Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der DAX setzte in der letzten Handelswoche seine Korrektur fort und beendete die Woche mit einem moderaten Minus von 0,7 Prozent. Nachdem der deutsche Leitindex zuletzt Anfang Juni auf ein neues Allzeithoch anstieg, kam die Korrektur wenig überraschend, zumal in den letzten Tagen an den Aktienmärkten etwas Unsicherheit herrschte aufgrund der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran sowie einer möglichen Beteiligung der USA. Was die konjunkturellen Aussichten und das charttechnische Bild betrifft, bleibt der Ausblick allerdings positiv.
Konjunktur-Erwartungen hellen sich deutlich auf
Während der Aufwärtstrend im DAX eine Verschnaufpause einlegte, überraschten die konjunkturellen Frühindikatoren aus Deutschland positiv. Der ZEW-Index sprang im Juni auf 47,5 Punkte – der höchste Wert seit Frühjahr 2021 und nahezu doppelt so hoch wie im Mai. Parallel meldete das Münchener ifo-Institut in seiner Sommerprognose einen positiven Ausblick und rechnet im Jahr 2025 nun mit einem moderaten BIP-Zuwachs von rund 0,4 %, getragen von Nachholeffekten bei Investitionen und einer weiterhin soliden Auslandsnachfrage.
Inflation & Geldpolitik: „Nahe dem Ziel – aber datenabhängig“
Ein weiterer Faktor, der dem DAX in diesem Jahr Rückenwind verlieh, war der sich fortsetzende disinflationäre Trend in Kombination mit Zinssenkungen der EZB. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai nur noch um 2,1 % YOY. Sinkende Energiepreise drückten den Warenkorb bereits den dritten Monat in Folge. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die EZB damit „nahe am Mandat“ und bezeichnet die aktuelle Geldpolitik als neutral – Zinssenkungsfantasie gibt es aber frühestens für den Herbst, betonte er letzte Woche.
Fiskalpolitik: Entlastung für die Unternehmensgewinne
Neben den geldpolitischen Rahmenbedingungen gewinnt 2025 vor allem die nationale Steuer- und Investitionspolitik an Bedeutung, weil sie den verfügbaren Cashflow der Unternehmen unmittelbar beeinflusst.
Am 5. Juni 2025 hat der Bundestag ein steuerliches Entlastungspaket im Umfang von rund 46 Mrd. Euro beschlossen, dessen Maßnahmen schrittweise zwischen 2025 und 2029 wirksam werden. Kernpunkte sind:
- Die erneute Einführung einer degressiven Abschreibung (AfA): Für neu angeschaffte bewegliche Wirtschaftsgüter dürfen Unternehmen bis zu 25 % beziehungsweise das 2,5-Fache der linearen Abschreibung auf den jeweils verbleibenden Restbuchwert vornehmen. Dieser „Front-loading-Effekt“ verlagert den Steueraufwand in die frühen Nutzungsjahre und stärkt so kurzfristig die Liquidität.
- Außerdem senkt der Bund den Körperschaftsteuersatz (Bundesanteil) um einen Prozentpunkt auf 14 %; die Gewerbesteuer bleibt unberührt, wodurch sich die kombinierte Belastung abhängig vom Hebesatz künftig auf etwa 29–30 % beläuft. Ergänzend werden der Verlustvortrag unbefristet und der Verlustrücktrag auf drei Jahre erweitert. Laut Finanzministerium ergibt sich daraus insbesondere für investitionsintensive Branchen wie Maschinen- und Fahrzeugbau ein durchschnittlicher Nettogewinn-Hebel von rund fünf Prozentpunkten pro Jahr.
Pullback an vorheriges Allzeithoch
Wie Sie auf dem folgenden Wochenchart sehen, verlief die Korrektur der letzten beiden Wochen im DAX exakt bis an die horizontale Unterstützungszone auf dem Kursniveau der vorherigen Allzeithochs auf Wochenschlusskursbasis bei rund 23.000 Punkten.

Der DAX reagierte hier zunächst mit einem bullischen Abpraller und konnte die Unterstützung verteidigen. Die Korrektur fiel bisher jedoch nur moderat aus und lief noch nicht einmal bis zur Wochen-EMA-20 (lila EMA im Wochenchart oben).
Auf dem Tageschart unten sehen Sie, dass die horizontale Unterstützungszone durch die Tages-EMA-50 und die Tages-SMA-50 verstärkt wird. Aber auch eine Ausdehnung der Korrektur würde sehr gut ins charttechnische Bild passen und würde am übergeordneten Aufwärtstrend nicht ändern. Sollte die 23.000-Punkte-Marke nicht halten, wäre die nächste wichtige Unterstützung bei etwa 22.400 - 22.600 Punkten. Hier befindet sich einerseits ein horizontaler Support, andererseits ist mit dem Volume By Price (bzw. Volumenprofil) Indikator erkennbar, dass es sich um eine wichtige Kurszone handelt, wo in der Vergangenheit erhöhtes Handelsvolumen zu beobachten war.

Kurzfristiger Abwärtstrend
Ob die Korrektur im DAX bereits beendet ist, oder ob diese sich fortsetzen wird, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. Eine mögliche Strategie wäre daher der gestaffelte Einstieg in die laufende Korrektur hinein.
Eine weitere Alternative wäre, abzuwarten, bis die Korrektur eindeutig beendet ist. Was genau eindeutig ist, lässt sich wiederum nicht eindeutig bestimmen. Eine bewährte Strategie stellt jedoch die Analyse des untergeordneten Trends dar. Der langfristige primäre Aufwärtstrend ist intakt. Die aktuelle Korrektur dieses primären Aufwärtstrends ist nichts anderes als ein sekundärer Abwärtstrend, den Sie auf einer kleineren Zeiteinheit wie einem Stundenchart betrachten können.
Auf dem folgenden Stundenchart des DAX-Futures (FDAX) können Sie den sekundären Abwärtstrend deutlich erkennen. Einerseits anhand der Abfolge von fallenden Hochs und fallenden Tiefs; andererseits signalisieren auch die EMAs auf dem Stundenchart einen Abwärtstrend.

Sobald dieser sekundäre Abwärtstrend umgekehrt wurde - das heißt: sobald wieder ein deutlicher sekundärer Aufwärtstrend erkennbar ist - wäre die Korrektur aus markttechnischer Perspektive beendet und der neue sekundäre Aufwärtstrend würde eine neue Bewegungsphase des primären Aufwärtstrends darstellen.
Autor Tobias Schmid
Datum: 23.06.2025
