Lieber Trader, liebe Börsenfreunde.
In der vergangenen Handelswoche sahen wir im S&P 500 Kursbewegungen in beide Richtungen. Unterm Strich schloss der Index auf Wochenbasis mit einem kleinen Minus, eine größere Korrektur fand aber nach wie vor nicht statt. Im Fokus des Marktes standen zuletzt vor allem Inflations- und Wirtschaftsdaten sowie die Veröffentlichungen der Quartalsergebnisse während der Berichtssaison. Mit Nvidia, Home Depot, und Walmart stehen in dieser Woche noch einige interessante Earnings-Termine an; insgesamt neigt sich die Earnings-Season jedoch dem Ende entgegen. Am heutigen Montag bleiben die US-Börsen aufgrund eines Feiertages geschlossen.
Heiße Inflationsdaten
Nachdem der S&P 500 am Montag der vergangenen Woche mit wenig Bewegung in die Handelswoche gestartet war, folgte am Dienstag eine Korrektur bis an die Tages-EMA 20. Auslöser waren die veröffentlichten Inflationsdaten, die heißer ausfielen als vom Markt erwartet. Die für den Januar gemeldeten Verbraucherpreise lagen mit 3,1 % (auf Jahresbasis bzw. YOY) zwar unter dem Dezember-Wert von 3,4 %; die Erwartung des Marktes lag jedoch bei 2,9 %, weshalb sowohl der Aktienmarkt als auch die Anleihenkurse mit Kursverlusten reagierten. Sollte die Inflation nicht weiter rückläufig sein oder überraschend stark ansteigen, engt dies den Spielraum der US-Notenbank FED für Zinssenkungen im laufenden Jahr ein, weshalb die Inflationsdaten von Marktteilnehmern derzeit genau beobachtet werden und der Aktienmarkt sensibel auf diese reagiert.
In der zweiten Wochenhälfte konnte der S&P 500 die Verluste jedoch bereits wieder wettmachen und stieg bis auf rund 5050 Punkte an. Auch die Erzeugerpreise, welche einen weiteren wichtigen Inflations-Indikator darstellen und am Freitag veröffentlicht wurden, übertrafen sowohl auf Monats- als auch auf Jahresbasis die Erwartung des Marktes und verpassten dem Aktienmarkt erneut einen kleinen Dämpfer. Insgesamt scheinen jedoch nach wie vor viele Marktteilnehmer auf eine größere Korrektur zu warten, was möglicherweise auch der Grund ist, weshalb diese noch nicht kam und der Markt in kleinen Schritten weiter und weiter ansteigt.
Zinssenkung verschoben
Noch vor wenigen Wochen war der Konsens des Marktes, dass es bereits im März zu einer ersten Zinssenkung der FED kommen wird. Aufgrund von starken Wirtschaftsdaten und den etwas heißer ausgefallenen Inflationsdaten, ist der März jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Die meisten Marktteilnehmer gehen mittlerweile von einem ersten Zinsschritt im Juni aus. Festzuhalten bleibt, dass der Aktienmarkt aktuell eine enorme Stärke zeigt und trotz des hohen Zinsniveaus und den (noch) ausbleibenden Zinssenkungen den Aufwärtstrend fortsetzen kann.
Unterstützungen bei 4800 und 4600 Punkten
Charttechnisch notiert der S&P 500 nach wie vor im überkauften Bereich und eine echte Korrektur blieb bislang aus. Sollte diese in den nächsten Wochen stattfinden, bieten sich erneute Einstiegs-Chancen an den charttechnischen Unterstützungszonen.

S&P 500 Index Wochenchart mit Unterstützungszonen bei 4800 und 4600 Punkten
Der erste charttechnische Support liegt bei rund 4800 Punkten. Hier befinden sich die alten Allzeithochs aus dem Januar 2022 und - wie auf dem Tageschart zu sehen ist - der ehemalige Widerstandsbereich, mit dem der S&P 500 im Dezember und Januar zu kämpfen hatte.

S&P 500 Index Tageschart
Sollte diese Unterstützungszone nicht gehalten werden, bietet sich ein erneuter Long-Einstieg bei rund 4600 Punkten an, wo der nächste horizontale Unterstützungsbereich liegt, aufgrund der lokalen Hochs aus dem Juli 2023.
Offensive Marktsektoren führend
Was die Analyse der einzelnen Marktsektoren des S&P 500 betrifft, so zeigten sich in der vergangenen Handelswoche die offensiven Sektoren (Consumer Discretionary, Communication Services, Technology) ein wenig schwächer und die Versorger (Utilities) als einer der wichtigsten defensiven Sektoren etwas stärker als der Index.
Das kann ein Zeichen dafür sein, dass Investoren aktuell ein wenig vorsichtiger werden und ist oft ein Vorbote einer Korrektur. Mittel- bis langfristig zeigt sich jedoch nach wie vor eine deutliche Outperformance der zyklischen/offensiven Marktsektoren und eine relative Schwäche der defensiven Sektoren. Dies ist ein bestätigendes Signal für den übergeordneten Aufwärtstrend. Sollte der Markt in den Korrekturmodus übergehen, ist die Sektorenanalyse auf kurzfristiger Zeitebene ebenfalls ein sehr gutes Werkzeug, um mögliche Wendepunkte nach oben zu erkennen, sobald die offensiven Sektoren wieder relative Stärke zeigen.
Marktbreite bestätigt Aufwärtstrend
Die Advance Decline Line der New York Stock Exchange, welche als einer der wichtigsten Marktbreite-Indikatoren gilt, halt in den letzten Wochen ebenfalls den Ausbruch des S&P 500 auf neue Hochs bestätigt, was ein Signal dafür ist, dass die aktuelle Rally nicht nur von wenigen Schwergewichten mit einer hohen Marktkapitalisierung angeführt wird, sondern die breite Masse der Aktien am Aufwärtstrend partizipiert.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einem Blick auf den S&P 500 Equal Weight Index. Dieser hat zwar noch kein neues Allzeithoch erreicht, jedoch ebenfalls den Widerstandsbereich durchbrochen und ein neues lokales Hoch im Trendverlauf erzielt.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 19.02.2024

