Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Letzte Woche wurde in den USA Thanksgiving gefeiert. Statt Börsenkursen stand deshalb wohl auch bei vielen Anlegern und Investoren der traditionelle Verzehr des Thanksgiving-Truthahns im Zentrum der Aufmerksamkeit. An den Märkten ging es etwas ruhiger zu; die positive Stimmung setzte sich aber fort und die großen US-Aktienindizes verzeichneten moderate Gewinne.
Die Thanksgiving-Woche ist historisch eine sehr starke Woche für die amerikanischen Aktienmärkte. Die Wahrscheinlichkeit für einen Kursanstieg im S&P 500 beträgt rund 70 %. In Jahren mit einer Präsidentschaftswahl steigt der Index sogar in 75 % aller Fälle an. In der vergangenen Handelswoche stieg der S&P 500 auf ein neues Allzeithoch an und erzielte ein Plus von 1,1 % und auch der Nasdaq 100, der Dow Jones sowie der Russell 2000 legten eine positive Performance an den Tag.
Seit Jahresbeginn ist der S&P 500 bereits 26,5 % im Plus und liegt damit vor dem Dow Jones (+ 19,2 %), vor dem Russell 2000 (+21,6 %) und vor dem Nasdaq 100 (+24,4 %). Damit stellt sich die Frage: Wie weit kann der Markt noch steigen und ist der Bogen möglicherweise schon etwas überspannt?
Kein Ende des Trends in Sicht
Die fundamentalen Rahmenbedingungen wie auch die Signale aus der technischen Analyse und der Intermarket-Analyse bevorzugen derzeit eindeutig die Fortsetzung des Bullenmarktes und Hinweise auf eine Trendwende sind kaum zu finden. Eine kurzfristige Korrektur oder eine Konsolidierung, die einige Wochen anhält und für einen Rückgang von einigen Prozentpunkten sorgen könnte, sollte man jedoch immer mit einkalkulieren. Aber auch hierfür gibt es derzeit (noch) keine Anzeichen. Die Trend- und Intermarket-Signale signalisieren nach wie vor Stärke. Auch eine kurzfristige Korrektur wird häufig angekündigt durch eine zumindest kurzzeitige Abschwächung der Marktbreite. Wenn Sie die folgenden Marktbreite-Indikatoren regelmäßig analysieren, gibt Ihnen das ein gutes Bild über die innere Verfasstheit des Marktes und Korrekturen oder Trendwenden können häufig frühzeitig erkannt werden.
S&P 500 Equal Weighted Index
Der S&P 500 Index ist nach der Marktkapitalisierung der einzelnen Unternehmen gewichtet. Das bedeutet, dass eine kleine Anzahl von Unternehmen mit einer sehr hohen Marktkapitalisierung maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung des gesamten Index ist. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, auch den S&P 500 Equal Weighted Index zu betrachten. Hier sind alle Unternehmen gleich stark gewichtet und der Index ist somit nicht so stark von der Entwicklung einzelner Unternehmen abhängig.
Der S&P 500 Equal Weighted Index ist seit Jahresbeginn 18,5 % angestiegen. Das ist zwar etwas weniger als der S&P 500, allerdings ist die Performance dennoch sehr positiv und insbesondere in der zweiten Jahreshälfte zeigte der gleichgewichtete Index sogar zeitweise relative Stärke. In den letzten Wochen generierte der Equal Weighted Index ebenfalls zahlreiche neue Allzeithochs und entwickelte sich ungefähr gleich stark wie der S&P 500. Erkennen können Sie das mit Hilfe der Relationslinie zwischen dem S&P 500 Equal Weighted Index und dem S&P 500. Diese ist im folgenden Chart unterhalb des Kurses abgebildet.

S&P 500 Equal Weighted Index mit Relationslinie (SPXEW:SPX)
Advance Decline Line mit neuem Hoch
Die Advance Decline Line befindet sich ebenfalls in einem eindeutigen Aufwärtstrend und hat in der vergangenen Woche einen neuen Höchststand erreicht. Dies ist ein weiteres bullisches Signal. Falls die AD-Line in den kommenden Wochen relative Schwäche bzw. eine bärische Divergenz entwickeln sollte, könnte dies als Warnsignal für eine mögliche Korrektur gewertet werden.

NYSE Advance Decline Line
New Highs vs New Lows
Auch bei einer Betrachtung der Anzahl der Aktien mit neuen 52-Wochen-Hochs im Vergleich zu den Aktien mit neuen 52-Wochen-Tiefs an der New York Stock Exchange zeigt sich, dass der breite Markt am Aufwärtstrend partizipiert. Deutlich mehr Aktien erzielen neue Hochs.

NYSE New Highs vs New Lows
Jahresendrally, und dann?
Saisonal hat der S&P 500 bereits seit Anfang Oktober Rückenwind. Die saisonal starke Phase dauert noch bis Ende Dezember bzw. Anfang Januar an. Die Jahresendrally ist deshalb bereits in vollem Gange. Sollte der Markt nochmals kurzzeitig korrigieren, würde dies eine Gelegenheit für einen weiteren kurzfristigen bullischen Einstieg ermöglichen.

Saisonale Trends des S&P 500 über verschiedene Zeiträume
Da sich das Jahr langsam dem Ende entgegen neigt, lohnt sich ein Blick auf den saisonalen Trend von Januar bis März. Hier sehen wir eine der saisonal schwächsten Phasen des Jahres, gefolgt von einem saisonal günstigen Einstiegszeitpunkt im März.
Da der S&P 500 im Durchschnitt ansteigt, ist es für die Betrachtung der Saisonalität sinnvoll, den langfristigen Trend aus dem saisonalen Chart herauszurechnen. Dieses Verfahren wird als Detrending bezeichnet. Im folgenden Chart sehen Sie den detrended saisonalen Chart des S&P 500. Die saisonalen Abwärtsbewegungen im ersten Quartal sind hier deutlich besser sichtbar.

Saisonale Trends des S&P 500 über verschiedene Zeiträume (Detrended)
Autor: Tobias Schmid
Datum: 02.12.2024

