Viele Menschen beschäftigen sich erst spät mit Geldanlage – oft aus Unsicherheit oder Zeitmangel.
David Ernsting beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Kapitalmärkten, Online-Brokern und Finanzbildung.
In seinem aktuellen Buch „Der einfache Weg zur erfolgreichen Kapitalanlage“ richtet er sich gezielt an Anleger, die strukturiert und verständlich investieren möchten. Im Interview spricht er über typische Einsteigerfehler, sinnvolle Strategien – und warum Einfachheit oft der beste Weg ist.

1. Du beschäftigst dich seit vielen Jahren intensiv mit Geldanlage und Finanzbildung. Was hat dich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben und warum gerade jetzt?
Aufgrund der steigenden Unsicherheit wegen der sich zunehmend verschlechternden wirtschaftlichen Situation, aber auch nach der Aktienrallye der letzten Jahre, gibt es viele Menschen, die sich nun viel mehr Gedanken um die eigene Zukunft machen.
Menschen, die sich früher nicht mit der Börse beschäftigt haben, auch nicht so sehr mit der Altersvorsorge, weil sie einfach davon ausgegangen sind, dass die Rente alleine schon reichen wird - irgendwie!
Und sie merken, dass das wohl nicht mehr so aufgehen wird wie ursprünglich geplant. Zumindest nicht auf dem Niveau, wie sich die meisten das wünschen!
Und das sind oftmals Börseneulinge, die zwar in ihrem Berufsleben erfolgreich sind, aber bisher noch nicht den Einstieg in den Finanzmarkt geschafft haben; aus unterschiedlichen Gründen. Und denen wollte ich eine Hilfe geben und vor allem auch mal vorrechnen, was passiert, wenn sie weiterhin nichts machen - und dem gegenüberstellen, was mit einer einfachen Anlagestrategie finanziell alles erreicht werden kann.
Genau für diese Geldanlage-Einsteiger habe ich das Buch "Der einfache Weg zur erfolgreichen Kapitalanlage" geschrieben.
2. Du richtest dich auch bewusst an Anleger ohne große Börsenerfahrung. Welche typischen Fehler siehst du bei Einsteigern immer wieder und wie gehst du in deinem Buch damit um?
Den größten Fehler, den man bei Einsteigern immer wieder sieht, ist, dass sie denken, der Zeitpunkt stimmt gerade nicht, ich mach das später, wenn die Kurse gefallen sind und in der Zwischenzeit steigen die Kurse weiter. Den optimalen Zeitpunkt zum Einsteigen gibt es nicht, weder als Einsteiger noch als Profi.
Man wird auch als größter Börsenexperte nicht immer das richtige Timing haben und dann kaufen, wenn die Kurse ganz unten sind und ab dann geht es nur noch nach oben. So läuft das an der Börse nun mal nicht.
Und das müssen Einsteiger einfach “akzeptieren”, dass man einfach anfangen muss.
Im Buch zeige ich daher, warum direktes Handeln mit kontinuierlichen Sparplänen die bessere Strategie ist. Durch den Cost-Average-Effekt können Kursrücksetzer sogar zum Vorteil werden – psychologisch eine enorme Entlastung für Neulinge.
3. ETFs spielen in deinem Buch eine zentrale Rolle. Warum hältst du ETF-Strategien gerade für Privatanleger für einen sinnvollen Einstieg in den langfristigen Vermögensaufbau?
Ich denke, der größte Vorteil von ETFs oder ETF-Strategien für Privatleger liegt einfach darin, dass einem privaten Anleger ganz viel Komplexität abgenommen wird und dass das ganze Handling viel einfacher wird.
Auch das Beobachten des Portfolios wird dadurch natürlich einfacher, wenn man gerade als Einsteiger vielleicht nur zwei, drei verschiedene ETFs hat, die sich um verschiedene Märkte oder Sektoren drehen, anstatt dass man andauernd 15 verschiedene Aktien beobachten muss.
Für Einsteiger und Privatanleger ist gerade diese Vereinfachung oft der Schlüssel zum Erfolg – nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil ihnen schlicht die Zeit dafür fehlt.
4. Als Betreiber von Broker-Test.de kennst du den Broker-Markt sehr genau. Worauf sollten Anleger bei der Wahl eines Brokers wirklich achten, jenseits von Werbung und Hochglanzversprechen?
Ich glaube, das Wichtigste bei der Wahl eines Brokers ist, für einen Anleger zu erkennen, dass es nicht DEN besten Broker gibt, sondern dass der Broker zu einem selber passen muss, zum eigenen Anlagestil.
Das bedeutet auch, dass sich das über die Jahre ändern kann - dass man mit einem Broker vielleicht anfängt und sich fünf Jahre später einen anderen Broker sucht.
Nicht, weil der bisherige Broker schlecht geworden ist, sondern weil er einfach nicht mehr zum Tradingstil passt. Es ist ja ein Unterschied, ob ich nur ETFs kaufe oder ob man zum Beispiel irgendwann auch mal mit Optionen und Futures handeln will oder Daytrading betreiben möchte. Das sind ja völlig unterschiedliche Anforderungen.
Und die Zeit sollte man sich auch nehmen und nicht einfach anderen hinterherrennen nach dem Motto "welchen Broker hast du denn?". Ach, der ist gut, ja dann nehme ich den auch. So funktioniert es leider nicht.
Das ist schon der erste Fehler, den man mal Einstieg machen kann. Man sollte sich hierfür ruhig ein bisschen Zeit nehmen und mal anschauen, was man eigentlich machen will bei der Geldanlage und dann gucken, welcher Broker dazu passen kann.
Da finden sich natürlich bei uns viele auf Broker-Test.de viele Vergleiche und Rechner, mit denen man die Broker vergleichen kann oder eben auch Interviews mit Brokern oder Webinare und News der Broker.
Ich selber habe Depots bei verschiedenen Brokern - ja nachdem, welche Anlagestrategie ich jeweils umsetzen möchte.
5. Wir arbeiten ja schon sehr lange zusammen, warum kannst Du CapTrader guten Gewissens an Einsteiger und auch fortgeschrittene Trader und Anleger weiter empfehlen?
Wie ich ja gerade schon sagte, muss ein Broker zum Anleger passen. Insofern kann auch CapTrader für Einsteiger interessant sein, zum Beispiel ganz konkret, wenn jemand daran interessiert ist, mit Währungen sein Portfolio abzusichern.
Ich rede also nicht von Daytrading im Devisenbereich, sondern Währungsabsicherung des Cash-Anteils.
Konkret: Ein Anlager wählt als strategische Ausrichtung, dass der aktuelle Cashbetrag von z.B. 100.000 Euro nicht mehr in Euro gehalten werden soll, sondern in Schweizer Franken. Und das soll also ein Währungstausch stattfinden. Und 12 Monate später überarbeitet der Anlager seine Strategie und möchte vielleicht das Ganze Cashpaket in US-Dollar oder in irgendeiner anderen Währung halten. Und wieder wird die Währung getauscht.
Und da muss man einfach schauen, dass hier bei manchen Brokern, vor allen Dingen aber bei den lokalen Banken, oftmals sehr hohe (!) Gebühren genommen werden, bis zu 1%. Das heißt, bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro habe ich dann beim Kauf und beim Verkauf insgesamt 2%, die ich zahlen muss. Das sind also 2.000 Euro, ohne dass ich dafür eine wirkliche Gegenleistung bekomme.
Und hier ist zum Beispiel CapTrader sehr günstig.
Ein weiterer Vorteil wären die vielen Möglichkeiten, die ich habe. CapTrader, das weiß vielleicht nicht jeder, ist ja ein White Label von Interactive Brokers, einem der größten Broker weltweit. Und die Möglichkeiten sind hier fast unbegrenzt. Zum Glück gibt es für Einsteiger (neben der professionellen Handelsplatfform TWS) auch eine Webplattform, die deutlich einfacher ist. Fortgeschrittene Trader können sich dann später mit der hauseigenen Trading Software TWS beschäftigen.
Aber ich glaube, für Einsteiger reichen die Web-Anwendung und die App auf dem Handy zum Start allemal aus.
6. Was ist in Zukunft geplant?
Wir kommen ja ursprünglich eher aus dem Trading und Daytrading Bereich. Wir betreiben Broker-Test.de ja schon seit über 25 Jahren und am Anfang gab es bei uns vor allen Daytrader oder Trader, die sich zumindest sehr intensiv mit dem Aktienhandel beschäftigt haben.
Das hat sich aber mittlerweile geändert. Neben vielen neuen Lesern sind auch viele Trader seit Anfang an dabei. Und aus den jungen Daytradern sind jetzt erfahrenen Investoren geworden, die vielleicht nicht mehr ganz so häufig traden, aber dafür viel größere Summen zur Verfügung haben und diese strategisch einsetzen.
Bisher erreichen wir unserem Finanzinfos am Wochenende Newsletter jeden Sonntag über 160.000 Leser. Und da gibt es nicht nur aktuelle Meldungen von oder über die Broker sowie Analysen zum Thema Aktien und Trading, sondern eben auch viel zu den Themen Kapitalanlage, ETFs, Dividendenstrategien, Anleihen, Gold & Silber etc..
Und das interessiert unsere Leser immer mehr - so ist das Thema Kapitalanlage für uns in letzter Zeit immer wichtiger geworden. Daher starten wir in Kürze mit unserer neuen Webseite Kapitalanlagen-Test.de, wo es dann um Anlagestrategien, Gestaltung von Portfolios, Crash-Absicherungen usw. geht - das wollen wir in Zukunft weiter ausbauen. Zusätzlich wird es dann auch noch einen Kapitalanlage-Newsletter geben.
7. Du bist sehr viel auf Reisen, derzeit treffen wir Dich in Lissabon an, wo Du in einer internationalen Hockeymannschaft spielst. Was gibt dir dieser Lebensstil persönlich und warum ist dir Bewegung und Sport so wichtig?
Ja, richtig. Gerade in den Wintermonaten bin ich meistens in den südlichen Ländern Europas, vor allem Italien, Spanien und Portugal unterwegs. Dabei achte ich darauf, dass ich unterwegs immer viel Sport mache. Über die lange Reisetätigkeit der letzten 20 Jahre habe ich in den verschiedenen Städten viele Freunde gewonnen. In Lissabon z.B. spiele ich in einem internationalen Hockey-Team (Casuals Hockey Club Cascais) mit Spielern aus Portugal, England, Deutschland, Schweden, Indien, Pakistan, den Niederlanden etc. - da trainieren wir zweimal die Woche. Und das hält nicht nur fit, sondern bringt mir auch sehr viele neue persönliche Erfahrungen, die man sonst, wenn man nur an einem Ort wohnt, vielleicht nicht kriegt. Auf den ganzen Reisen komme ich mit allen möglichen Menschen, teilweise wirklich sehr unterschiedlichen Menschen aus allen Herren Ländern in Kontakt. Man bekommt dadurch einen ganz anderen Blick auf Deutschland und die Welt. Außerdem gefallen mir im Süden Europas die mediterrane Küche und natürlich das "Mehr" an Sonne sehr!
Grundsätzlich gilt für mich der alte lateinische Spruch ”Mens sana in corpore sano”! Reisen, gutes Essen und Sport halten fit und gesund :)
8. Du hast Padel früh in Europa mit auf die Karte gebracht. Was fasziniert dich an diesem Sport und warum boomt Padel deiner Meinung nach gerade so stark?
Als ich 2012 das erste Mal in Valencia mit dem Sport Padel in Berührung kam, war ich sofort fasziniert. Ich hatte von diesem Sport vorher offen gesagt noch nicht mal gehört und als ich das dann zum ersten Mal gesehen hatte, habe ich direkt ein Training gebucht und habe unglaublich viel Spaß gehabt. Einfach weil Padel so extrem abwechslungsreich ist, weil es tausende Varianten gibt.
Als ich dann zurück nach Berlin gekommen bin, hatte ich mir kurz überlegt, ob man nicht irgendwo einen Platz in Berlin aufmachen kann… Aber genau in diesem Moment entstanden durch Alexander Hillbricht und Ralf Stoffers gerade zwei Padelprojekte in Berlin und mit denen habe ich mich dann kurzgeschlossen. Und anstatt in einen weiteren Padelplatz zu investieren, habe ich dann Padel-Test.de ins Leben gerufen.
Das war dann das erste zentrale Padelportal in Deutschland, wo alles zusammen gelaufen ist, die ganzen Termine, die Turniere, Schlägervorstellungen, neue Padelstandorte etc.
Und zum Sport selber: es ist einfach ein sehr abwechslungsreicher Sport. Ich spiele bereits seit meiner Kindheit Tennis, das ist ein toller Sport, aber Padel bietet einfach noch mal mehr Möglichkeiten.
Und Padel ist viel, viel einfacher zu erlernen. Auch Neulinge habe sofort Erfolgserlebnisse. Wenn ein Trainer dabei ist, kann man im Grunde direkt beim ersten Mal schon ein Padelmatch starten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man über Padel sehr schnell neue Bekannte und Freunde finden kann. Gleichzeitig sind die Einstiegskosten für Padel nicht sonderlich hoch. Man braucht ja nur normale Sportklamotten und einen einfachen Schläger, den man schon für 100 Euro bekommen kann.
Und wie ich auf der diesjährigen Invest erfahren habe, sind die Geschäftsführer von CapTrader ja auch große Padel-Enthusiasten! Wann sehen wir uns auf dem Padelcourt? :)

9. Wenn Leser aus deinem Buch und diesem Interview nur eine zentrale Erkenntnis mitnehmen sollen: Welche Denkweise ist langfristig entscheidend für erfolgreichen Vermögensaufbau?
Man sollte sich nicht zu sehr vom börsentäglichen "auf und ab" verrückt machen lassen.
Es gibt nicht den optimalen Zeitpunkt zum Kaufen oder man trifft zumindest nicht immer den optimalen Zeitpunkt zum Kaufen und auch nicht zum Verkaufen.
Wichtig ist, dass man eine gute Struktur in seinem Portfolio hat, das man nicht zu sehr alles auf eine Karte setzt, sondern dass man die Risiken durch eine clevere Asset Allocation verteilt.
Dass man verschiedene Portfolio-Bausteine hat, die sich gegenseitig ein bisschen absichern.
Dass man kontinuierlich dabei bleibt, auch wenn es gerade makl nicht so gut läuft. Dass man sich auch dann mit dem Thema Kapitalanlage weiter beschäftigt, sich Gedanken macht.
Warum laufen die Kurse gerade in diese Richtung? Was kann ich daraus lernen?
Auch die besten Investoren wie etwa Warren Buffett haben zwar über die Jahre eine super Performance hingelegt, aber eben auch nicht jeden Tag, nicht jeden Monat Geld verdient.
Auch bei denen Meistern des Fachs gibt es Rückschläge.
Und die schauen sich ganz genau an, warum sie gerade kein Geld verdienen und warum vielleicht die Investmententscheidung nicht so gelaufen ist, wie sie sich das vorgestellt haben.
Damit muss man sich auseinandersetzen. Und wer bereit ist, daraus zu lernen und nicht gleich aufzugeben und das mit kontinuierlichen Portfoliooptimierungen immer weiter ausbaut, der wird am Ende auch Erfolg haben.
Geduld, strategisches Vorgehen und die über die Zeit wachsenden Zinseszinseffekte sind die besten Freunde eines erfolgreichen Anlegers!
