Lieber Trader, liebe Börsenfreunde,
Mit einem Plus von rund 2,2 % und dem Ausbruch über die 47.000-Punkte-Marke zeigte der Dow Jones in der vergangenen Handelswoche erneut bemerkenswerte Stärke und beendete damit die kurzzeitige Korrektur der ersten Oktoberhälfte. Rückenwind kam vor allem von den rückläufigen Verbraucherpreisen, der Aussicht auf fallende Zinsen sowie Signalen einer Deeskalation im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt (wieder aufgenommene Gespräche, moderatere Töne bei Zöllen). Überwiegend solide Unternehmenszahlen aus der jüngst gestarteten Berichtssaison lieferten zudem positive Impulse.
Verbraucherpreisindex kühlt sich ab
Am Freitag, 24. Oktober 2025, wurden die Daten des Consumer Price Index (CPI) für den Monat September veröffentlicht (verspätet aufgrund des laufenden US-Regierungs-Shutdowns). Die Verbraucherpreise zeigen gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 3,0 % und lagen damit leicht unter den Erwartungen von 3,1 %. Auch die Kernrate, die volatile Komponenten wie Lebensmittel und Energie ausschließt, lag mit 3,0 % leicht unter den Erwartungen. Rückläufige Inflationsdaten reduzieren den Druck auf die Geldpolitik und liefern die Basis für weitere Lockerungen, wovon am Freitag auch der Dow Jones profitieren konnte.
Zinssenkung am Mittwoch ist ausgemachte Sache
Mit Blick auf die Fed-Sitzung diese Woche am Mittwoch (29.10.) ist aufgrund der moderaten Inflation und des schwächeren Arbeitsmarktes eine Zinssenkung um 25 Basispunkte weitgehend eingepreist. Neben dem Leitzins steht auch die Fed-Bilanz im Fokus: Eine Verlangsamung bzw. ein Stop beim Bilanzabbau (QT) würde die Finanzierungsbedingungen zusätzlich lockern. Beides zusammen wäre zusätzlicher Rückenwind für Aktien, insbesondere für zinssensitive Segmente wie Immobilien, Teile des Konsums und Qualitäts-Growth.
Berichtssaison nimmt diese Woche Fahrt auf
Die Berichtssaison liefert bislang überwiegend solide Ergebnisse. Von den im Dow Jones vertretenen Unternehmen stand letzte Woche Coca Cola im Fokus: Der Umsatz des Unternehmens kletterte auf 12,5 Mrd. $ und der Gewinn pro Aktie konnte mit 0,86 $ auf YOY-Basis um 30 % gesteigert werden. Parallel schoss die operative Marge von 21 % auf 32 % nach oben. Für 2025 peilt Coca Cola weiterhin 5–6 % organisches Umsatzplus und ein währungsbereinigtes EPS-Wachstum von etwa 8 % an. Beim freien Cashflow legt das Management die Messlatte höher und stellt mindestens 9,8 Mrd. $ in Aussicht. Die Zahlen kamen an der Börse äußerst gut an und die Coca Cola Aktie stieg am Dienstag rund 4 % an, bevor im weiteren Wochenverlauf eine Korrektur folgte.

Auch 3M veröffentlichte vergangene Woche starke Quartalsergebnisse, wovon die Aktie deutlich profitieren konnte und mit einem Wochenplus von mehr als 10 % die Gewinnerliste im Dow anführt. Der Umsatz des Unternehmens lag bei 6,5 Mrd. $ (+3,5 % YoY), der Gewinn pro Aktie stieg auf 2,19 $ (+10 % YoY), während die operative Marge auf 24,7 % zulegen konnte (+170 bp). Für das Gesamtjahr erhöhte 3M die EPS-Guidance auf 7,95–8,05 $ und stellte weitere Margenverbesserungen in Aussicht.

Diese Woche stehen zahlreiche weitere Quartalszahlen an, wobei der Fokus unter anderem auf Microsoft am Mittwoch sowie Apple und Amazon am Donnerstag liegen wird.
US Government Shutdown hält an
Ein weiteres Thema, das man nicht komplett aus den Augen verlieren sollte, ist der nach wie vor andauernde und ungelöste Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten. Der Bundeshaushalt der USA konnte zum 1. Oktober 2025 nicht rechtzeitig beschlossen werden, daher befindet sich die US-Regierung im sog. Shutdown.
Dieser Zustand führt zwar unter anderem zu einer massiven Verzögerung bei wichtigen Wirtschaftsstatistiken (z. B. Arbeitsmarktdaten, Inflationsdaten) und sorgt bei Regierungsaufträgen für Verzögerungen, die unmittelbaren Effekte auf den Dow sind bislang jedoch begrenzt. Je länger die Blockade andauert, desto größer ist allerdings das Risiko, dass dies das Sentiment eintrüben und auch realwirtschaftliche Auswirkungen haben kann. Für den Moment scheint der Shutdown aber für kaum Verunsicherung zu sorgen.
Charttechnischer Ausblick für den Dow Jones
Da sich der Dow Jones auf einem Allzeithoch befindet, ist das Chartbild relativ schnell analysiert. Der Aufwärtstrend ist intakt, und Korrekturen, wie wir sie in der ersten Oktoberhälfte gesehen haben, stellen grundsätzlich Gelegenheiten für Käufe bzw. Long-Trades dar.

Auch der S&P 500 und der Nasdaq 100 konnten am Freitag auf neue Höchststände ansteigen und bestätigen somit den Aufwärtstrend des breiten Marktes. Der Dow Jones Transportindex zeigt hingegen nach wie vor relative Schwäche, was grundsätzlich zwar ein Warnsignal darstellt; allerdings sprechen alle weiteren Signale aus der Charttechnik und Intermarket-Analyse derzeit für eine mittel- bis langfristige Fortsetzung des Bullenmarktes. Sollte dem Transportindex der Ausbruch über die 16.000-Punkte-Marke gelingen, wäre dies ein weiteres wichtiges trendbestätigendes Signal. Ein Ausbruch unter den Unterstützungsbereich bei rund 15.000 Punkten würde hingegen zu einem Abwärtstrend im Transportindex führen und wäre ein Signal, das man nicht ignorieren sollte.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 27.10.2025

