Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Die relative Schwäche des Nasdaq 100 gegenüber dem S&P 500 und dem Dow Jones setzte sich in der vergangenen Handelswoche zunächst fort, bevor am Freitag eine kräftige Gegenbewegung folgte. Mit einem Minus von 1,9 % auf Wochensicht und rund 1000 Punkten unter seinem Allzeithoch scheint der Technologieindex zwar nach wie vor etwas angeschlagen zu sein; die Erholung am Freitag gibt aber Grund zur Hoffnung auf eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends.
Rotation zu “Real-Economy” Aktien
Nach dem Abverkauf im Wochenverlauf bis auf 24.500 Punkte ist die Erholung am Freitag nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Vielmehr war es eine Mischung aus Erleichterung nach dem Tech-Sell-off, leicht nachgebenden Renditen und einer klassischen „Buy-the-Dip“-Reaktion.
Seit Jahresbeginn hat sich der Nasdaq 100 deutlich schwächer entwickelt als die anderen wichtigen US-Indizes:
- Mit einem Minus von 0,7 % trägt er als einziger ein rotes Vorzeichen.
- Der S&P 500 liegt auf YTD-Basis 1,3 % im Plus,
- der Dow Jones konnte 4,3 % zulegen
- und der Russell 2000 stieg bereits 7,7 % an.
- Ganz zu schweigen vom Dow Jones Transportindex, der die Gewinnerliste mit einem Plus von 14,6 % anführt.
Diese Entwicklung ist Ausdruck einer Sektorenrotation, die seit Anfang des Jahres zu beobachten ist. Kapital fließt ab aus hoch bewerteten Technologieaktien, die im vergangenen Jahr historisch hohe Indexgewichtungen erreicht hatten. Profitieren können insbesondere klassische Industrie- und „Old-Economy“-Werte, vor dem Hintergrund eines sehr starken Wirtschaftswachstums.
Wichtig dabei: Auch wenn eine Outperformance des Nasdaq 100 häufig als Indikator für einen dynamischen Bullenmarkt gilt (und relative Schwäche entsprechend als Warnsignal interpretiert wird), sind die aktuellen Verschiebungen nicht zwangsläufig negativ für den Gesamtmarkt. Im Gegenteil: Wenn die Kursgewinne nicht mehr von wenigen Mega-Tech-Titeln getragen werden, sondern sich auf breitere Sektoren verteilen, spricht das eher für eine gesündere Marktstruktur. Die zuvor extrem hohe Konzentration in einzelnen Technologiewerten war auch ein Zeichen von Übertreibung. Die aktuelle Rotation wirkt daher wie eine Normalisierung, bei der die Marktführung auf eine breitere Basis gestellt wird.
Nasdaq 100 verteidigt 24.500-Punkte-Marke
Charttechnisch war die Zone um 24.500 Punkte letzte Woche die entscheidende Unterstützung. Genau von dieser Kurszone ausgehend entstand am Freitag die deutliche Gegenbewegung.
Auf Basis der im Chart unten eingezeichneten Unterstützungs- und Widerstandszonen ergeben sich kurz- bis mittelfristig folgende Szenarien:
- Bullisches Szenario: Über 25.000 Punkte würde sich das kurzfristige Bild aufhellen. Dann wäre aus technischer Sicht Luft nach oben, in Richtung des übergeordneten Widerstands/Allzeithoch-Bereichs bei rund 26.000 Punkten.
- Bärisches Szenario: Auf der Unterseite bleibt der Bereich um die Tages-EMA-200 bei ca. 24.000 Punkten die Linie im Sand. Ein Bruch würde das Chartbild deutlich eintrüben und das Risiko einer Abwärtsbeschleunigung erhöhen.

Quartalsergebnisse & CapEx Schlagzeilen
Weitere wichtige Impulse kamen in der vergangenen Woche aus der Berichtssaison: Mehrere Schwergewichte aus dem Nasdaq 100 legten Zahlen vor und lieferten damit neue Argumente für die laufende Rotation innerhalb des US-Aktienmarktes.
- Advanced Micro Devices meldete am 3. Februar zwar einen Rekordumsatz im vierten Quartal, doch die Aktie reagierte dennoch empfindlich, weil der Markt weniger auf die Vergangenheit als auf den Ausblick und die Erwartungen für die kommenden Quartale blickte. Die Aktie verlor auf Wochensicht rund 12 % an Wert und verstärkte damit den Druck auf die KI- und Halbleiter-Branche.
- Am 4. Februar präsentierte Alphabet operativ robuste Ergebnisse und weiterhin starkes Wachstum im Cloud-Geschäft. Die größere Schlagzeile war jedoch der Investitionsausblick: Sehr hohe CapEx-Pläne für 2026 (175–185 Mrd. USD) befeuerten die Diskussion darüber, wie schnell und wie verlässlich sich die massiven KI-Investitionen in messbare Erträge übersetzen lassen. Die Aktie gab zwar zunächst nach und eröffnete mit einem Down-Gap, erholte sich dann aber rasch wieder.
- Ebenfalls am 4. Februar berichtete Qualcomm solide Zahlen und signalisierte damit Stabilität im Halbleitersegment. Die Kursreaktion fiel aber auch hier schwach aus (-9,4 % auf Wochenbasis).
- Am 5. Februar folgte Amazon: Das AWS-Wachstum fiel stark aus, zugleich stand aber erneut der Investitionsaufwand im Mittelpunkt. Laut Reuters geht der Markt von CapEx in der Größenordnung von rund 200 Mrd. USD im Jahr 2026 aus. Eine Größenordnung, die nachbörslich für deutliche Kursreaktionen sorgte und ebenfalls die bereits bekannten Sorgen erhöhte. Die Amazon-Aktie verlor auf Wochensicht 12,1 %.
Gerade in einem Umfeld, in dem sich das Sentiment ohnehin weg von KI-Momentum und hin zu Cashflows sowie „Real-Economy“-Sektoren verschoben hat, wirkten solche CapEx-Nachrichten wie ein Verstärker. Denn CapEx steht für Investitionen in Anlagen, Infrastruktur und Rechenzentren, im KI-Kontext vor allem für teure Chips, Server, Netzwerk- und Datacenter-Kapazitäten. Diese Ausgaben sind strategisch wichtig, belasten aber kurzfristig oft den freien Cashflow und können Margen unter Druck setzen, weil das Geld heute abfließt, während sich der wirtschaftliche Nutzen häufig erst über Quartale oder sogar Jahre materialisiert. Genau deshalb reagiert der Markt aktuell so sensibel: Je höher der Investitionsbedarf, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, wann und wie daraus zusätzliche Umsätze und Gewinne entstehen, und ob der erwartete „Return on AI Spending“ die hohen Vorleistungen rechtfertigt.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 09.02.2026

