Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Hinter dem Dow Jones liegt eine volatile Handelswoche, in der vor allem die weitere Geldpolitik der US-Notenbank für Impulse sorgte. Nachdem Fed-Chef Kevin Warsh bereits am vorherigen Freitag in Jackson Hole deutlich hawkishere Töne angeschlagen hatte, stieg die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September deutlich an. Hinzu kamen erneut steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen. Zum Wochenschluss sorgte dann ausgerechnet ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht wieder für Verkaufsdruck.
Steigende Anleiherenditen belasten den Dow Jones
Der Dow Jones startete entsprechend schwach in die vergangene Woche. Am Montag verlor der Index 0,7 %, am Dienstag folgte ein weiteres Minus von knapp 0,8 %. Damit fiel der Dow zwischenzeitlich bis auf rund 52.770 Punkte zurück. Dabei sorgten insbesondere die steigenden Renditen am Anleihemarkt für Gegenwind. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zeitweise in Richtung 4,8 % und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2025.
Hinter dem Renditeanstieg standen vor allem wieder zunehmende Inflationssorgen. Einerseits hatte Warsh zuletzt deutlich gemacht, dass die Fed ihr Inflationsziel von 2 % weiterhin konsequent verfolgen möchte. Andererseits sorgte die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran für einen deutlichen Anstieg der Ölpreise. Brent stieg zeitweise auf knapp 95 Dollar je Barrel, während WTI die Marke von 90 Dollar überschritt.
Damit bleibt der Iran-Konflikt auch für den Aktienmarkt relevant, weniger aufgrund der geopolitischen Unsicherheit selbst als vielmehr über den Inflationskanal. Bleiben die Energiepreise länger auf einem erhöhten Niveau, könnte dies den Rückgang der Inflation verzögern und der Fed zusätzlichen Spielraum für weitere Zinserhöhungen geben.
ISM-Daten zeigen robuste US-Wirtschaft
Auch die ISM-Daten zeigten eine weiterhin robuste US-Wirtschaft bei gleichzeitig hohem Preisdruck. Der ISM Services PMI stieg im August auf 55,4 Punkte, während der Prices-Paid-Index mit 72,6 Punkten weiterhin deutlich erhöht blieb.
Waller sorgt kurzfristig für Entspannung
Für zwischenzeitliche Entspannung sorgte am Donnerstag Fed-Gouverneur Christopher Waller. Er verwies auf Fortschritte bei der Inflation und sprach sich bei einer Fortsetzung dieses Trends für unveränderte Zinsen im September aus. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung fiel daraufhin von rund 65 % auf etwa 50 %, die Anleiherenditen gaben nach und der Dow Jones legte um 1,18 % beziehungsweise mehr als 600 Punkte zu. Die Entspannung hielt allerdings nicht lange an.
Starker Arbeitsmarkt bringt Zinssorgen zurück
Am Freitag überraschte der offizielle US-Arbeitsmarktbericht deutlich positiv. Im August wurden außerhalb der Landwirtschaft 162.000 neue Stellen geschaffen. Erwartet worden waren lediglich rund 55.000. Gleichzeitig wurden die Zahlen für Juni und Juli zusammengenommen um weitere 55.000 Stellen nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,1 % unverändert niedrig.
Interessant war allerdings die Lohnentwicklung. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vorjahr lediglich um 3,1 %. Der Bericht zeigte damit einen robusten Arbeitsmarkt, ohne gleichzeitig neue deutliche Hinweise auf eine Beschleunigung der Lohninflation zu liefern.
Für den Aktienmarkt überwog dennoch zunächst die negative Interpretation. Eine weiterhin starke Wirtschaft gibt der Fed mehr Spielraum, die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation weiter anzuheben. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen stieg die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September wieder auf rund 65 %. Die zweijährige US-Rendite erreichte kurzzeitig den höchsten Stand seit Januar 2025 und der Dow verlor zum Wochenschluss rund 0,5 %.
Inflationsdaten rücken in den Fokus
Unterm Strich beendete der Dow Jones die Woche damit trotz zwischenzeitlich deutlicher Schwankungen nur leicht im Minus. Gleichzeitig hat sich an der fundamentalen Ausgangslage wenig geändert: Die US-Wirtschaft bleibt weiterhin sehr robust, während die Inflation noch immer oberhalb des Fed-Ziels liegt.
In der kommenden Woche dürfte deshalb vor allem der neue Inflationsbericht im Fokus stehen. Nach dem starken Arbeitsmarktbericht wird insbesondere entscheidend sein, ob sich die zuletzt von Waller hervorgehobenen Fortschritte bei der Inflation bestätigen. Bleibt der Preisdruck hoch, dürfte eine weitere Zinserhöhung im September zunehmend wahrscheinlicher werden. Fällt die Inflation dagegen schwächer aus, könnte sich die zuletzt wieder gestiegene Nervosität am Anleihe- und Aktienmarkt erneut etwas legen.
Charttechnischer Ausblick für den Dow Jones
Mit dem Ausbruch des Dow über die runde 53.000-Punkte-Marke wurde der Aufwärtstrend zuletzt bestätigt. Eine Korrektur an das vorherige Ausbruchsniveau ist charttechnisch ein sehr typisches Verhalten. Genau dies geschah in den letzten vier Wochen. Der Dow korrigierte bis an das Unterstützungsniveau bei 53.000 Punkten.
Hier verläuft zur Zeit zudem die Tages-EMA-50. Solange diese Kurszone verteidigt werden kann, spricht charttechnisch nichts gegen eine direkte Trendfortsetzung.

Ein Ausbruch über den kurzfristigen Widerstand bei 53.750 Punkten würde dieses Szenario bestätigen. Sollte der Dow Jones Index hingegen unter die Unterstützungszone im Bereich der Wochen-EMA-50 (grün) rutschen, dürfte sich die Korrektur kurzfristig mindestens bis zur Wochen-EMA-20 bei rund 52.000 Punkten ausweiten.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 07.09.2026

