Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
Mit einem Schlusskurs von 41.175 Punkten schloss der Dow Jones am vergangenen Freitag nur wenige Punkte unter dem Allzeithoch bei 41.198 Punkten, welches am 17. Juli erzielt wurde. Nach dem rasanten Kurseinbruch zwischen dem 1. August und dem 5. August folgte somit eine sehr schnelle V-förmige Erholung.
Rede von Jerome Powell sorgt für positive Stimmung
Seit dem Beginn der jüngsten Kursrally in der ersten Augustwoche kannte der Dow Jones nur eine Richtung und stieg quasi ohne Unterbrechung direkt bis an die alten Allzeithochs an. Die Sorgen um eine mögliche Rezession, welche aufgrund von schwachen Arbeitsmarktdaten ausgelöst wurden, scheinen aus jetziger Sicht übertrieben gewesen zu sein und der Optimismus kehrte in den letzten beiden Wochen schnell zurück. Am Freitag erhielt die Rally im Dow erneuten Rückenwind nach der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell bei der jährlich stattfindenden Notenbank-Tagung in Jackson Hole.
In seiner Rede signalisierte Powell, dass es an der Zeit sei, die Geldpolitik anzupassen und möglicherweise im September mit Zinssenkungen zu beginnen. Er betonte, dass die Fed nun verstärkt auf die Risiken eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit achten werde, da die Inflation unter Kontrolle gebracht wurde. Der Markt ging zwar bereits in den letzten Wochen davon aus, dass die erste Zinssenkung im September stattfinden würde; die nun aber auch eindeutige Kommunikation seitens Powell hat dem Markt aus psychologischer Sicht erneut geholfen, insbesondere das klare Bekenntnis zur Fokussierung auf den Arbeitsmarkt und die Aussage, dass die Bekämpfung der Inflation erfolgreich war und sozusagen als abgeschlossen betrachtet werden könne.
Arbeitsmarktdaten sollten weiterhin beobachtet werden
Dies ebnet den Weg für eine längere Periode von Zinssenkungen in den nächsten Monaten und Jahren, vorausgesetzt die Inflation kehrt nicht überraschend schnell zurück. Für die am 18. September stattfindende Fed-Sitzung wird gemäß dem CME FedWatch Tool derzeit eine Zinssenkung von 25 Basispunkten eingepreist. Sollten die Anfang September veröffentlichten Non Farm Payrolls erneut sehr schwach ausfallen, könnte aber auch eine Zinssenkung von 50 Basispunkten erfolgen.
Die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt dürfte auch in den nächsten Wochen und Monaten eine hohe Aufmerksamkeit erfahren. Falls die im August veröffentlichten Daten aus dem Vormonat Juli nur eine Art einmaliger Ausrutscher waren, stehen die Chancen auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im Dow Jones sehr gut. Sollten hingegen erneut sehr schwache Daten gemeldet werden, dürfte die Fed zwar etwas aggressiver bei den Zinssenkungen vorgehen, die erhöhte Rezessionsgefahr könnte aber den Aktienmarkt erneut belasten. Die Non Farm Payrolls werden jeweils am ersten Freitag des Monats veröffentlicht.
Neues Allzeithoch auf Wochenschlusskurs-Basis
Auf dem folgenden Wochenchart erkennen Sie, dass der Aufwärtstrend im Dow Jones ungebrochen ist und dass sich ein Ausbruch auf der Oberseite ankündigt. Auf Wochenschlusskurs-Basis hat der Dow Jones bereits ein neues Allzeithoch erzielt. Der Schlusskurs der vergangenen Woche liegt zudem leicht über dem oberen Bollinger Band und sowohl das obere als auch das untere Bollinger Band öffnen sich, was ein Anzeichen für einen Anstieg der Volatilität darstellt und dafür spricht, dass sich der Trend nach einem möglichen Ausbruch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit fortsetzt.

Dow Jones Index Wochenchart
Auch auf dem Tageschart (unten) hat sich das Chartbild deutlich aufgehellt. Nach dem Seitwärtstrend zwischen März und Anfang Juli erfolgte der Ausbruch nach oben. Das erste Pullback an das Ausbruchsniveau folgte unmittelbar, woraufhin der Dow in den Tagen danach weiter ansteigen konnte. Allerdings fiel der Kurs anschließend anfangs August wieder zurück in die alte Seitwärts-Range und korrigierte bis auf 38.500 Punkte, bevor abermals eine Bewegung nach oben stattfand.
Mittlerweile stieg der Dow Jones über die abwärts verlaufende Trendlinie an (die Verbindung der Tagesschlusskurse der letzten beiden lokalen Hochpunkte) und hat somit ein weiteres wichtiges bullisches Signal generiert. Auch die gleitenden Durchschnitte bestätigen den Aufwärtstrend und signalisieren ein zunehmendes bullisches Momentum. (Die EMA 20 in lila verläuft über der EMA 50 in grün und der Abstand dieser beiden EMAs vergrößert sich.)

Dow Jones Tageschart
Wer daran denkt, auf die Aufwärtsbewegung aufzuspringen, sollte allerdings daran denken, dass das Chance-Risiko-Verhältnis zum aktuellen Zeitpunkt nicht sehr vorteilhaft ist. Da der Dow Jones in den letzten zwei bis drei Wochen sehr schnell anstieg und kurzfristig überkauft ist, kann eine Korrektur nicht ausgeschlossen werden. Sollte ein Pullback an die abwärts verlaufende Trendlinie bzw. bis in den Bereich der EMA 20 oder EMA 50 erfolgen, stehen die Chancen auf eine anschließende erneute Aufwärtsbewegung gut.
Falls der Dow diese Woche direkt weiter ansteigt, kann ebenfalls auf ein Pullback an das Ausbruchsniveau bei etwa 41.200 Punkten gewartet werden, um im zweiten Anlauf aus der Korrektur heraus den Trend bzw. die Aufwärtsbewegung zu handeln. Auch die Tatsache, dass der September saisonal einer der schwächsten Monate für den Aktienmarkt ist und Ende September bzw. Anfang Oktober saisonal einer der besten Einstiegszeitpunkte ist, spricht für dieses Vorgehen.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 26.08.2024

