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Der DAX beendete die vergangene Handelswoche mit einem Plus von 3,9 Prozent. Haupttreiber waren Entspannungssignale im Iran-Konflikt, überraschend solide deutsche Konjunkturdaten (Q1-BIP-Wachstum und steigendes Ifo-Geschäftsklima) sowie Rückenwind aus den USA, wo die wichtigsten Indizes ebenfalls Kursgewinne verbuchen konnten.
Makro & Geopolitik: Hoffnung auf Iran-Lösung und überraschend starke Konjunkturdaten
Nach einem nervösen Wochenstart verbesserte sich die Stimmung ab Mitte letzter Woche spürbar. Die Kombination aus diplomatischen Signalen aus Washington und Teheran sowie unerwartet robusten Daten aus der heimischen Wirtschaft sorgte für einen Stimmungsumschwung und katapultierte den DAX auf das stärkste Wochenplus des Jahres 2026. Damit zeigt sich erneut, wie sehr der DAX an zwei Hebeln hängt: dem Ölpreis und der Konjunkturperspektive für die exportlastige deutsche Wirtschaft.
Diplomatische Annäherung sorgt für Erleichterung an den Märkten
Nach Wochen einer fragilen Waffenruhe, die seit dem militärischen Schlagabtausch Ende Februar mehrfach am seidenen Faden hing, mehrten sich gegen Ende der vergangenen Handelswoche die Anzeichen für einen echten Verhandlungsfortschritt. Sowohl aus Washington als auch aus Teheran kamen versöhnliche Töne, was die Sorgen vor einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen und einem damit verbundenen Ölpreis-Schock dämpfte.
Am Wochenende gab es weitere Meldungen, die einen (zumindest vorübergehenden) Frieden bestätigten. US-Präsident Donald Trump erklärte am Samstag auf seiner Plattform Truth Social, ein Abkommen sei "weitgehend ausgehandelt" und stehe lediglich noch unter dem Vorbehalt einer finalen Ausgestaltung zwischen den USA, dem Iran und weiteren beteiligten Staaten. US-Außenminister Marco Rubio bestätigte am Sonntagmorgen in Neu-Delhi, dass "ein gewisser Fortschritt" erzielt worden sei und in den kommenden Stunden oder Tagen mit Neuigkeiten zu rechnen sei. Das US-Portal "Axios" berichtete unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, dass der Entwurf eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage vorsieht. Während dieser Zeit soll die strategisch entscheidende Straße von Hormus wieder geöffnet werden, der Iran soll dort verlegte Minen räumen und dürfte im Gegenzug wieder Öl exportieren. Darüber hinaus reisten am Freitag sowohl der pakistanische Armeechef als Mediator als auch eine Delegation aus Katar nach Teheran, was ein klares Signal dafür ist, dass die Verhandlungsmaschinerie auf Hochtouren läuft.
Robustes Q1-BIP und steigendes Ifo-Geschäftsklima stützen den Leitindex
Neben der sich anbahnenden geopolitischen Deeskalation gab es letzte Woche auch Konjunkturdaten, die den Bullen weiteren Rückenwind verliehen. Allen Unkenrufen zum Trotz wuchs die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal im Jahresvergleich leicht um 0,4 bis 0,5 Prozent und bewies damit trotz anhaltender Krisenstimmung echte Nehmerqualitäten.
Darüber hinaus sorgte der unerwartete Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas für weiteren Optimismus. Der vom Münchner Ifo-Institut erhobene Index kletterte im Mai auf 84,9 Punkte, nach zuvor 84,5 Punkten im April. Von Dow Jones befragte Volkswirte hatten angesichts der Belastungen durch den Iran-Krieg eigentlich mit einem Rückgang auf 84,1 Punkte gerechnet. Die positive Überraschung war also umso größer. Auch die beiden Subindizes legten zu: Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage stieg auf 86,1 (von 85,4) Punkte und damit klar über den Konsens von 85,0. Die Geschäftserwartungen verbesserten sich auf 83,8 (von 83,5) Punkte. Besonders bemerkenswert war der deutliche Sprung im Dienstleistungssektor, in dem sich die Erwartungen nach dem Einbruch der vorangegangenen zwei Monate deutlich erholten.
Die Aufhellung des Ifo-Index sollte allerdings nicht überinterpretiert werden. Das Niveau bleibt mit Werten um die 85er-Marke nach wie vor historisch niedrig und weit von Wachstumssignalen entfernt. Dennoch deutet die Stabilisierung darauf hin, dass die deutschen Unternehmen die Belastungen durch den Iran-Krieg, die hohen Energiepreise und die globalen Unsicherheiten besser verkraften als befürchtet.
Ein Warnsignal kam hingegen aus der Eurozone: Der von S&P Global erhobene Composite-PMI fiel im Mai um 1,3 Punkte auf 47,5. Das ist der schwächste Wert seit rund zweieinhalb Jahren. Der Index fiel damit klar unter die Wachstumsschwelle von 50. Vor allem die Dienstleister knickten mit 46,4 Punkten auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren ein. S&P-Chefvolkswirt Chris Williamson sieht die Eurozone im zweiten Quartal bereits um 0,2 Prozent schrumpfen.
Charttechnischer Ausblick für den DAX
Um die charttechnische Lage des DAX zu beurteilen, lohnt sich nochmals ein kurzer Blick zurück in die zweite Jahreshälfte des Jahres 2025. Zwischen Juni und Dezember verharrte der DAX in einem Seitwärtstrend und schwankte zwischen 23.000 und 24.500 Punkten.
Im Januar 2026 erfolgte zwar ein Ausbruch auf der Oberseite; dieser erwies sich aber nur von kurzer Dauer und der DAX fiel anschließend wieder zurück in seine alte Seitwärts-Range, gefolgt von einem weiteren Fehlausbruch, diesmal auf der Unterseite.

Letzte Woche stieg der DAX nun erneut über die 24.500 Punkte-Marke an. Auf dem Tageschart ist allerdings zu erkennen, dass sich im Bereich des oberen Bollinger-Bandes zwischen 24.900 - 25.000 aktuell noch ein kurzfristiger Widerstand befindet. Sollte dieser überwunden werden, wäre der charttechnische Ausbruch komplett und die Wahrscheinlichkeit auf eine Trendfortsetzung würde sich deutlich erhöhen.

Autor Tobias Schmid
Datum: 25.05.2026

