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In der vergangenen Handelswoche standen beim Nasdaq 100 vor allem zwei Themen im Mittelpunkt: die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Nvidia und die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole. Während Nvidia mit starken Zahlen und einem abermals überraschend optimistischen Ausblick die weiterhin hohe Dynamik des AI-Booms unterstrich, sorgte Warsh zum Wochenschluss mit einer restriktiveren Haltung zur Inflation und den Leitzinsen für Gegenwind bei Technologieaktien. Unterm Strich konnte der Nasdaq 100 die Handelswoche dennoch mit einem leichten Plus beenden.
Nvidia übertrifft Erwartungen: AI-Boom bleibt intakt
Die Quartalszahlen von Nvidia wurden am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlicht und mit großer Spannung erwartet. Nvidia gilt inzwischen als wichtiger Gradmesser für die Frage, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz weiterhin mit ungebremstem Tempo fortgesetzt werden.
Nvidia konnte die hohen Erwartungen der Analysten einmal mehr übertreffen. Der Umsatz stieg im zweiten Geschäftsquartal gegenüber dem Vorjahr um 106 Prozent auf 96,2 Milliarden US-Dollar, während der wichtige Data-Center-Umsatz sogar um 117 Prozent auf 89 Milliarden US-Dollar zulegte. Für das laufende Quartal stellt Nvidia einen Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Besonders positiv wurde vom Markt aufgenommen, dass Nvidia für das kommende Geschäftsjahr (Fiskaljahr 2028) vorläufig mit einem weiteren Umsatzwachstum von rund 70 Prozent rechnet. Gleichzeitig warnte das Unternehmen allerdings vor steigenden Kosten und Engpässen bei Speicherkomponenten, wodurch die Bruttomarge vorübergehend unter Druck geraten könnte. Die Nvidia-Aktie reagierte am Donnerstag dennoch mit einem Anstieg von 8,7 Prozent, während der Nasdaq 100 um 1,43 Prozent zulegte.

Jackson Hole: Warsh bleibt deutlich restriktiver als vom Markt erhofft
Für Gegenwind sorgte zum Wochenschluss Fed-Chef Kevin Warsh bei seiner ersten Rede als Vorsitzender der US-Notenbank in Jackson Hole. Warsh stellte klar, dass das Inflationsziel von 2 Prozent weiterhin gilt und die Fed weiter handeln müsse, falls die Inflation nicht ausreichend schnell zurückgeht.
Gleichzeitig betonte Warsh, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin in einer robusten Verfassung befindet. Außerdem zeigt sich der Arbeitsmarkt stabil, der Konsum bleibt stark und auch die bislang hohen Zinsen haben die wirtschaftliche Aktivität noch nicht wesentlich gebremst.
Entsprechend stieg die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September gemäß CME FedWatch Tool von rund 35 auf etwa 57 Prozent. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen zog an, während besonders zinssensitive Technologieaktien unter Druck gerieten. Der Nasdaq 100 verlor am Freitag 0,70 Prozent, Nvidia gab 4,6 Prozent nach.

Weshalb steigende Zinsen nicht zwingend schlecht für den Nasdaq 100 sind
Steigende Zinsen bedeuten insbesondere für hoch bewertete Technologieaktien zunächst Gegenwind, da zukünftige Gewinne bei höheren Diskontsätzen weniger wert sind. Trotzdem muss eine weitere Zinserhöhung nicht automatisch negativ für den Nasdaq 100 sein. Entscheidend ist vor allem, warum die Fed die Zinsen anhebt.
Historisch waren Zinserhöhungszyklen keineswegs immer schlecht für Aktien. J.P. Morgan hat die sechs abgeschlossenen Fed-Hiking-Cycles zwischen 1983 und 2019 untersucht: In fünf davon stieg der S&P 500. Im Durchschnitt legte der Index während dieser Phasen sogar um 13,6 Prozent zu, obwohl die Fed den Leitzins im Schnitt um fast 300 Basispunkte anhob.
Der Zinserhöhungszyklus ab 2022 zeigt allerdings auch die andere Seite. Damals musste die Fed aufgrund der stark gestiegenen Inflation besonders aggressiv gegensteuern. Der Leitzins wurde um insgesamt 425 Basispunkte angehoben, während der S&P 500 zwischenzeitlich rund 27,5 Prozent verlor.
Der Grund dafür ist, dass Zinserhöhungen häufig in einem wirtschaftlich starken Umfeld stattfinden. Genau das ist auch aktuell der entscheidende Punkt. Arbeitsmarkt und Konsum bleiben robust, während die Unternehmensgewinne weiter wachsen.
Problematisch wäre es vor allem dann, wenn die Inflation erneut deutlich anzieht und die Fed zu einem aggressiven Zinserhöhungszyklus gezwungen wird. Eine einzelne Zinserhöhung um 25 Basispunkte wäre dagegen noch kein Grund, grundsätzlich bärisch für den Nasdaq 100 zu werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Steigen die Zinsen? Sondern: Warum steigen die Zinsen?
Charttechnischer Ausblick für den Nasdaq 100 Index
Charttechnisch befindet sich der Nasdaq 100 Index weiterhin in einer Konsolidierungsphase, nachdem zuletzt Anfang Juni ein Allzeithoch erreicht wurde. Der S&P 500, der Dow Jones Industrial Average sowie der Russell 2000 erreichten hingegen bereits im August neue Höchststände.
Der Nasdaq 100 konsolidiert indes in einem absteigenden Dreieck, bei dem Ende Juli ein Fehlausbruch auf der Unterseite stattfand.

Erst ein Ausbruch über die 31.100 Punkte-Marke würde einen deutlichen Ausbruch aus dem Dreieck signalisieren, mit einem zeitgleichen Ausbruch über das obere Bollinger-Band.
Im Falle eines Ausbruchs unter die breite Unterstützungszone zwischen 28.600 - 29.000 Punkten, läge das nächste Korrekturziel im Bereich der Tages-EMA 200 (rot) in Verbindung mit dem lokalen Tief vom 29. Juli bei etwa 27.250 - 27.300 Punkten.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 31.08.2026

