„Politische Börsen haben kurze Beine“. Doch wie lang fallen die Beine politischer Börsen diesmal aus? Der Republikaner und ehemalige US-Präsident Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl 2024 gegen die Demokratin Kamala Harris für sich entschieden und wird ab Januar 2025 in das Weiße Haus einziehen. Nach einer ersten Marktreaktion könnte es zu weiteren unterschiedlichen Auswirkungen auf die verschiedensten Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe und Krypto Assets wie Bitcoin kommen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Erleichterung nach US-Wahl über rasche Regierungsbildung
- Erhöhte Volatilität nach US-Präsidentschaftswahl wegen politischer Unsicherheit durch Donald Trump denkbar
- Steuersenkungen und Erhöhung der Staatsausgaben könnten beflügeln – Inflationssorgen dürften gegenteilig Zinssenkungsfantasien eintrüben
- Einführung möglicher Strafzölle forciert Furcht vor Handelskrieg mit Europa und China
- Aussicht auf Deregulierung dürfte ganze Branchen aufatmen lassen
Mit Donald Trump hoffen Anleger insbesondere auf Steuersenkungen und Deregulierungen verschiedener Branchen. Auf der Gegenseite birgt eine protektionistische Marschroute auch Gefahren. Auch das Risiko geopolitischer Instabilitäten darf nicht verkannt werden.

Rückblick: Der erste Wahlsieg Donald Trumps im Jahr 2016 galt als große Überraschung
Bereits im Jahr 2016 gelang Donald Trump erstmals der Einzug in das Weiße Haus. Im Vergleich zur Präsidentschaftswahl 2016 kam der Sieg vor acht Jahren äußerst überraschend, was eine besonders ausgeprägte Volatilität zur Folge hatte. Als Reaktion auf den Wahlsieg Trumps im Jahr 2016 reagierten die Börsen rund um den Globus in erster Instanz stark verunsichert, bis die Erkenntnis über Steuersenkungen und damit die Aussicht auf eine florierende US-Wirtschaft durchsickerte.
Der zweite Wahlsieg im November 2024 kam hingegen alles andere als überraschend. Seit Monaten zeichnete sich im Vorfeld ein klassisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Demokratin Kamala Harris ab. In erster Linie zeigten sich Anleger unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses am 5. November äußerst erleichtert über die Klarheit der zukünftigen Regierungsbildung. Eine Hängepartie hätte weitere Unsicherheit und damit womöglich zusätzliche Unruhe am Markt bedeutet.
Trump könnte „Durchregieren“: Mehrheit im Repräsentantenhaus und Senat
Donald Trump kann zu Beginn seiner Präsidentschaft neben einer Mehrheit im Repräsentantenhaus auch auf eine Mehrheit im Senat bauen. Somit kontrollieren die Republikaner zumindest bis zur Zwischenwahl in zwei Jahren das sogenannte Präsidialamt nebst Kongress.
Trump hat somit gute Voraussetzungen, Gesetze ohne größere Gegenwehr der Demokraten durch das Parlament zu bekommen.
Zölle – Trump dürfte auf „America-First“-Politik setzen
Importe aus Europa könnten mit Zöllen von zehn bis 20 Prozent veranschlagt werden. Für chinesische Waren könnten sogar Strafzölle von bis zu 60 Prozent drohen. Trump will durch die Zölle insbesondere die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz schützen und Arbeitsplätze in den USA sichern. Auch das Haushaltsdefizit soll durch die Einführung von Zöllen verringert werden. Denn die Republikaner werfen der Eurozone als auch China unfaire Handelspraktiken vor, wie etwa staatliche Subventionen.
Unter dem Strich will Trump eine „America-First“-Strategie verfolgen, welche den Fokus verstärkt auf die eigenen Interessen legt.
Durch die geplanten Zölle drohen jedoch auch Folgen. Der Preisaufschlag auf importierte Waren könnte wiederum zu Preiserhöhungen für Verbraucher führen, was die Inflation befeuern dürfte. Gut möglich, dass andere Länder im Gegenzug ebenfalls Zölle auf US-amerikanische Produkte einführen, was einen Handelskrieg zur Folge hätte.
Insbesondere die deutsche Wirtschaft wie etwa die Automobilindustrie oder der Maschinenbau, welche als sonderbar exportorientiert gelten, dürften leiden.
Gleichzeitig könnte die Unsicherheit über geplante Zölle Investitionen hinauszögern und somit auch das Wirtschaftswachstum ausbremsen.
Deregulierung
Neben möglichen Strafzöllen plant Trump eine Deregulierung, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, Kosten zu senken, Innovationen zu fördern und gleichzeitig Bürokratie abzubauen.
Durch das Wegfallen von Regularien könnten Unternehmen entlastet, Kosten eingespart und Gewinne gesteigert werden.
Der Wegfall gewisser Vorschriften dürfte zudem auch Innovationen fördern und neue Unternehmensgründungen attraktiver werden lassen.
Die Deregulierung gilt als Teil einer insgesamt wirtschaftsfreundlichen Trump-Politik, welche insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der größten Volkswirtschaft stärken soll.

Aktien: Deregulierung als möglicher Einflussfaktor
Finanzsektor
Geschäftsbanken als auch Finanzunternehmen könnten insbesondere durch die geplante Deregulierung profitieren. Sollte es zu weniger Auflagen bzw. Vorschriften für etwa Banken bei Fusionen und Übernahmen kommen, könnte dies die Branche beflügeln und die Aktivitäten an den globalen Finanzmärkten erhöhen.
Als Reaktion auf den Sieg Donald Trumps zogen beispielsweise die Papiere der US-Investmentbank Goldman Sachs in die Höhe.
Energiebranche
Da Trump verstärkt auf Öl- und Gasförderung setzen will, dürften fossile Energieträger und damit auch die damit im Zusammenhang stehenden Unternehmen möglicherweise profitieren.
Gegenteilig könnten Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energie leiden. Auch der Elektromobilitätssektor dürfte an Schwung verlieren.
Bemerkenswerterweise haben die Papiere des E-Autobauers Tesla seit dem Wahlsieg Trumps innerhalb von acht Handelstagen um rund 40 Prozent an Wert zulegen können. Anleger setzen darauf, dass der CEO Teslas, Elon Musk, möglicherweise bevorzugt behandelt werden könnte.
Musk wird in der US-Regierung zum Co-Leiter des neu kreierten „Department of Government Efficiency“. Neben dem Abbau der Bürokratie soll Musk die Effizienz steigern.
Quelle: TradingView
Medienunternehmen
Das Medienunternehmen Trump Media & Technologie Group hat bereits durch eine erhöhte öffentlich wirksame Aufmerksamkeit sowie Unterstützung profitieren können.
Zu der Gruppe gehört etwa das Projekt „Truth Social“, ein soziales Netzwerk, welches als Antwort auf X (ehemals Twitter) oder auch Facebook fungiert.
Trump Media & Technologie Group Chart
Quelle: TradingView
Rohstoffe: Einführung geplanter Strafzölle und möglicher Handelskrieg könnten Karten neu mischen
Die Ankündigung pauschaler Zölle von 10 Prozent auf Importe und 60 Prozent auf China-Waren könnte einen Einfluss auf verschiedene Rohstoffpreise ausüben. Angekurbelt werden dürfte in diesem Zusammenhang auch die heimische Rohstoffproduktion.
Wegen der Furcht vor einem drohenden Handelskrieg etwa mit der Eurozone und der Volksrepublik China könnte die Unsicherheit zusätzlich zu einer erhöhten Volatilität führen.
Gold und Silber
Angesichts eines Kopf-an-Kopf-Rennens im US-Wahlkampf fürchteten Anleger monatelang eine politische Hängepartie. Die daraus resultierende Unsicherheit über die zukünftige US-Regierung trieb Anleger verstärkt in das Edelmetall. Nach einem schnellen Wahlergebnis war besagte Unsicherheit jedoch schnell vom Tisch. Unmittelbar nach der Wahl dürfte die Sorge vor der geplanten Neuverschuldung die Inflationssorgen befeuert und damit die Zinssenkungsfantasien gedämpft haben. Die tatsächliche Ausgestaltung der neuen Trump-Regierung bleibt weiterhin offen, sodass es sich grundsätzlich auf Unwägbarkeiten und damit Überraschungen einzustellen gilt.
Im Jahr 2025 könnte die neue US-Regierung, allen voran Donald Trump, die Märkte durcheinanderwirbeln. Anleger sollten zudem auch ein Auge auf die Entwicklung geopolitischer Entwicklungen werfen. Neben dem bestehenden Nahostkonflikt dürfte auch der Ukraine-Russland-Konflikt wieder verstärkt in den Fokus rücken, wodurch auch Gold und Silber tendenziell profitieren könnten. Auch die Ausgestaltung der zukünftigen US-Geldpolitik dürfte eine entscheidende Rolle spielen.
Gold Chart
Quelle: TradingView
Silber Chart
Quelle: TradingView
Rohöl, Kupfer, Stahl und Aluminium
Die Republikaner könnten eine Wende in der Umwelt- und Klimapolitik anstoßen. Dazu gehören könnte Medienberichten zufolge nicht nur der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Auch die Auslagerung der Umweltschutzbehörde EPA aus der Hauptstadt Washington und die Reduzierung von Naturschurschutzgebieten, um den Weg für Erdölbohrungen freizumachen, ist geplant.
Sollte Trump etwa Infrastrukturprojekte anstoßen, könnte dies die Nachfrage nach Industriemetallen wie etwa Stahl, Kupfer und Aluminium erhöhen.
Rohöl (WTI) Chart
Quelle: TradingView

Krypto Assets: Bitcoin als Profiteuer in der Hoffnung auf ein kryptofreundliches Washington
Mit Donald Trump als Staatsoberhaupt hoffen Anleger auf ein in Zukunft kryptofreundliches Washington und damit auf weitere Kursanstiege. Der Schachzug Trumps, die Branche zu umgarnen, um zusätzliche Wählergunst für sich zu gewinnen und politisches Kapital herauszuschlagen, ist offensichtich aufgegangen. Der Bitcoin ist damit einer der Gewinner der US-Präsidentschaftswahl.
Für die Kryptobranche in der größten Volkswirtschaft der Welt dürfte spätestens ab Januar folgerichtig ein neues Zeitalter schlagen. Dass Bitcoin und Co erstmals Platz im US-Wahlkampf gefunden haben, unterstreicht abermals die Priorität der Anlageklasse und zeigt, dass diese gekommen ist, um womöglich zu bleiben.
Donald Trump muss sich nun daran messen lassen, welche Versprechen er tatsächlich in die Praxis umsetzten wird. Sollte Trump wie angekündigt den in Bezug auf Bitcoin und Co restriktiv eingestellten SEC-Vorsitzenden Gary Gensler entlassen und durch eine kryptofreundliche Personalie austauschen, dürften dies Anleger möglicherweise begrüßen. Auch die Einführung einer strategischen Bitcoin-Reserve wäre womöglich Wasser auf die Mühlen der Anleger. Spekulationen zufolge könnten die USA insgesamt über mehrere Jahre verteilt insgesamt eine Million Bitcoin-Einheiten anhäufen. Robert F. Kennedy Jr. hatte das Thema angestoßen.
An sämtlichen Plänen sind grundsätzlich Fragezeichen dranzuhängen. Die Messlatte ist bereits äußerst hoch und das Enttäuschungspotenzial in diesem Zusammenhang ausgeprägt. Im Jahr 2016 hatte Trump noch gegen Bitcoin und Co gewettert.
Bitcoin Chart
Quelle: TradingView
Zusammenfassung: Aufatmen nach raschem Wahlergebnis – Unwägbarkeiten durch Trump-Politik bleiben
Die Erleichterung über ein eindeutiges Wahlergebnis bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024 hat in erster Instanz überwogen und somit Anleger rund um den Globus zunächst viel Unsicherheit erspart. Der designierte US-Präsident Donald Trump dürfte insbesondere mit seiner geplanten Deregulierung verschiedener Branchen und der möglichen Einführung von Strafzöllen die Karten in den verschiedensten Bereich neu mischen. Während der US-Bankensektor vor allem eine Lockerung des Regulierungsgürtels begrüßt, dürften etwa auf die verschiedensten Rohstoffe durch die Zollthematik Einfluss genommen werden.
Die „America-First-Strategie“ beinhaltet allerdings auch Schattenseiten, welche Anleger nicht verkennen sollten. Die Kombination aus Steuersenkungen und Erhöhung der Staatsschulden könnte die Inflation wieder anfachen und somit die Zinssenkungsfantasien ausbremsen.
Auch auf geopolitische Unwägbarkeiten gilt es sich weiterhin einzustellen.
