Liebe Trader, liebe Börsenfreunde,
nach fünf Monaten mit Kursgewinnen war der August der erste Monat mit einer moderaten Korrektur im S&P 500. Gemessen vom lokalen Tiefpunkt am 13. März bis zum lokalen Hochpunkt am 31. Juli (auf Schlusskursbasis), führte die vorherige Kursrally zu einem Anstieg des Index um 733 Punkte bzw. um 16 Prozent. Eine anschließende Korrektur- oder Konsolidierungsphase ist deshalb nicht nur nichts Ungewöhnliches, sondern auch “gesund”, im Hinblick auf eine mögliche Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Trendanalyse
Der charttechnische Aufwärtstrend des S&P 500 ist nach wie vor intakt, was daran zu erkennen ist, dass die Abfolge von höheren Hochs und höheren Tiefs ungebrochen ist.
Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren einen Aufwärtstrend. Der Index notiert über der aufwärts verlaufenden EMA 200 (rot). Die EMA 20 (violett) und die EMA 50 (grün) verlaufen zudem oberhalb der 200er EMA.
Auch im Falle einer Fortsetzung der Korrektur ändert sich vorerst nichts am übergeordneten Bild. Kritisch wird es, falls die EMA 200 (dicke rote Linie) und SMA 200 (dünne rote Linie) nach unten durchbrochen werden.
S&P 500 Tageschart
Der schwächste Monat des Jahres
Vor dem Hintergrund der Saisonalität ist es wenig überraschend, dass wir im August und September schwächere Aktienindizes sehen. Was die Anzahl an Monaten mit einer Kurssteigerung bzw. einem Kursrückgang betrifft, ist der September der schwächste Monat des Jahres. In den letzten 50 Jahren konnte der S&P 500 im September in nur 42 % aller Fälle ansteigen. Von Oktober bis Dezember stehen hingegen einige der saisonal stärksten Monate an. (Oktober = 60 % positiv, November = 70 % positiv, Dezember = 72 % positiv)

Quelle: https://www.fomo-finance.com/statistik-sp500/
Ein Blick auf den saisonalen Trendverlauf verdeutlicht die Schwäche in den Sommermonaten, gefolgt von der bereits im Oktober startenden Endjahres-Rally.

Quelle: eigene Berechnung & Visualisierung
Im Falle einer Fortsetzung der Korrektur bis Ende September, würde sich demnach eine interessante Einstiegsmöglichkeit ergeben.
Intermarket Analyse und Marktbreite
Um ein möglichst vollumfängliches Gesamtbild zu erhalten, sollten wir nicht nur einen einzelnen Index betrachten, sondern insbesondere die wichtigsten US-Indizes beobachten und nach möglichen Divergenzen Ausschau halten.
Advance Decline Line
Neben den Aktien-Indizes gibt es einige Marktbreite-Indikatoren, die Aufschluss darüber geben, ob die Kursentwicklung eines einzelnen Index auch von der Masse aller Aktien (dem sog. breiten Markt) getragen wird, oder ob der Index möglicherweise nur durch einige Schwergewichte mit einer hohen Indexgewichtung bewegt wird.
Einer der bekanntesten Marktbreite Indikatoren ist die Advance Decline Line. Diese misst vereinfacht ausgedrückt, ob aktuell mehr Aktien steigen oder fallen. Signale der AD-Line haben oft eine sehr hohe Trefferquote. Aktuell bestätigt die AD-Line den vorherrschenden Aufwärtstrend. Ein sehr zuverlässiges Signal entsteht häufig dann, wenn die AD-Line einen Ausbruch auf ein neues Hoch oder unter ein lokales Tief vollzieht, während der Index dies noch nicht tut. Sollte die AD-Line in den nächsten Tagen oder Wochen einen Ausbruch nach oben oder unten vollziehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Index ebenfalls folgen wird.

Advance Decline Line (rot), S&P 500 (grau)
New Highs vs New Lows
Ein Bullenmarkt zeichnet sich dadurch aus, dass mehr Aktien neue Hochs generieren als neue Tiefs. Deshalb ist es sinnvoll, die New Highs vs New Lows der New York Stock Exchange zu analysieren.
Wir sehen, dass in den letzten Monaten viele Aktien neue 52-Wochen-Hochs generiert haben, was ein bestätigendes Signal für den Aufwärtstrend ist bzw. war. Aktuell hat sich das Bild aber bereits eingetrübt und es haben zuletzt mehr Aktien neue Tiefs als neue Hochs erzielt. Vor dem Hintergrund der saisonalen Schwäche und der Tatsache, dass die übergeordneten Trends noch intakt sind, sollte die weitere Entwicklung zwar beobachtet, im Moment aber noch nicht übergewichten werden.

52-Wochen-Hochs (grün), 52-Wochen-Tiefs (rot), Net New Highs (rot/schwarz)
Sektoren-Analyse
Der S&P 500 besteht aus elf Marktsektoren, welche in die Kategorien offensiv und defensiv eingeteilt werden können. Bei Trendwenden des primären Trends sehen wir fast immer eine Sektoren-Rotation von offensiv nach defensiv (Top-Bildung) oder von defensiv nach offensiv (Bodenbildung), noch bevor der Index die Trendwende vollzieht.
Ein Betrachtungszeitraum von drei Monaten bzw. 60 Handelstagen hat sich hier in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen. Wir messen nun die relative Stärke der einzelnen Marktsektoren, indem der jeweilige Sektor durch den Index (S&P 500) dividiert wird. Somit können wir die Frage beantworten, welche Sektoren sich aktuell besser als der S&P 500 entwickeln und welche Sektoren relative Schwäche aufweisen.
Der nachfolgende Chart zeigt die relative Performance der elf Marktsektoren zum S&P 500. Es ist zu sehen, dass die offensiven Sektoren (XLY = Consumer Discretionary, XLC = Communication Services, XLK = Technology, XLF = Financials, XLI = Industrials) in Summe etwa eine ähnliche Performance wie der S&P 500 aufweisen. Die defensiven Sektoren (XLU = Utilities, XLP = Consumer Staples, XLV = Healthcare) zeigen relative Schwäche. (Die restlichen Sektoren wurden in diesem Chart ausgeblendet.) Die Analyse der Sektoren-Rotation favorisiert derzeit also den Bull Case. Die offensiven Sektoren zeigen zwar keine deutliche Outperformance, entwickeln sich jedoch zusammen mit dem S&P 500 positiv, während die defensiven Sektoren eine relative Schwäche aufweisen. Für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im S&P 500 ist es jedoch notwendig, dass die offensiven Sektoren ebenfalls wieder bullische Ausbrüche vollziehen.

Quelle: https://stockcharts.com/freecharts/perf.php?[SECT]
Fazit
Der S&P 500 befindet sich in der Korrekturphase eines intakten Aufwärtstrends. Long-Chancen bieten sich, wenn der Index eine Kursreaktion an einem Unterstützungsbereich zeigt. Neben direktionalen Long-Trades bieten sich hier Optionsstrategien wie Put Credit Spreads, Cash Secured Puts, (Skewed) Iron Condors und weitere an. Das bullische Szenario wird derzeit unterstützt durch die Analyse der Marktsektoren des S&P 500. Der September ist ein saisonal sehr schwacher Monat und zudem sehen wir einige Warnsignale aus dem Bereich der Intermarket- bzw. Marktbreite-Analyse. Ein Short-Szenario eröffnet sich allerdings erst, falls die wichtigsten US-Indizes ihre Unterstützungsbereiche bärisch durchbrechen. Im S&P 500 kann die EMA und SMA 200 als letzte Verteidigungslinie der Bullen gesehen werden.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 11.09.23

