Liebe Trader, liebe Börsenfreunde.
Der DAX verabschiedete sich am Freitag mit einem Schlusskurs von 23.837 Punkten ins Wochenende, was einem Wochengewinn von mehr als 3 % entspricht und die Verluste der vorangegangenen Schwächephase nahezu neutralisierte. Nachdem in den ersten drei Wochen des Novembers eine zunehmende Verunsicherung unter Investoren auftrat, kehrte in der vergangenen Woche die Risikobereitschaft zurück.
Thanksgiving-Rally liefert positive Impulse
Rückenwind erhielt der DAX letzte Woche vor allem aus den USA: In der verkürzten Thanksgiving-Woche legte der S&P 500 um rund 3,7 %, der Dow Jones um 3,2 % und der technologiegetriebene Nasdaq Composite sogar um 4,9 % zu.
Neben dem Kalender-Effekt wurde die Rally getrieben von
- der wachsenden Erwartung, dass die US-Notenbank auf ihrer Dezembersitzung den Leitzins ein weiteres Mal senkt,
- robusten Konjunktursignalen (unter anderem soliden Arbeitsmarktdaten)
- sowie kräftigen Kursgewinnen bei KI- und Tech-Schwergewichten wie Alphabet & Co.
In diesem Umfeld griffen internationale Investoren wieder verstärkt zu Risikoanlagen und der DAX profitierte über seine exportorientierten Zykliker, Industriewerte und den Technologiesektor direkt von dieser globalen „Risk-on“-Stimmung.
Makroökonomisches Umfeld
Auf der Makroseite standen letzte Woche einige wichtige Daten auf der Agenda: In Deutschland wurden der ifo-Geschäftsklimaindex für November, die vorläufigen Inflationszahlen (VPI/HVPI), das GfK-Konsumklima für Dezember sowie neue Wachstumsprognosen für 2025 veröffentlicht.
Auf europäischer Ebene kamen Stimmungsindikatoren der EU-Kommission hinzu, während in den USA Inflations- und Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an eine weitere Zinssenkung der Fed im Dezember zusätzlich untermauerten. Für den DAX ergibt sich daraus ein gespaltenes Bild:
- Schwache heimische Konjunktur und gedämpfte Stimmungsindikatoren bremsen.
- Gleichzeitig stützt das abnehmende Zinsrisiko die Bewertungsseite und liefert Rückenwind über die globale Risikobereitschaft.
Konjunkturindikatoren signalisieren rezessive Tendenzen
Die Diskrepanz zwischen Finanzmarkt und Realwirtschaft wurde durch die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex letzten Montag weiter verschärft. Der Index, der als wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft gilt, fiel im November auf 88,1 Punkte (Vormonat: 88,4), entgegen der Erwartung einer leichten Erholung.
Besonders alarmierend ist der Rückgang der Erwartungskomponente. Die Unternehmen in Deutschland sehen "wenig Hoffnung auf eine baldige Erholung". Die Gründe hierfür sind:
- Hohe Energiekosten
- Bürokratische Lasten
- Die Unsicherheit über die zukünftige US-Handelspolitik.
Bruttoinlandsprodukt für Deutschland stagniert
Das gesamtwirtschaftliche Bild passt zu dieser Skepsis: Nach zwei Jahren ohne nennenswertes Wachstum tritt das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2025 faktisch auf der Stelle. Internationale Institutionen wie der IWF, führende Wirtschaftsforschungsinstitute und die EU-Kommission erwarten für Deutschland im laufenden Jahr im Schnitt lediglich rund 0,2 % reales BIP-Wachstum; also de facto Stagnation. Das ist zu wenig, um eine spürbare Belebung von Investitionen und Beschäftigung auszulösen, erhöht aber zugleich den Druck, Strukturreformen und das bereits beschlossene Investitionsprogramm konsequent voranzutreiben. Während die harte Konjunkturstatistik damit kaum Dynamik signalisiert, kommen erste, wenn auch zaghafte, positive Impulse eher von der Verbraucherseite.
Das GfK-Konsumklima für Dezember zeigte eine leichte Aufhellung auf -23,2 Punkte (von -24,1). Dies deutet darauf hin, dass die privaten Haushalte dank realer Einkommenszuwächse (Lohnerhöhungen > Inflation) langsam ihre Kaufzurückhaltung aufgeben. Für den Binnenkonsum ist das ein Hoffnungsschimmer, für den exportlastigen DAX jedoch von sekundärer Bedeutung.
Inflationsdaten über den Erwartungen
Für etwas Diskussion sorgten die am Freitag veröffentlichten vorläufigen Inflationsschätzungen für den Monat November. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Verbraucherpreise gemessen am nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) erneut um 2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat und lagen damit wie im Oktober auf unverändertem Niveau.
Deutlich kräftiger fiel hingegen der Anstieg im EU-harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) aus: Hier zog die Teuerung von 2,3 % auf 2,6 % an und übertraf damit die Konsensschätzungen von rund 2,4 %.
Damit bleibt die Inflation zwar insgesamt in der Nähe des EZB-Ziels, der Sprung im HVPI erinnert die Märkte jedoch daran, dass die Notenbank den Sieg über die Teuerung noch nicht endgültig ausrufen kann; ein Punkt, der insbesondere bei zinssensiblen DAX-Sektoren wie Immobilien, Versorgern und Wachstumswerten kurzfristig für erhöhte Nervosität sorgt.
| Indikator | Wert November | Wert Vormonat | Trend | Implikation für DAX |
| VPI Inflation (YoY) | 2,3 % | 2,3 % | Neutral | Stabilisierend |
| HVPI Inflation (YoY) | 2,6 % | 2,3 % | Steigend | Negativ (Zinsangst) |
| Ifo-Geschäftsklima | 88,1 | 88,4 | Fallend | Negativ (Konjunktur) |
| GfK Konsumklima | -23,2 | -24,1 | Leicht steigend | Neutral (Binnenmarkt) |
| BIP Prognose 2025 | 0,2 % | - | Stagnation | Irrelevant für Global Player |
DAX verteidigt 23.000-Punkte-Marke
Am langfristigen charttechnischen Bild im DAX hat sich indes nicht sehr viel geändert. Der Index notiert nach wie vor in der seit Juni andauernden Seitwärts-Range. Wichtig war letzte Woche, dass die Unterstützung bei der runden 23.000-Punkte-Marke inkl. Tages-EMA-200 (rot) verteidigt wurde.

Sehen wir noch eine Jahresendrally?
Nach der jüngsten Rally der letzten Tage stieg die Hoffnung auf die Jahresendrally wieder. Statistisch gesehen stehen die Chancen auf einen freundlichen Jahresausklang gut:
- Trefferquote: In 71 % bis 76 % der Jahre (je nach betrachteten Zeitraum) schloss der DAX den Dezember mit einem Gewinn ab.
- Durchschnittsrendite: Der durchschnittliche Gewinn im Dezember liegt bei 2-3 %.
- Santa Claus Rally: Eine Analyse über 44 Jahre zeigt, dass der Zeitraum vom 15. Dezember bis zum 2. Januar statistisch am stärksten ist. In diesem Zeitfenster liegt die "Win-Rate" bei über 72 %, mit einer annualisierten Rendite von rund 2%.
Autor Tobias Schmid
Datum: 01.12.2025

