Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der S&P 500 schloss am Freitag nahezu unverändert und erzielte auf Wochenbasis einen moderaten Anstieg von 69 Punkten bzw. 1,3 Prozent. Der Wochenschlusskurs markierte ein neues Allzeithoch und der Index konnte über die Hochs der letzten drei Wochen ansteigen. Nach einer starken ersten Wochenhälfte standen in der zweiten Hälfte der Woche insbesondere die Arbeitsmarktdaten aus den USA am Freitag im Fokus.
Non Farm Payrolls über den Erwartungen
Der jeweils am ersten Freitag des Monats veröffentlichte Arbeitsmarktbericht aus den USA (Non Farm Payrolls) wurde auch in der vergangenen Woche mit Spannung erwartet. Die im Wochenverlauf zuvor veröffentlichten Arbeitsmarktdaten (JOLTS Bericht, ADP Arbeitsmarktdaten, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe) hatten die Hoffnung geweckt, dass auch der “große” Arbeitsmarktbericht am Freitag Nachmittag eine Abkühlung am signalisieren könnte, was mitunter der Grund für die Rally am Dienstag und Mittwoch war. Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen (Non Farm Payrolls) lag mit 272.000 allerdings deutlich über den Erwartungen von 182.000 und signalisierten damit einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg jedoch um 0,1 Prozent auf nun 4,0 Prozent an. Als unmittelbare Reaktion auf die NFP-Daten zeigte der US-Dollar Stärke, die Preise der Edelmetalle gaben deutlich nach, die Renditen der US-Staatsanleihen stiegen stark an (und die Kurse der Anleihen sanken). Die S&P 500 Futures gerieten vor Eröffnung der US-Märkte ebenfalls kurzzeitig unter Druck, konnten sich aber im Gegensatz zu den Anleihen schnell wieder stabilisieren.
Druck auf Fed steigt nach EZB Zinssenkung
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die erste Zinssenkung bekannt gegeben. Die Senkung des Leitzinses im Euro-Raum auf 4,25 Prozent erhöht auch den Druck auf die Fed, da ein zu starkes Auseinanderlaufen der Zinsen nicht im Interesse der amerikanischen Notenbank wäre. Mit den schwachen Arbeitsmarktdaten von Dienstag bis Donnerstag stieg die Hoffnung, dass die NFP-Daten am Freitag endgültig grünes Licht geben könnten. Trotz des stärkeren Arbeitsmarktberichts am Freitag, ist die Konsens-Meinung allerdings nahezu unverändert und es wird mit mindestens einem, möglicherweise zwei Zinsschritten im aktuellen Jahr gerechnet. Eine gewisse Unsicherheit bleibt jedoch nach wie vor bestehen und die kommenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten sowie die Statements der Fed werden wahrscheinlich erneut für etwas Nervosität sorgen.
Charttechnische Bild im S&P 500 unverändert
An der charttechnischen Situation hat sich im S&P 500 Index wenig geändert. Der Aufwärtstrend ist ungebrochen. Auf den jüngsten Ausbruchsversuch auf ein neues Hoch folgten allerdings keine unmittelbaren Anschlusskäufe. Nachdem der Index am Freitag erneut ein Allzeithoch erreicht hatte, liefen die Kurse bis zum Handelsschluss zurück und es entstand ein Candlestick-Umkehrsignal. Kurzfristig ist es deshalb nicht unwahrscheinlich, dass der S&P 500 nochmals in den Korrekturmodus übergeht. Sollte dies geschehen, befindet sich im Bereich der Aufwärts-Trendlinie die nächste wichtige Unterstützung.

S&P 500 Tageschart
Gemischte Signale aus der Intermarket-Analyse
Die Advance Decline Line hat die neuen Hochs im S&P 500 im Mai zuverlässig frühzeitig angekündigt. Beim Ausbruch des S&P 500 in der vergangenen Woche zog die AD Line jedoch nicht mit, sondern hat stattdessen Schwäche gezeigt. (Das bedeutet: An der New York Stock Exchange sind mehr Aktien gefallen als gestiegen.) Dies untermauert das Szenario einer möglichen kurzfristigen Korrektur. Übergeordnet befindet sich aber auch die Advance Decline Line in einem eindeutigen Aufwärtstrend.

Advance Decline Line Tageschart
Ein weiteres kurzfristig negatives Signal ist die relative Schwäche der Small Caps und Mid Caps in der vergangenen Woche. Sowohl der S&P 400 Mid Cap Index als auch der S&P 600 Small Cap Index und der Russell 2000 beendeten die vergangenen Woche mit einem Minus. Relative Schwäche der Nebenwerte ist häufig ein negatives Signal für den breiten Markt.
Was die Perfomance der einzelnen Marktsektoren des S&P 500 betrifft, sahen wir in den letzten fünf Tagen allerdings eine Rotation, die darauf hindeutet, dass vermehrt Kapital von den defensiven in die offensiven Sektoren fließt. Die wichtigsten offensiven Marktsektoren wie Technologie (XLK), Nicht-Basiskonsumgüter (XLY) und Kommunikationsdienste (XLC) zählten zu den führenden Sektoren. Unter den defensiven Sektoren ist besonders die Schwäche der Versorger (XLU) auffallend.

Performance der Marktsektoren des S&P 500 (03. Juni - 07. Juni)
Wie man als Trader oder Anleger mit der aktuellen Situation umgeht, ist sicherlich abhängig von der konkreten Strategie. Das mittel- bis langfristige Bild sieht nach wie vor bullisch aus. Rücksetzer stellen deshalb primär Kaufgelegenheiten dar. Sollte sich das Basis-Szenario von ein bis zwei Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr bewahrheiten, dürfte das dem Markt Rückenwind verleihen. Nicht vergessen werden sollten auch die US-Wahlen im September, die potenziell kurzfristig für Volatilität sorgen könnten. Die Analyse der Intermarket-Signale kann wichtige frühzeitige Hinweise auf die “innere Verfasstheit” des Marktes liefern.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 10.06.2024

