Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Die Themen, mit denen wir Trader und Anleger uns für gewöhnlich beschäftigen, sind Technische Analyse, Intermarket Analyse, Geld- und Zinspolitik, ökonomische Indikatoren usw. Dass die Finanzmärkte auch anfällig für politische und geopolitische unvorhergesehene Ereignisse sind, haben die letzten Tage einmal mehr bewiesen. Aufgrund der militärischen Eskalation im Konflikt zwischen Israel und dem Iran wurden am Freitag die Märkte überrascht. Die Kämpfe setzten sich am Wochenende fort und es ist derzeit nicht absehbar, ob in dieser Woche eine neue Eskalationsstufe droht oder ob mit einer baldigen Beruhigung der Lage zu rechnen ist. Die Reaktion der Aktienmärkte fiel am Freitag vergleichsweise moderat aus. Aber auch und gerade in solchen Situationen ist es wichtig, nicht emotional zu reagieren und den Fokus insbesondere auf die Analyse der Märkte und Kapitalströme zu richten.
Rebound nach anfänglichen Verlusten
Nachdem die S&P 500 Futures am Donnerstagabend noch freundlich tendierten, folgte in der Nacht auf Freitag eine rasche Abwärtsbewegung, nachdem bekannt wurde, dass Israel Ziele im Iran angriff. Im weiteren Verlauf des Freitags folgte allerdings eine deutliche Erholungsbewegung und der S&P 500 Index verabschiedete sich mit einem Minus von nur 0,4 % auf Wochenbasis ins Wochenende.

Am übergeordneten charttechnischen Bild im S&P 500 hat sich indes wenig verändert: Der Index zeigt sich nach wie vor stark und die bullischen Signale überwiegen. Nach der sehr starken und raschen Aufwärtsbewegung der letzten Wochen würde aber eine zwischenzeitliche Erholung oder Konsolidierung wenig überraschen.
Die wichtigsten kurz- bis mittelfristigen Unterstützungen befinden sich bei 5950 Punkten und bei 5750 Punkten.
- 5950 Punkte: Hier verläuft ein horizontaler Support, in Kombination mit dem mittleren Bollinger Band bzw. der SMA 20.
- 5820 & 5750: Punkte: Die für den Index mittelfristig wichtigste Unterstützungszone liegt aktuell bei rund 5750 Punkten. Wie Sie auf dem Tageschart unten sehen, befindet sich hier ein wichtiger horizontaler Support. Die Tages-EMA 200 verläuft aktuell bei 5703 Punkten und dürfte in den nächsten Tagen noch einige Punkte ansteigen, sodass sie zusätzlichen Support liefern könnte. Allerdings stehen die Chancen gut, dass der Index gar nicht so weit fällt und bereits früher Unterstützung findet, im Bereich des unteren Bollinger Bandes in Kombination mit der Tages-SMA-200 bei etwa 5820 Punkten.

Schlussendlich kann die Kurszone von 5700 bis etwa 5820 Punkten als eine breite Unterstützungszone interpretiert werden. Sollte der S&P 500 seine Korrektur diese Woche fortsetzen, wäre es nicht verkehrt, abzuwarten, ob an einer der genannten Unterstützungen Käufer in den Markt kommen und bullische Signale wie Candlestick-Umkehrsignale unter hohem Volumen stattfinden. Sollte der Index hingegen unter 5700 Punkte fallen und zeitgleich erhöhtes bärisches Volumen zu erkennen sein, wäre die Wahrscheinlichkeit auf weiter fallende Kurse erhöht.
Advance Decline Line mit neuem Allzeithoch
Dass mittelfristig der Bull Case zu bevorzugen ist, zeigt sich bei einem Blick auf die Advance Decline Line. Die AD-Line erzielte bereits Mitte Mai ein neues Hoch. Mit dem Ausbruch über den lokalen Hochpunkt vom 16. Mai hat die AD-Line letzte Woche den Aufwärtstrend bestätigt. Auf einen Ausbruch der AD-Line auf ein neues Hoch folgt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mittelfristig auch ein Ausbruch des S&P 500 auf ein neues Hoch. Sofern nicht schnell ein Gegensignal der AD-Line erfolgt, welches das bullische Signal neutralisieren würde, hat das bullische Signal Gültigkeit.

Bei einer Analyse der weiteren Marktbreite-Indikatoren zeigt sich ebenfalls eine überwiegend positive Entwicklung. Allerdings fehlt noch der letzte Impuls, bevor die Signale tatsächlich wieder eindeutig und langfristig bullisch sind.
Die Anzahl der Aktien im S&P 500, die sich gemessen an der SMA 200 in einem Aufwärtstrend befinden, nahm zwar in den letzten Wochen ebenfalls deutlich zu, liegt aber immer noch bei nur 50 %.
Die Differenz zwischen der Anzahl an Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs und der Anzahl an Aktien mit neuen 52-Wochen-Tiefs drehte in den letzten Tagen/Wochen auch in den positiven Bereich, war aber am Freitag bereits wieder knapp unter der Nulllinie.
Performance der S&P 500 Marktsektoren
Ein weiteres bestätigendes Signal für den Aufwärtstrend sehen wir derzeit aus dem Bereich der Sektoren-Rotation. In der vergangenen Woche gab es zwar eine leichte relative Schwäche der offensiven Marktsektoren des S&P 500 sowie eine Outperformance der defensiven Sektoren; bei der Analyse der mittelfristigen Kapitalströme ist aber zu erkennen, dass Investoren seit dem Tiefpunkt im S&P 500 am 7. April wieder vermehrt in prozyklische und somit riskantere bzw. offensivere Marktsektoren investieren.
Der folgende Chart zeigt die relative Performance der 11 Marktsektoren des S&P 500. Der mit Abstand stärkste Sektor seit dem 7. April war Technology. Dieser hat eine Überrendite von 12 % zum S&P 500 erzielt. Die offensiven Sektoren Consumer Discretionary und Communication Services konnten immerhin (fast) mit der Performance des S&P 500 mithalten. Die defensiven Sektoren Utilities, Consumer Staples und Health Care zeigen hingegen relative Schwäche bzw. eine Underperformance.

Fazit: Fokus auf Fortsetzung des Aufwärtstrends
Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran besteht kurzfristig die Gefahr von weiter fallenden Kursen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass politische Börsen kurze Beine haben und der Markt das Thema möglicherweise in wenigen Tagen abhaken könnte, vorausgesetzt es kommt zu keiner weiteren und noch heftigeren Eskalationsspirale.
Aus dem Bereich der technischen Analyse und der Intermarket-Analyse überwiegen nach wie vor die bullischen Signale. Rücksetzer stellen deshalb zunächst mal Gelegenheiten für neue Long-Engagements dar. Sollten die oben genannten technischen Unterstützungszonen unterschritten werden und gleichzeitig die Sektorenrotation und die Marktbreite bärische Signale generieren, wäre der Bull Case hingegen vorerst hinfällig.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 16.06.2025
