhin Ansteckungsrisiken für weitere Banken bzw. auf die globalen Finanzmärkte. Durch eine spektakuläre Rettungsaktion durch die US-Regierung konnte sich die Situation allerdings wieder entspannen.
Als ein weiteres Beispiel ist nicht zuletzt auch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers in den USA aus September 2008 anzuführen, welche die globale Finanzmarktkrise weiter verschärfte.
Die oben genannten Insolvenzen zeigen paradehaft, dass diese das Potenzial besitzen, gesamte Branchen sowie den Finanzmarkt in Sippenhaft zu nehmen und das Vertrauen der Anleger auf eine Belastungsprobe stellen.
Gegenteilig können Insolvenzen jedoch auch zu einer bereinigenden Marktsituation führen, aus denen wichtige Lektionen für die Finanzmärkte und auch für den Anlegerschutz resultieren.
Wie könnten sich die Insolvenzen in Deutschland im Jahr 2025 entwickeln?
Wenn es nach der Creditreform Wirtschaftsforschung geht, könnten die Fälle an Insolvenzen im Jahr 2025 weiter ansteigen. Auch die Höchstwerte aus den Jahren 2009 und 2010 könnten wieder „in Sichtweite“ kommen, heißt es (<32.000 Unternehmen).
Dazu beitragen könnte möglicherweise die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, welche im dritten Quartal 2024 nur minimal gewachsen ist. Von Juli bis September legte das sogenannte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um lediglich 0,1 Prozent zu. Zwei Minus-Quartale in Folge bedeuten eine im Fachjargon „technische Rezession“.
Zusammenfassung: Firmenpleiten in Deutschland haben wieder zugenommen – Verkehr und Lagerei besonders betroffen
Die Situation rund um Unternehmensinsolvenzen in der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den ersten drei Quartalen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter verschärft. Zuletzt hatte es im Jahr 2016 im oben genannten Vergleichszeitraum mehr Insolvenzen gegeben (16.480). Dabei fallen insbesondere die Sektoren Verkehr und Lagerei auf, welche von Insolvenzen gekennzeichnet sind.
Auch die Verbraucherinsolvenzen haben gegenüber dem Vorjahr zugenommen.
Als eine der spektakulären Fälle in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2025 fungierten neben der Warenhauskette Galeria Kaufhof die Pleiten des Reisekonzerns FTI und Tupperware Deutschland. Auch im Jahr 2025 könnte die Insolvenzwelle weiter rollen.
