Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der Dow Jones ist seit Jahresbeginn 2,7 % im Plus und liegt mit dieser Performance deutlich vor dem S&P 500 (+1,4 %) und vor dem Nasdaq 100 (+1,1 %). In den letzten Wochen zählten vor allem klassische Industrie-Aktien zu den führenden Titeln. Die hoch bewerteten Mega-Cap-Technologiewerte zeigten hingegen relative Schwäche, während die Marktbreite zunahm. Diese Sektorenrotation ist grundsätzlich eine gesunde Normalisierung und ein Zeichen, dass der Markt mehr Growth-Optimismus bzw. höheres Wirtschaftswachstum einpreist.
Wachstumsprognosen für das Jahr 2026
Was wir aktuell im Markt sehen, ist eine Rotation weg von den hoch bewerteten Mega-Cap-Techs hin zu zyklischen Sektoren, allen voran Industrie, Finanzwerte und klassische „Old Economy“-Titel. Das passt ins Bild: Der Markt preist wieder mehr reales Wirtschaftswachstum ein, und davon profitieren typischerweise genau diese Bereiche (höhere Nachfrage, mehr Investitionen, stärkere Kreditvergabe, bessere Auslastung).
Auch die Wachstumsindikatoren und -prognosen stützen diesen Eindruck: Das GDPNow-Modell der Atlanta Fed schätzte für das Q4/2025 zuletzt ein sehr kräftiges Wachstum von 5,3%. Gleichzeitig liegen die 2026er-Prognosen vieler Ökonomen wieder im Bereich über 2%, z. B. zeigt eine aktuelle Umfrage, dass 2026 im Schnitt etwa 2,2% erwartet werden. Goldman Sachs ist sogar noch optimistischer und nennt 2,8% (Full-Year) als Basisszenario für 2026.
Kurz gesagt: Wenn der Markt an solides Wachstum glaubt (statt nur an „AI-Hype + Zinssenkungen“), dann ist es logisch, dass Dow-lastige Industriewerte relativ besser laufen.
Moderate Verbraucherpreise und Erzeugerpreise
In der vergangenen Woche wurden wichtige Inflationsdaten veröffentlicht, und diese lagen weitestgehend im Rahmen der Erwartungen:
- Verbraucherpreise (CPI) vom 13. Januar (für Dezember): Der CPI stieg +0,3% im Monatsvergleich an und lag bei +2,7% YoY; genau im Rahmen der Erwartungen. Wichtig: Die Kerninflation (Core CPI) fiel etwas kühler aus: +2,6% YoY und damit leicht unter den Erwartungen.
Marktreaktion: Aktien-Futures reduzierten Verluste, Treasury-Renditen fielen, und der US-Dollar gab einen Teil der Gewinne ab. Ein Zeichen für eine nachlassende Inflationsangst. - Erzeugerpreise (PPI) vom 14. Januar (für November, verzögert): Der PPI stieg +0,2% im Monatsvergleich (wie erwartet) und lag bei +3,0% YoY. Die Kernrate (ohne Energie & Nahrungsmittel) lag bei 0,0% im Monatsvergleich und ebenfalls +3,0% YoY.
Unterm Strich: Kein Inflationsschock, aber auch kein Freifahrtschein für aggressive Zinssenkungen. Das hält die Zinserwartungen eher stabil und begünstigt wiederum Value/Zykliker gegenüber zinssensitiven Wachstumsaktien.
Robuste Konjunkturdaten
Auch auf der Konjunkturseite gab es letzte Woche mehrere Wirtschaftsdaten, die gut ins Narrativ „Wirtschaft hält sich besser als viele denken“ passen:
- Retail Sales (November) vom 14. Januar: +0,6% MoM (über Erwartung +0,4%), die Core Retail Sales lagen bei +0,4%.
- Industrieproduktion (Dezember) vom 16. Januar: +0,4% MoM, ebenfalls besser als erwartet; die Fed-Daten zeigen zudem, dass die Gesamt-IP über Vorjahr liegt.
- Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche bis 10. Jan): Rückgang auf 198.000, was kurzfristig auf einen weiterhin recht stabilen Arbeitsmarkt hindeutet (auch wenn die Hiring-Dynamik insgesamt zäher geworden ist).
- Beige Book (Januar): Die Fed beschreibt die Aktivität insgesamt als leicht steigend; auffällig ist aber das K-förmige Konsumbild (stärker bei höheren Einkommen, preisbewusster bei niedrigen/mittleren Einkommen).
- Immobilien: Existing Home Sales (Dezember) stiegen +5,1% auf 4,35 Mio. und lagen über den Erwartungen. Gleichzeitig fiel aber die Homebuilder-Stimmung (NAHB) im Januar auf 37 (unter Erwartung 40).
Diese Mischung passt wieder gut zur Dow-Story: Produktion, Investitionen, Kreditzyklus und Industrie-Nachfrage sind für klassische Dow-Sektoren wichtiger als das „perfekte“ Disinflations-Szenario für Tech.
Berichtssaison startet mit gemischten Signalen
Neben Konjunktur- und Wirtschaftsdaten stehen derzeit die Quartalsergebnisse von Corporate America im Fokus. Die Berichtssaison wurde wie üblich von der Finanzbranche eröffnet. Die Signale sind bisher solide, aber nicht euphorisch:
- JPMorgan (13. Jan): Ergebnisse insgesamt robust, aber die Aktie reagierte trotzdem schwächer (hohe Erwartungen / Bewertung, plus politische Unsicherheit rund um eine diskutierte Kreditkarten-Zinsdeckelung).
- Bank of America (14. Jan): Gewinn über den Erwartungen, u. a. dank Trading und rekordhohem Zinsüberschuss; zudem stellte die Bank weiteres NII-Wachstum in Aussicht.
- Citigroup (14. Jan): Beat bei Gewinn (adjusted $1,81 vs. Erwartung $1,67), getrieben von besserem Dealumfeld/Services. Trotzdem fiel die Aktie im Tagesverlauf, was gut zeigt: Der Markt ist aktuell schnell bereit, gute Zahlen „abzuhaken“.
- Wells Fargo (14. Jan): Gewinn zwar höher, aber unter den Schätzungen, Aktie entsprechend schwächer.
- BNY Mellon (13. Jan): Deutlich stärkeres Quartal und angehobene Profitabilitätsziele.
Fazit der ersten Runde: Die Fundamentals sind okay bis gut, aber die Börse schaut aktuell besonders auf Guidance, Margen, Kreditqualität und politische Nebenkriegsschauplätze.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 19.01.2026

