Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Während der Dow Jones letzte Woche ein neues Allzeithoch erreichte, geriet der Nasdaq 100 unter Druck und beendete die Woche mit einem Minus von 1,9 %. Nachdem viele Anleger nach der Fed-Sitzung zunächst auf Rückenwind für Aktien setzten, kippte die Stimmung im Tech-Sektor spürbar.
Fed-Zinsentscheid und Signalwirkung für den Markt
Wie von den Terminmärkten mehrheitlich erwartet, senkte die Fed am vergangenen Mittwoch den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,50 % – 3,75 %. Es war die dritte Zinssenkung in Folge (nach den Zinsschritten im September und Oktober). Wichtiger als der Cut selbst war die Kommunikation:
- Risiko-Balance verschiebt sich: Die Fed betonte, dass Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt zuletzt zugenommen haben.
- Gleichzeitig bleibt die Inflation „somewhat elevated“. Also nicht „Mission accomplished“.
- Der Satzbau zur Forward Guidance wurde klar auf „Extent and timing“ weiterer Schritte ausgerichtet, sprich: kein Automatismus für schnelle weitere Zinssenkungen.
- Es gab 3 Gegenstimmen: Eine für war für eine Senkung um 50 Basispunkte, zwei für gar nicht senken; ein Signal, dass die Fed intern deutlich gespalten ist.
Liquidität & „Reserve Management Purchases“
Abseits der großen Schlagzeilen zum Leitzins verkündete die Fed eine technische, aber für die Marktstruktur enorm wichtige Nachricht: Die Erklärung, dass die Bankreserven zwar aktuell als „ample“ (reichlich) angesehen werden, man aber proaktiv Maßnahmen ergreift, um diesen Zustand dauerhaft zu sichern und Volatilität am Geldmarkt zu verhindern.
Konkret kündigte die Notenbank an, Käufe von kurzlaufenden US-Staatsanleihen (Treasury Bills) wieder aufzunehmen. Das Programm startete bereits am Freitag, den 12.12.2025, mit einem initialen Volumen von rund 40 Mrd. USD pro Monat.
- Technik statt Stimulus (Kein QE): Die Fed legt großen Wert darauf, dass dies nicht als „Quantitative Easing“ (QE) zur Konjunkturstimulierung missverstanden wird. Es handelt sich um ein rein technisches „Reserve Management“.
- Das Trauma von 2019 vermeiden: Ziel ist die Sicherstellung der Marktfunktion. Die Fed will unter allen Umständen vermeiden, dass Stress am Repo-Markt die Zinssteuerung torpediert; ein Szenario, das schmerzhafte Erinnerungen an die Repo-Krise im September 2019 weckt.
Relative Schwäche im Nasdaq 100
Während der Dow Jones und der Russell 2000 letzte Woche neue Hochs markierten, schloss der Nasdaq 100 die Woche im Minus ab. Diese Divergenz lässt sich auf drei Kernfaktoren zurückführen:
1.) Enttäuschende Earnings von Tech-Schwergewichten
In einer Woche, in der das Makro-Umfeld grundsätzlich unterstützend wirkte, sind die Belastungsfaktoren im Tech-Sektor vor allem auf spezifische Mikro-Faktoren zurückzuführen. Im Fokus standen insbesondere die Quartalszahlen von Oracle und Broadcom; zwei Titel, die der Markt inzwischen als eine Art „Thermometer“ für KI-Infrastruktur-Ausgaben (Cloud, Rechenzentren, Networking, Custom Chips) betrachtet.
Beide Unternehmen übertrafen zwar beim Gewinn je Aktie (EPS) die Erwartungen, die Aktien gerieten aber dennoch unter Druck, weil die Börse in dieser Phase weniger den „Bottom-Line-Beat“ belohnt, sondern nach Bestätigung für die nächste Wachstumsstufe der KI-Nachfrage sucht.
Bei Oracle sorgte vor allem die Umsatz- und Wachstumsqualität für Skepsis: Der Markt hatte nicht nur solide Zahlen erwartet, sondern klare Signale, dass sich die KI-getriebene Cloud-Dynamik noch stärker beschleunigt. Da diese Signale ausblieben, setzte nach den Earnings ein klassisches “Sell on good news” ein.
Bei Broadcom waren die Reaktionen ähnlich, aber mit einem etwas anderen Schwerpunkt: Broadcom gilt ebenfalls als wichtiger Profiteur des KI-Booms (Netzwerk/Connectivity, Rechenzentrums-Komponenten und besonders das Thema Custom Silicon/Accelerator-Ökosystem). Die Broadcom-Aktie befindet sich allerdings bereits auf einem Bewertungsniveau, das nur gerechtfertigt ist, wenn sich der KI-Trend reibungslos in hohe Wachstumsraten plus stabile oder sogar steigende Margen übersetzt. Ein EPS-Beat allein reicht in so einer Phase nicht, wenn Investoren parallel befürchten, dass KI-Umsätze zwar steigen, aber die Margen schlechter ausfallen als erhofft, oder der Wettbewerb und Preisdruck zunimmt.
2.) Wachstum vs Bewertung
Zum Jahresende 2025 stellen sich viele Fondsmanager die Frage: Wie viel Wachstum ist schon eingepreist? Viele Mega-Caps handelten zu Beginn der Woche auf historisch hohen Multiplikatoren. Die Fed-Entscheidung war eine Art Katalysator, um Risiko aus diesen "crowded trades" zu nehmen und in günstigere Marktsegmente zu verschieben.
3.) Rotation begünstigt "Old Economy"
Mit der Zinssenkung der Fed und ihrem Signal, dass weitere Schritte stärker von den kommenden Daten abhängen, positionierte sich der Markt für ein Szenario ohne harte Rezession (eher “Soft-Landing” bis “No-Landing”). Die Fed-Projektionen deuten zudem auf ein weiterhin ordentliches Wachstum 2026 hin (u. a. ein höherer 2026-Wachstumsausblick). In so einem Umfeld laufen typischerweise Industrie-, Finanz- und Transportwerte besser als hoch bewertete Wachstumswerte, die stärker von fallenden Renditen und „perfekten“ Wachstums-Stories abhängig sind.
Technischer Ausblick für den Nasdaq 100
Solange die relative Schwäche im Nasdaq 100 nur eine kurzfristige Korrektur ist, besteht vorerst kein allzu großer Grund zur Sorge. Auf dem folgenden Tageschart erkennen Sie, dass der Nasdaq 100 Index charttechnisch bei rund 25.000 Punkten im Bereich der EMA 50 (grün) kurzfristig gut unterstützt ist. Selbst im Falle einer Fortsetzung der Korrektur wäre der langfristige Aufwärtstrend noch nicht in Gefahr, solange die Unterstützungszone im Bereich der runden 24.000-Punkte-Marke nicht unterschritten wird.

Mittel- bis langfristig wäre eine relative Schwäche des Nasdaq 100 wohl aber ein ernstzunehmendes Warnsignal für den breiten Bullenmarkt. Auf dem folgenden Relationschart wurde der QQQ (Nasdaq 100 ETF) durch den SPY (S&P 500 ETF) dividiert. Die seit Anfang November andauernde Korrektur (= relative Schwäche des Nasdaq 100) ist hier deutlich zu erkennen.
Für den weiteren Verlauf entscheidend ist nun, ob die eingezeichnete Unterstützung verteidigt werden kann. Ein Ausbruch über den letzten lokalen Hochpunkt auf der Oberseite würde hingegen eine erneute Outperformance des Nasdaq 100 signalisieren, was zudem mit einem Aufwärtstrend des breiten Marktes korreliert.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 15.12.2025

