Der November könnte ein spannender Monat für Optionshändler werden. Während der Aktienmarkt weiterhin von einem starken Bullenmarkt geprägt ist, gibt es gleichzeitig technische Signale und Marktbedingungen, die auf erhöhte Unsicherheit hindeuten. Niedrige Volatilitäten, attraktive Prämien auf eher defensive Aktien und das wiederholte Auftreten des Hindenburg-Omens stellen Händler vor Entscheidungen: Soll man den Trend einfach mitgehen, vorsichtig abwarten oder sich über strukturierte Optionsstrategien absichern? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die aktuelle Marktlage, erklären die wichtigsten Signale und zeigen auf, wie sich Optionshändler aktuell positionieren können, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Der Aktienmarkt bleibt bullisch
Es gibt wenig Zweifel: Der S&P 500 befindet sich aktuell in einem starken Bullenmarkt und notiert nahe seines Allzeithochs. Dieses Umfeld ist grundsätzlich bullisch, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, ist deutlich höher als die eines plötzlichen Rücksetzers. Dennoch bleibt ein Crash jederzeit möglich, weshalb eine angemessene Vorsicht geboten ist.
Für Optionshändler stellt sich daher die Frage, wie sie sich derzeit am besten positionieren. Wir empfehlen, den Bullenmarkt zu nutzen und starke Aktien gezielt direktional long zu handeln. Dabei ist es keineswegs verboten, neben Optionen auch andere Instrumente einzusetzen, um vom Trend zu profitieren.

Alternativ bieten sich diverse Optionsstrategien an, etwa Bull Call Spreads oder Ratio-Spreads, die von einem steigenden Markt profitieren, ohne das Risiko eines ungeschützten Positionsaufbaus einzugehen. Vorsicht ist jedoch beim massiven Verkauf von Put-Optionen geboten. Der Volatilitätsindex VIX liegt derzeit bei rund 17, was dem langfristigen Mittelwert entspricht. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass verkaufte Puts wertlos verfallen, jedoch wäre der potenzielle Gewinn aufgrund der niedrigen impliziten Volatilität vergleichsweise gering, während das Risiko bei einem plötzlichen Anstieg der Volatilität erheblich ist.
Technischer Indikator schlägt an: Hindenburg-Omen aktiv
Das Hindenburg-Omen ist ein technischer Indikator, der als mögliches Warnsignal für größere Marktverwerfungen gilt. Es basiert auf einer ungewöhnlichen Marktbreite: Wenn an der New Yorker Börse gleichzeitig viele Aktien neue 52-Wochen-Hochs und viele andere neue 52-Wochen-Tiefs erreichen, deutet das auf eine zunehmende Divergenz im Markt hin – also darauf, dass sich Anleger uneinig über die zukünftige Richtung sind. Diese Kombination gilt als Zeichen einer instabilen Marktphase, in der größere Korrekturen oder gar Crashs wahrscheinlicher werden können.
In der letzten Handelswoche wurde dieses Signal mehrfach ausgelöst – an mehreren Tagen hintereinander. Das deutet darauf hin, dass der Markt aktuell von wachsender Unsicherheit geprägt ist: Während einige Sektoren noch Stärke zeigen, brechen andere bereits deutlich ein.

Historisch betrachtet führt das Auftreten eines Hindenburg-Omens nicht zwangsläufig zu einem Marktcrash, und es wäre auch wenig sinnvoll, sich ausschließlich auf diesen Indikator zu stützen. Dennoch gilt sein mehrfaches Auftreten als Warnsignal, das zu erhöhter Aufmerksamkeit mahnt. Besonders dann, wenn gleichzeitig auch der Volatilitätsindex VIX über die Marke von 20 Punkten steigt, sollte das als Hinweis auf eine zunehmend angespannte Marktlage verstanden werden – ein Umfeld, in dem Vorsicht und ein angepasstes Risikomanagement für Optionshändler besonders wichtig sind.

Volatilitäten am Boden – dennoch hohe Prämien?
Die Volatilität im Gesamtmarkt ist aktuell niedrig. Wie bereits erwähnt, notiert der VIX nahe seinem langfristigen Mittelwert. Auch andere Volatilitätsindizes, wie beispielsweise der VXTLT für langfristige Staatsanleihen oder der GVZ für Gold, befinden sich auf niedrigen Niveaus oder fallen aktuell.
Abseits der großen Tech-Werte sieht die Situation jedoch anders aus, insbesondere bei vielen nicht-zyklischen Konsumgüteraktien. Große Dividendenwerte wie Clorox, Hormel Foods oder ähnliche Unternehmen notieren teilweise deutlich unter 50 % ihres jeweiligen Allzeithochs. Ein anschauliches Beispiel ist die Aktie Kenvue (KVUE), ein Spin-off des Dividendenchampions Johnson & Johnson (JNJ), das bekannte Marken wie Listerine oder Tylenol vertreibt. Letzteres geriet sogar politisch in die Schlagzeilen, als US-Präsident Donald Trump einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Tylenol während der Schwangerschaft und Autismus bei Kindern behauptete.

Aktuell bietet Kenvue eine Dividendenrendite von fast sechs Prozent. Mit einem Kurs von rund 14 USD kann der Handel von Cash Secured Puts auch für kleinere Konten interessant sein. Bei einem Strike von 14 USD und einer Laufzeit von etwa 70 Tagen lässt sich für eine am Geld liegende Option eine Prämie von 140 USD erzielen. Absolut betrachtet klingt das moderat, relativ zur möglichen Andienungssumme von 1.400 USD entspricht dies jedoch rund zehn Prozent. Daraus ergibt sich ein effektiver Einstiegspreis von 12,60 USD. Ein Hinweis: Die Earnings stehen in Kürze an und sollten berücksichtigt werden.
Wichtig ist, dass dies keine Handelsaufforderung darstellt, sondern lediglich ein Beispiel dafür, wie Cash Secured Puts auch auf eher „langweiligen“ Aktien gehandelt werden können, um attraktive Prämien zu erzielen. Statt Out-of-the-Money-Optionen mit niedrigen Prämien von 0,5 % auf die mögliche Andienungssumme zu verkaufen, kann es sinnvoller sein, auf Kursrückgänge zu warten, bei denen die implizite Volatilität ansteigt. Zwar bietet dies keine Garantie für einen Gewinn, jedoch verbessert sich das Risiko-Ertrags-Verhältnis deutlich, da die erzielbare Prämie höher ist.
Fazit
Der November bestätigt, dass der Markt aktuell komplexe Signale sendet. Auf der einen Seite steht der S&P 500 nahe Allzeithochs, ein klar bullisches Umfeld, das viele Chancen für direktionales Trading bietet. Starke Aktien gezielt long zu handeln oder strukturierte Optionsstrategien wie Bull Call Spreads oder Ratio-Spreads zu nutzen, erscheint hier sinnvoll, um am Aufwärtstrend teilzuhaben, ohne sich unnötig zu exponieren.
Auf der anderen Seite mahnen Warnsignale wie das Hindenburg-Omen und die anhaltende Divergenz im Markt zu Vorsicht. Das wiederholte Auftreten dieses Indikators zeigt, dass nicht alle Sektoren im Gleichklang steigen – einige zeigen bereits deutliche Schwäche. Optionshändler sollten diese Divergenzen und die niedrige, aber potenziell jederzeit ansteigende Volatilität im Blick behalten. Besonders der Verkauf von Put-Optionen bei derzeit niedrigen Volatilitäten sollte nur mit Bedacht erfolgen, da der potenzielle Gewinn vergleichsweise gering ist, das Risiko im Falle plötzlicher Volatilitätssprünge jedoch stark steigt.
Interessant sind zudem defensive, nicht-zyklische Dividendenwerte, bei denen die Kurse deutlich unter den Allzeithochs liegen. Hier lassen sich über Cash Secured Puts attraktive Prämien erzielen, insbesondere wenn man auf kurzfristige Kursrücksetzer wartet, die die implizite Volatilität erhöhen. Solche Strategien können das Risiko-Ertrags-Verhältnis deutlich verbessern, erfordern aber Disziplin, Geduld und ein genaues Timing.
Insgesamt zeigt sich, dass Optionshändler im aktuellen Markt von einem ausgewogenen Ansatz profitieren: den Bullenmarkt nutzen, Chancen in starken Aktien erkennen, gleichzeitig aber die Warnsignale ernst nehmen und das Risiko aktiv managen. Wer diese Balance hält, kann von attraktiven Prämien und stabilen Kursbewegungen profitieren, ohne übermäßige Risiken einzugehen.
