Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Mit einem Punktestand von 23.272 verabschiedete sich der Nasdaq 100 am vergangenen Freitag erneut mit einem Allzeithoch ins Wochenende. Seit Jahresbeginn notiert der Technologieindex mittlerweile 10,8 % im Plus. Der Aufwärtstrend ist in vollem Gange und sowohl das technische als auch das fundamentale Bild sprechen mittelfristig für eine Fortsetzung des Bullenmarktes.
Robuste Konjunkturdaten
Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA zeigen eine weiterhin erstaunlich widerstandsfähige Konjunktur, ohne dass sich die Inflationsrisiken spürbar zuspitzen. Zwar legten die Verbraucherpreise im Juni mit +0,3 % zum Vormonat so kräftig zu wie seit fünf Monaten nicht mehr, die Kerninflation blieb jedoch insgesamt moderat. Parallel signalisieren Frühindikatoren wie Arbeitsmarkt und Konsumausgaben eine robuste Grunddynamik. Allerdings gibt es auch erste warnende Signale: Die Auftragseingänge für langlebige Investitionsgüter fielen im Juni beispielsweise überraschend schwach aus, was auf nachlassende Investitionsbereitschaft hindeutet.
Zinssenkung im September möglich
Aufgrund der wieder etwas heißeren Inflationsdaten ist eine Zinssenkung der Fed bei der Sitzung am 29./30. Juli nahezu ausgeschlossen
Gleichzeitig preisen die Fed-Funds-Futures einen ersten Zinsschritt im September mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 60 % ein. Politisch erhöht US-Präsident Trump den öffentlichen Druck und signalisiert, dass Fed-Chef Powell inzwischen offen für Zinssenkungen sein könnte.
Unterm Strich wirkt das Zinsumfeld somit planbar: Keine akuten neuen Straffungen, eher ein vorsichtig anbahnender Lockerungszyklus. Für Wachstums- und Tech-Titel, insbesondere an der Nasdaq, bedeutet das grundsätzlich Rückenwind; sinkende Finanzierungskosten stützen hohe Bewertungen und könnten den Risikoappetit von Investoren wieder etwas anfachen.
KI-Euphorie hält an
Der Boom rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) hält weiterhin an und ist nach wie vor ein wichtiger Kurstreiber hinter dem aktuellen Bullenmarkt: Schwergewichte wie NVIDIA profitieren von ungebrochener Nachfrage nach KI-Chips und -Infrastruktur. Mitte Juli verhalfen Nachrichten über gelockerte Exportbeschränkungen der NVIDIA-Aktie zu einem Kurssprung, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, seinen spezialisierten H20-KI-Chip wieder an chinesische Kunden liefern zu dürfen.
Neben Nvidia konnte der gesamte Halbleitersektor von diesen Nachrichten profitieren. Unter anderem legte auch AMD über 6 % zu und der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) stieg auf den höchsten Stand seit einem Jahr.
Generative KI, Cloud-Computing und Digitalisierung dürften langfristig die wichtigsten Wachstumstreiber für Nasdaq-Unternehmen bleiben. Entsprechend flossen bei Kursrücksetzern schnell wieder Gelder in Tech-Titel, was die Widerstandsfähigkeit der Rally unterstreicht.
Berichtssaison nimmt Fahrt auf
Darüber hinaus stehen derzeit wieder die Quartalsergebnisse von “Corporate America” im Fokus: Die Berichtssaison zum 2. Quartal 2025 lieferte bislang überwiegend positive Überraschungen und untermauerte die Rekordjagd fundamental. Rund 83 % der bisher gemeldeten US-Unternehmen übertrafen die Gewinnerwartungen der Analysten. Dieser außergewöhnlich positive Start in die Berichtssaison dürfte somit das Vertrauen von Anlegern weiter stärken.
Insbesondere die großen Tech-Konzerne tragen erheblich zum Gewinnwachstum bei: Analysten prognostizieren ein durchschnittliches Gewinnplus von etwa 7–8 % gegenüber dem Vorjahr für den S&P 500, wobei ein Großteil dieses Zuwachses auf die Tech-Giganten im Nasdaq 100 entfällt. Die Aussicht auf starke Zahlen von Microsoft, Apple, Amazon und Meta (allesamt Index-Schwergewichte, deren Berichte kurz bevorstehen) sorgten zuletzt ebenfalls bereits im Vorfeld für Optimismus.
Bereits in den letzten Tagen wurden einige wichtige Quartalszahlen veröffentlicht:
- Netflix überraschte zum Beispiel mit zweistelligen Zuwächsen bei Umsatz und Abonnentenzahlen und hob seine Prognose an, was die Robustheit des Medien- und Cloud-Geschäfts unterstrich.
- Auch diverse Industrie- und Konsumtitel außerhalb des Tech-Sektors – etwa der Schuhhersteller Deckers – meldeten unerwartet hohe Gewinne, was auf eine anhaltend solide Konsumnachfrage hindeutet.
- Negativ fiel bspw. der Chipriese Intel auf, mit einem überraschenden Quartalsverlust –0,10 $ pro Aktie statt des erwarteten leichten Gewinns. Intel kündigte zudem einschneidende Sparmaßnahmen an, darunter einen Personalabbau um 15 % bis Jahresende. Die Intel-Aktie büßte daraufhin etwa 8–10 % ein, was die allgemeine Stärke des KI-getriebenen Halbleitersegments kurzzeitig relativierte.
- Besondere Aufmerksamkeit galt den Ergebnissen von Tesla, einem der bekanntesten Nasdaq-Titel. Der Elektroauto-Pionier musste im zweiten Quartal einen Rückgang von Umsatz und Gewinn hinnehmen, und das bereits das zweite Quartal in Folge. In wichtigen Märkten wie den USA und China gingen die Verkaufszahlen zurück, und die Gewinnmargen standen unter Druck. CEO Elon Musk stimmte die Investoren auf „ein paar harte Quartale” ein, da zum Jahresende in den USA wichtige Steuervergünstigungen für E-Fahrzeuge auslaufen und dadurch die Nachfrage kurzfristig weiter gedämpft werden könnte. Diese unerfreulichen Nachrichten ließen die Tesla-Aktie zunächst um fast 9 % einbrechen. Allerdings erholte sich der Kurs bis zum Wochenschluss teilweise wieder (+3,5 % am folgenden Tag) , was zeigt, dass Anleger die längerfristigen Perspektiven (etwa durch Teslas Fortschritte in autonomem Fahren und Robotik) weiterhin positiv bewerten.
Unterstützende Signale der Marktbreite
Auch die Marktbreite bestätigt den Aufwärtstrend: Der Nasdaq Composite Index und der gleichgewichtete QQQEW markierten ebenfalls neue Allzeithochs. Im Nasdaq 100 notieren aktuell 74 % aller Aktien über ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (SMA 200) – ein klares Stärke- und Trendbestätigungssignal. Begleitet wird dies von einer soliden Advance/Decline-Entwicklung und einem günstigen Verhältnis neuer 52-Wochen-Hochs zu -Tiefs, was die Rally auf eine breite Basis stellt und Rücksetzer bislang zügig absorbieren lässt.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 28.07.2025

