Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
In den letzten sieben Wochen sahen wir im S&P 500 einige historische Kursbewegungen. Nach dem massiven Einbruch und der Explosion der Volatilität Anfang April folgte eine Rally, die ebenso rekordverdächtig war und für viele Anleger überraschend kam. Mittlerweile hat der S&P 500 alle wichtigen charttechnischen Widerstände zurückerobert und auch die Signale aus der Intermarket-Analyse sprechen für eine mittelfristige Fortsetzung des Bullenmarktes, wenngleich der Markt kurzfristige bereits wieder überkauft ist.
Weekly RSI mit langfristigem Signal
Wie stark der S&P 500 Index überverkauft war, wird unter anderem bei einem Blick auf den wöchentlichen RSI deutlich.

Seit 2008 gab es zuvor nur sechs Fälle, in denen der Weekly RSI in die Nähe des überverkauften Bereiches geriet (blaue horizontale Linien). Jeder dieser Fälle markierte einen bedeutenden langfristigen Wendepunkt und stellte den Beginn einer längerfristigen Aufwärtsbewegung dar.
Die Ausgangslage für eine Fortsetzung bzw. eine Wiederaufnahme des Bullenmarktes ist daher - zumindest was dieses Signal betrifft - denkbar gut. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Weg nach oben ohne Hindernisse verlaufen muss. Auch nach den vorherigen Signalen im Weekly RSI kam es anschließend immer wieder zu Konsolidierungen und Korrekturen. Diese spielten sich aber eher im kurzfristigen Bereich ab.
S&P 500 kurzfristig überkauft
Nach der massiven Rally seit dem 7. April befindet sich der S&P 500 mittlerweile bereits wieder im überkauften Territorium. Aus Chance-Risiko-Perspektive wäre daher das Abwarten einer Konsolidierung oder Korrektur keine schlechte Idee.
Neben klassischen Oszillatoren wie dem RSI, Stochastik, ö.ä. gibt es ein Werkzeug aus der Intermarket-Analyse, dessen Signale hervorragend funktionieren. Dabei wird ganz einfach geschaut, wie viele Aktien des S&P 500 über einem bestimmten gleitenden Durchschnitt notieren (SMA). Die SMA 20 kann hier für den kurzfristigen Trend herangezogen werden.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wenn mindestens 80 % aller Aktien im S&P 500 über der SMA 20 notieren (rote gestrichelte Linien im Chart), die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Index zunächst eine Verschnaufpause einlegt. Derzeit notieren sogar 88 % der Aktien über der 20-Tage-Linie.

Marktbreite signalisiert Stärke
Auch wenn der Markt kurzfristig überkauft ist, spricht auf Basis der aktuellen Signallage das Basis-Szenario für eine mittel- bis langfristige Fortsetzung des Aufwärtstrends. Der S&P 500 Index konnte den wichtigen Widerstandsbereich bei 5750 Punkten überwinden und auch alle wichtigen gleitenden Durchschnitte hinter sich lassen. Sollte es zu einer kurzfristigen Korrektur kommen, wäre somit eine starke charttechnische Unterstützung vorhanden.

Die Magnificent-7-Aktien waren im vergangenen Jahr einer der wichtigsten Triebkräfte hinter dem Aufwärtstrend. Dieses Jahr hingegen waren die Mag-7 aufgrund ihrer relativen Schwäche ein starker Belastungsfaktor, der den Markt mit nach unten zog. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Gesamtmarktanalyse auch ein Augenmerk auf diese Schwergewichte zu legen, da sie das Potenzial besitzen, zu einer nachhaltigen Bewegung im Index zu führen.
In der folgenden Übersicht sehen Sie die Charts der Magnificent-7-Aktien mit einem Zeitraum für die letzten sechs Monate. Amazon, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia und Tesla konnten bereits wichtige charttechnische Widerstände überschreiten und Aufwärtstrends ausbilden. Die Charts von Apple und Google sehen zwar auch nicht schwach aus, ein Ausbruch nach oben und die Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends fand hier allerdings noch nicht statt.

Neben der Frage, wie sich die führenden Aktien verhalten, ist es wichtig, auch die Marktbreite im Blick zu behalten. Ziel dabei ist es, herauszufinden, ob die breite Masse aller Aktien am Aufwärtstrend partizipieren kann, oder ob der Index nur durch ein paar wenige Schwergewichte (Mag-7) nach oben gedrückt wird.
In den letzten Wochen sahen wir bereits deutliche bullische Signale der Marktbreite. Einerseits signalisierte die Advance-Decline-Line, die sehr häufig vorauslaufende Signale generiert, eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch im S&P 500.

Darüber hinaus sehen wir mittlerweile wieder eine steigende Anzahl an Aktien, die neue 52-Wochen-Hochs generieren und vergleichsweise wenige Aktien mit neuen 52-Wochen-Tiefs.

Auch die Anzahl an Aktien im S&P 500, die oberhalb der SMA 200 notieren, stieg zuletzt wieder deutlich an. Mittlerweile befinden sich rund 58 % der Index-Mitglieder über der 200-Tage-Linie.

Neben den klassischen Marktbreite-Indikatoern zeigt sich eine weitere Entwicklung, die typisch für Bullenmärkte ist und somit den Bull Case unterstützt: Und zwar die offensive Sektoren-Rotation. Investoren kaufen derzeit wieder vermehrt pro-zyklische Aktien und gehen somit ins Risiko, während defensive Titel verkauft werden. Seit dem 7.April (der Tag, an dem im S&P 500 das Tief markiert wurde) konnten offensive Sektoren wie Technology (XLK), Industrials (XLI), Communications Services (XLC) und Consumer Discretionary (XLY) überproportional ansteigen. Die defensiven Sektoren wie Health Care (XLV), Consumer Staples (XLP) und Utilities (XLU) sind hingegen die Schlusslichter.

Autor: Tobias Schmid
Datum: 19.05.2025
