Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran am Wochenende hat sich in den letzten Wochen bereits angekündigt und kam somit nicht völlig unerwartet. Der steigende Ölpreis und der (wenn auch nur kurzfristige) Abgabedruck an den Aktienmärkten am vergangenen Freitag waren ebenfalls Vorboten einer möglichen unmittelbar bevorstehenden militärischen Eskalation. Ob die geopolitische Unsicherheit nur zu einer kurzfristigen Eintrübung der Stimmung oder zu einer deutlicheren Korrektur im S&P 500 in den kommenden Wochen führen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar. Der S&P 500 Future eröffnete in der Nacht von Sonntag auf Montag mit einem Minus von rund einem Prozent.
Geopolitik lässt Aktienmärkte oft unberührt (aber nicht immer)
Geopolitische Spannungen bzw. militärische Konflikte sind an der Börse häufig heftiger in der ersten Reaktion als in der mittleren Frist. Große Aktienindizes haben historisch oft eine erstaunliche Fähigkeit gezeigt, solche Ereignisse zu verdauen, vor allem dann, wenn Wachstum und Liquidität nicht gleichzeitig kippen. Auch wenn dauerhafte negative Auswirkungen unwahrscheinlich sind, kann es kurzzeitig spürbare Drawdowns geben. 
Einige historische Beispiele:
- Golfkrieg/Irak-Kuwait (1990/91): Vor Kriegsbeginn stiegen Unsicherheit und Ölpreis, Aktien gerieten unter Druck. Als die militärische Lage klarer wurde und Öl wieder nachgab, erholten sich die Märkte.
- Irak Krieg (2003): Auch hier war die Unsicherheit vor dem Start hoch; als der Konflikt startete und ein Teil der Unsicherheit aus dem Markt wich, stabilisierten bzw. erholten sich Aktien.
- Russland/Ukraine (2022): Der Markt reagierte zunächst risk-off, aber die weitere Entwicklung hing stark an Energiepreisen, Zentralbankreaktion und Wachstumserwartungen, also wieder an den Makro-Faktoren.
Die Lektion daraus: Geopolitik allein ist selten der dauerhafte Bärenmarkt-Auslöser. Kritisch wird es, wenn daraus ein Öl-/Inflationsschock oder ein Kredit-/Liquiditätsschock entsteht. Genau deshalb schaut der Markt jetzt so stark auf Öl und Anleihen.
Steht ein Ölpreis-Schock bevor?
Öl reagiert auf militärische Eskalationen in der Regel deutlich sensibler als Aktien, weil es unmittelbar um Lieferketten, Risikoaufschläge und Transportwege geht. Schon am Freitag stiegen Ölpreise spürbar, weil die Nervosität rund um Iran zunahm. 
Mit den Angriffen vom 28.02.2026 steht nun vor allem die Straße von Hormus und ein damit verbundener potenzieller Engpass für den globalen Öltransport im Fokus. In dem Moment, in dem Märkte auch nur eine temporäre Störung einpreisen, steigt die Risikoprämie. 
Gleichzeitig zeigt die Historie aber auch: Ölspikes sind häufig ereignisgetrieben und geben oft wieder nach, sobald
- die befürchtete Angebotsstörung ausbleibt oder
- ein Exit/Deeskalationspfad erkennbar wird.
Genau diese Dynamik war z. B. in früheren Golf-Konfliktphasen zu beobachten, als Öl nach anfänglichen Risikoaufschlägen im Verlauf wieder deutlich nachgab. 
Auch für den S&P 500 ist die Entwicklung des Ölpreises sehr wichtig, weil ein länger anhaltender Ölpreisanstieg über Inflationserwartungen und Konsumbelastung direkt wieder beim Thema „Fed & Zinsen“ landet.
Die Light Sweet Crude Oil Futures eröffneten in der vergangenen Nach mit einem Gap von rund 12%, fielen daraufhin aber bereits wieder und notieren am Montagmorgen mit einem Aufschlag von rund 7% gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.
S&P 500 Index tendiert seitwärts
Am Ende des Tages ist es besonders in Situationen wie diesen wichtig, dass man als Börsianer versucht, sich weder von Emotionen noch von Schlagzeilen-getriebener Panikmache anstecken zu lassen und einen nüchternen Blick auf das Kursgeschehen zu wahren.
Der S&P 500 bewegt sich seit Anfang des Jahres in einer seitwärts verlaufenden Kursspanne, mit einer ersten Unterstützung im Bereich der Tages-EMA-100 bei 6800 Punkten und einer weiteren Unterstützung bei 6750 Punkten. Sollte diese Unterstützungszone nicht halten, drohen weitere Kursverluste bis in den Bereich von 6550 - 6600. Auf der Oberseite stellen die Allzeithochs im Bereich von 7000 Punkten einen Widerstand dar.

Flucht in defensive Sektoren
Dass Investoren am Aktienmarkt derzeit das Risiko scheuen und Sicherheit suchen, ist eine Entwicklung, die wir nicht erst in der letzten Woche beobachten konnten. Bereits seit Jahresbeginn entwickeln sich die defensiven Marktsektoren deutlich besser:
- Consumer Staples (XLP): +15,9 %
- Utilities XLU: +11,8
- Healthcare XLV = + 3,5 %
Offensive Sektoren wie Technology (XLK), Consumer Discretionary (XLY) und Communication Services (XLC) zählen im aktuellen Jahr hingegen zu den Schlusslichtern.

Advance Decline Line signalisiert Trendfortsetzung
Im Gegensatz zu den defensiven Signalen aus dem Bereich der Sektorenrotation zeigt sich bei einer Analyse der Marktbreite ein sehr bullisches Bild. Die Advance Decline Line (Anzahl steigender Aktien - Anzahl fallender Aktien) konnte in den letzten Wochen deutlich zulegen, während der S&P 500 Index seitwärts tendierte.

Für gewöhnlich bedeutet eine so deutliche Stärke der Marktbreite bzw. der AD-Line, dass der Aktienmarkt bzw. der S&P 500 dem Signal der AD-Line folgen und ebenfalls nach oben ausbrechen wird. Aufgrund der defensiven Sektorenrotation sowie der aktuellen geopolitischen Eskalation, ist dennoch Vorsicht geboten. Sollte der S&P 500 die oben genannte Unterstützung verteidigen können und zeitgleich erneut Risikobereitschaft erkennbar sein (relative Stärke der offensiven Marktsektoren), dann könnte sich die Stimmung auch schnell wieder aufhellen und die Chancen auf eine Fortsetzung des Bullenmarktes würden deutlich steigen.
Autor: Tobias Schmid
Datum: 02.03.2026

