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Nachdem der DAX zu Beginn der vergangenen Handelswoche zunächst erneut unter Druck geriet, folgte vor dem Hintergrund der Entspannung im Nahost-Konflikt und rückläufiger Ölpreise im weiteren Wochenverlauf eine spürbare Erholungsrally. Vor allem am Freitag kam es zu einer starken Aufwärtsbewegung, die den Index auf Schlusskursbasis bis auf 24.702 Punkte und intraday sogar bis knapp 24.800 Punkte führte. Auf Wochenbasis stand damit ein Plus von rund 3,8 % zu Buche. Zum Wochenauftakt hatte die Unsicherheit nach gescheiterten Gesprächen und anhaltenden Spannungen rund um die Straße von Hormus den DAX noch belastet, ehe sich das Sentiment Schritt für Schritt aufhellte.
DAX erobert 200-Tage-Linie zurück
Mit der Korrektur im März hatte der DAX die wichtige Unterstützungszone bei 23.250 Punkten nach unten durchbrochen. Gleichzeitig fiel der Index unter alle wichtigen gleitenden Durchschnitte auf dem Tageschart. Mittlerweile hat der DAX sowohl die gebrochene Unterstützung als auch die Tages-EMA-200, ebenso wie EMA 50 und EMA 20, wieder zurückerobert.

Im Bereich von 24.600 Punkten befindet sich zwar noch ein kurzfristiger Widerstand, das mittel- bis langfristige Chartbild hat sich aber bereits wieder deutlich aufgehellt. Im Falle eines Abprallers beziehungsweise einer Korrektur wäre die Kurszone im Bereich von 23.800 bis 24.000 Punkten die wichtigste kurzfristige Unterstützung. Solange der Index oberhalb der zurückgewonnenen EMAs notiert, bleibt das Potenzial auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends bestehen.
Rückläufige Ölpreise sorgen für Entspannung
Der wohl wichtigste Kurstreiber der Woche war die Entwicklung am Ölmarkt. Zu Wochenbeginn stand noch die Sorge im Raum, dass die Lage im Nahen Osten weiter eskaliert und die Straße von Hormus weiter geschlossen bleiben könnte. Entsprechend hoch blieb zunächst die geopolitische Risikoprämie.
Als sich im weiteren Wochenverlauf die Stimmung drehte und die Öffnung der Meeresenge die Schlagzeilen beherrschte, brachen die Ölpreise am Freitag massiv ein; Brent und WTI erlitten ihren stärksten Tagesrückgang seit Anfang April, während europäische Aktienmärkte und auch der DAX kräftig anzogen. Für den Aktienmarkt war das ein klares Signal: Sinkende Energiepreise nehmen den Inflationsdruck kurzfristig heraus und entlasten zugleich zyklische Branchen.
Eskalationspotenzial bleibt bestehen
Trotz der Entspannung bleibt die Lage weiterhin fragil. Bereits am Wochenende tauchten wieder negative Schlagzeilen auf: Die Unsicherheit rund um die Waffenruhe nahm erneut zu, Tanker wurden zurückgewiesen und die Diskussion um die Kontrolle über die Straße von Hormus flammte wieder auf. Genau das ist der Punkt, den man für den Wochenstart im Blick behalten muss. Der DAX hat sich letzte Woche zwar eindrucksvoll zurückgemeldet, aber die Erholung steht auf einem Fundament, das weiterhin stark headline-getrieben ist. Kommen neue Eskalationsmeldungen, könnte der Markt zu Beginn der neuen Woche sofort wieder Risiko abbauen. 
Amerikanische Aktienmärkte auf Allzeithochs
Ein weiterer wichtiger Taktgeber für den DAX bleiben die US-Börsen. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite erreichten in der vergangenen Woche bereits neue Allzeithochs. Am Freitag gelang beiden Indizes bereits der dritte Rekordschluss in Folge. Gerade der Technologiesektor in den USA bleibt für die globale Risikobereitschaft enorm wichtig. Wenn an der Wall Street neue Hochs gekauft werden, verbessert das in der Regel auch die Stimmung für europäische Aktien, selbst wenn Europa fundamental aktuell schwächer aufgestellt ist.
Inflationsrisiken und schwächere Makro-Daten aus Deutschland
So positiv die Kurserholung im Wochenverlauf war, so wichtig ist der Blick auf das fundamentale Gesamtbild. Denn unter der Oberfläche bleibt die Lage für den deutschen Aktienmarkt vergleichsweise fragil. Deutschland ist konjunkturell anfälliger für Energiepreisschocks als die USA, und genau deshalb hat die geopolitische Lage hier ein größeres Gewicht. Gleichzeitig zeigt sich immer klarer, dass die Wirtschaft nicht nur mit kurzfristiger Unsicherheit kämpft, sondern auch mit einem insgesamt schwächeren Wachstumsausblick. Für den DAX bedeutet das: Die Rally war überzeugend, sie steht aber einem Makroumfeld gegenüber, das längst nicht so freundlich ist, wie es die Entwicklung der letzten Woche auf den ersten Blick vermuten lässt.
Wachstumsprognosen unter Druck
Die Sorgen zeigen sich besonders deutlich bei den jüngsten Wachstumsprognosen. Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft wurde in der vergangenen Woche erneut gesenkt. Die Bundesregierung erwartet für 2026 nur noch 0,5 % Wachstum statt zuvor 1,0 %, für 2027 wurden die Erwartungen ebenfalls reduziert. Parallel dazu kappte auch der IWF seine Erwartungen für Deutschland und rechnet nun nur noch mit 0,8 % Wachstum im Jahr 2026 und 1,2 % im Jahr 2027. Für den DAX heißt das: Selbst wenn die Stimmung kurzfristig dreht, bleibt der fundamentale Rückenwind begrenzt.
Was Lagardes Aussagen für den DAX bedeuten
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdienen die Aussagen von Christine Lagarde. Die EZB-Präsidentin machte deutlich, dass der Krieg im Nahen Osten das Wachstum in der Eurozone belasten und gleichzeitig die Inflation über die ohnehin bereits erhöhten Projektionen hinaustreiben könnte. Genau diese Kombination ist für Aktienmärkte unangenehm: schwächeres Wachstum bei gleichzeitigem Inflationsdruck. Zwar wurde eine unmittelbare Reaktion der EZB vom Markt zuletzt nicht als wahrscheinlich eingestuft, doch die Aussagen der Notenbank mahnen weiterhin zur Vorsicht. Für den DAX bedeutet das, dass die Geldpolitik kein verlässlicher Rückenwind ist. Sollte der Ölpreis erneut anziehen oder sich Zweitrundeneffekte bei den Preisen zeigen, könnte das Zinssenkungs- oder Lockerungsfantasien weiter dämpfen. 
Autor Tobias Schmid
Datum: 20.04.2026

