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Nachdem die Aktienmärkte zu Wochenbeginn zunächst schwach tendierten und ihre Korrekturen fortgesetzt hatten, folgte am Freitag (22. August) eine starke Aufwärtsbewegung. Auslöser war die Rede von Fed-Chef Jerome Powell auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole, in der er eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht stellte. Der Nasdaq 100 Index stieg am Freitag 1,5 Prozent an, beendete die Woche aber mit einem Minus von 0,9 Prozent
Powell öffnet Tür für Zinssenkungen
In seiner Ansprache auf der Jackson Hole Konferenz signalisierte Powell vorsichtig eine mögliche Lockerung der Geldpolitik. Er stellte in Aussicht, dass die „Verschiebung der Risiko-Balance“ eine Anpassung des geldpolitischen Kurses rechtfertigen könnte. Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins im laufenden Jahr 2025 bislang unverändert in der Spanne von 4,25 %–4,50 % belassen. Entsprechend erleichtert reagierten die Märkte auf Powells vorsichtige Kehrtwende: Die Aussicht auf bald sinkende Zinsen setzte einen Kursschub in Gang und weckte neue Risikofreude an den Börsen.
An den Terminmärkten stiegen die Erwartungen für eine schnelle Zinssenkung. Laut dem FedWatch-Tool der CME stieg die Wahrscheinlichkeit auf eine Zinssenkung im September zwischenzeitlich bis auf 90 Prozent an.
Auch die Anleiherenditen gaben spürbar nach: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe fiel nach Powells Kommentaren um fast 9 Basispunkte auf etwa 4,24 % , nachdem sie noch Anfang der Woche infolge heißer Inflationsdaten zeitweise über 4,3 % gelegen hatte.
Powell betonte zwar, dass die Kerninflation aufgrund von Zoll-Effekten weiterhin über dem 2%-Ziel liege, doch gleichzeitig sieht die Fed zunehmend Abwärtsrisiken für Wachstum und den Arbeitsmarkt.
Tech-Branche zwischen Inflationssorgen und KI-Hype
Vor Powells Rede erhielten die Aktienmärkte zuletzt zumindest kurzfristig ein wenig Gegenwind. Zum einen sorgten neue Inflationsängste für Verunsicherung: Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli einen Anstieg des Erzeugerpreisindex (PPI) um +0,9 % gegenüber dem Vormonat, bzw. +3,3 % im Jahresvergleich. Andererseits rückten Bewertungen in den Fokus: Nach dem starken Kursanstieg vieler Tech-Aktien mehrten sich Stimmen, die vor einer möglichen Überhitzung im KI-Sektor warnten. Selbst OpenAI-Chef Sam Altman sprach von Anzeichen einer “KI-Blase”, da teils winzige Startups zu exorbitanten Bewertungen finanziert würden. Die Kombination aus Inflationssorgen und Bewertungsängsten führte dazu, dass der Nasdaq 100 bis zur Wochenmitte seinen größten Rücksetzer seit Mai erlitt.
Big Tech und Nebenwerte führen Erholungsrally an
Nach der Jackson Hole Rede von Jerome Powell kam es am Freitag zu einer breiten Erholungsrally, insbesondere bei zinssensitiven Wachstumsaktien. Die zuvor schwächelnden Mega-Cap-Techs konnten größtenteils zulegen.
- Die Tesla Aktie stieg rund 6 % und führte damit am Freitag die Gewinner-Liste der Magnificent 7 an.
- Auch Alphabet und Amazon konnten rund +3 % zulegen.
- Meta Platforms stieg um ca. +2 % an.
- Nvidia zeigte eine Performance von +1,7 %.
- Apple konnte hingegen “nur” 1,3 % ansteigen.
- Auch Microsoft drehte ins Plus und legte 0,6 % zu.
Die Kauflaune war allerdings nicht nur auf die bekannten Tech-Schwergewichte beschränkt: Halbleiterwerte profitierten insgesamt deutlich von der Aussicht auf fallende Zinsen. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg am Freitag um +2,7 %. Insbesondere Intel machte hier Schlagzeilen und die Aktie schoss um 5,5 % nach oben. Hintergrund war die Meldung, dass die US-Regierung eine 10%‑Beteiligung an dem Chipkonzern erwirbt, um die heimische Halbleiterindustrie zu stärken.
Neben der Tech-Branche reagierten auch andere zinssensitive Werte positiv, wie bspw. Aktien aus der Immobilien- und Baubranche sowie Nebenwerte. Der Small-Cap-Index Russell 2000 stieg um fast 4 % auf den höchsten Stand des Jahres.
Charttechnik: Allzeithoch bei 24.000 Punkten im Visier
Die jüngste Korrektur im Nasdaq 100 hat das übergeordnete Chartszenario bislang nicht beschädigt. Aus technischer Sicht handelte es sich um einen gesunden Pullback nach einer überhitzten Phase. Der Index markierte zuletzt am 13. August ein neues Rekordhoch bei knapp 24.000 Punkten, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.
In der Folge fiel der Nasdaq 100 in fünf Handelstagen um etwa 4,2 % auf ein Zwischentief von rund 22.970 Punkten am 20. August. Der Kursbereich bei 22.950–23.000 Punkte erwies sich als wichtige Unterstützung: Hier verläuft die 50-Tage-Linie sowie ein horizontaler Support.

Auf der Oberseite rückt nun erneut das Allzeithoch in den Fokus. Kurzfristig bildet der Bereich um 23.400–23.600 Punkte einen technischen Widerstand, den es zu überwinden gilt. Gelingt dem Nasdaq 100 Index ein Ausbruch über 23.600 Punkte, würde dies als prozyklisches Kaufsignal gelten und den Weg frei machen für einen erneuten Angriff auf die Rekordmarke bei rund 24.000 Punkten.
Auf der Unterseite ist die genannte Unterstützungszone bei 22.800 bis 2300 Punkten wichtig für den kurzfristigen Trend. Sollte der Nasdaq 100 diese Kurszone unterschreiten, würde eine ausgedehntere Korrektur drohen.
Die nächste wichtige langfrsitige Unterstützung befindet sich bei etwa 22.000 Punkten. Hier befinden sich die alten Allzeithochs sowie die 100-Tage-Linie.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 25.08.2025
