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CapTrader Literatur DER WOLF DER WALL STREET

DER WOLF DER WALL STREET

Von
Celine
| 13. März 2023 |
Literatur

DER WOLF DER WALL STREET von Jordan Belfort ist die weltbekannte Geschichte der Wall-Street-Ikone. Ich würde behaupten, so ziemlich jeder von euch hat den dazugehörigen Film von Martin Scorsese mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle gesehen oder zumindest schon mal darüber nachgedacht, ihn sich anzuschauen. Dies ist nun das Buch zum Film, das nicht 100% aber doch schon in weiten Teilen mit dem Film übereinstimmt.

Wie auch der Film ist auch dieses Buch nichts für Kinder und erst recht nichts für Personen, die mit den annähernd realitätsgetreuen Schilderungen nicht klarkommen. Denn die Handlungen sind zutiefst verachtenswert, sexistisch, frauenfeindlich, asozial und kriminell. Aber es sind eben Schilderungen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, weshalb ich dafür sicherlich nun keinen Punkt abziehen werde. Es war nun einmal so und in einigen Bereichen ist es bis heute auch noch – wenn auch etwas abgespeckt – in ähnlicher Art und Weise immer noch Gang und Gäbe. Davor kann man die Augen verschließen oder es einfach nur akzeptieren.

„Dieses Buch enthält meine Lebenserinnerungen. Es ist eine wahre Geschichte und basiert auf meinen besten Erinnerungen an verschiedene Ereignisse in meinem Leben. Wo es angegeben ist, wurden die Namen und charakteristischen Eigenschaften von Personen geändert, damit ihre Anonymität gewahrt bleibt. In manchen Fällen habe ich Ereignisse und Zeitabschnitte im Interesse des Erzählflusses umgestellt und/oder verkürzt und ich habe Dialoge erfunden, die meiner Erinnerung an die betreffenden Unterhaltungen am besten entsprechen.“

Jordan Belfort

Erst kürzlich sind mir wieder Insider Geschichten zu Ohren gekommen, wo ich mich allen Ernstes frage, ob die Leute eigentlich noch alle bei Trost sind. Aber Geld nimmt eben eine Lupenfunktion auf die Charakterzüge der Menschen ein und Gier ist nicht ohne Grund eine der sieben Todsünden.
In den 1990er Jahren war Jordan Belfort die Ikone der Wall Street. Er war ein knallharter Börsenhai, eiskalter Betrüger und feierwütiger Junkie. Mit 26 Jahren wurde er bereits zum Multimillionär und lies das auch alle um sich herum wissen. Sowohl sein überdimensioniertes Ego wie auch sein Vermögen trug er mehr als zur Schau.

Belfort schildert seine Erfahrungen auf eine offene und ehrliche Art und Weise, die es dem Leser ermöglicht, sowohl seine Höhen als auch seine Tiefen mitzuerleben. Er beschreibt, wie er seine eigene Aktienfirma gegründet hat und wie er es schaffte, seine Kunden dazu zu bringen, in Aktien zu investieren, die er entweder selbst manipuliert hatte oder die nicht viel mehr als minderwertige Pennystocks waren. Es ist beeindruckend, wie er es geschafft hat, so erfolgreich zu sein, obwohl er sich immer wieder selbst – ob durch Alkohol, Drogen oder sonstige Eskapaden - in schwierige Situationen manövriert hat.

Wie so häufig hat der reine wirtschaftlich Erfolg nicht mehr ausgereicht, um den nötigen Kick zu bekommen. Er beschreibt, wie er immer mehr Geld und Macht wollte und wie er schließlich von seinem eigenen Erfolg überwältigt wurde. Und so war der Alltag in der Folge von Prostituierten, Drogen, Partys, teuren Autos, Villen, Booten und Helikopter Flügen geprägt. Sowohl im Buch wie auch im Film zeichnet sich das Bild eines Möchtegern-Rockstars, der in dekadenter Art und Weise mit Geld um sich wirft und skrupellos anderen das Geld aus der Tasche zieht.

Eine Frau lächelt, während sie draußen ein Buch liest.

Die logische Schlussfolgerung lies dann aber auch nicht lang auf sich warten. Mit 36 Jahren landete Jordan Belfort im Gefängnis. Es wirkt wie die Autobiografie des echten Gordon Gekko und präsentiert ein Bild von dieser Branche, das man kaum verdorbener hätte zeichnen können.
„Du bist noch geringer als Abschaum«, sagte mein neuer Chef, als er mich zum ersten Mal durch den sogenannten Board Room, die Managementetage von LF Rothschild, führte. »Hast du ein Problem damit, Jordan?« »Nein«, gab ich zurück, »kein Problem.« »Gut«, schnappte er und ging einfach weiter.

Wir durchquerten ein Labyrinth aus braunen Mahagonischreib-tischen und schwarzen Telefonkabeln im 23. Stock eines Glas- und Aluminiumturms, der sich 41 Stockwerke hoch über die legendäre New Yorker Fifth Avenue erhob. Der Board Room war weitläufig und maß vielleicht 15 mal 2 Meter. Es war ein bedrückender Raum, vollgestopft mit Schreibtischen, Telefonen, Computerbildschirmen und einer Menge richtig widerlicher Yuppies, insgesamt 7o an der Zahl. Sie hatten ihre Jacketts ausgezogen und um diese Uhrzeit -
9:20 Uhr morgens - lehnten sie sich in ihren Stühlen zurück, lasen das Wall Street Journal und beglückwünschten sich selbst dazu, dass sie die Herren der Welt waren.

Zu den Herren der Welt zu gehören schien mir ein nobles Ziel, und als ich in meinem billigen blauen Anzug und meinen klobigen Tretern an den Herren vorbeiging, da wünschte ich, ich wäre einer von ihnen. Aber mein neuer Chef erinnerte mich schnell daran, dass dem nicht so war. »Dein Job« - er schaute auf das Plastik-namensschild auf meinem Revers - »Jordan Belfort, ist der eines Vermittlers, und das heißt, dass du 500 Telefonnummern am Tag.“

An dieser Stelle ein paar Worte zum Autor:
Jordan Belfort wurde 1962 im Stadtteil Queens von New York geboren. Er studierte an der American University und verdiente bereits mit 26 Jahren an der Wall Street als Broker Millionen. Mit 36 wurde er für seine kriminellen Machenschaften verhaftet und verbrachte Zeit seines Lebens im Gefängnis. Heute lebt er als erfolgreicher Motivationsredner in Los Angeles.

In gewisser Weise erinnert mich diese Geschichte an so viele Menschen in der Branche, die meiner Meinung nach viel zu schnell verzeiht und im Grunde auch kein hohes Wertegerüst voraussetzt. Wie kann es bitte sein, dass ein Mensch, der so widerwärtige Charakterzüge mitbringt, heute noch derart gefeiert wird. Man kann sicherlich von jedem Menschen etwas lernen, aber feiern muss man ihn deswegen noch lange nicht.

Der Andrang für Tickets zu seinen Seminaren war nach dem Film aber einfach nicht zu fassen. Die Interessenten sind ihm die Bude eingerannt und selbst wenn er von seinem damaligen Reichtum alles abgegeben haben sollte, wird er auch jetzt wieder ausgesorgt haben.

Eine unglaubliche Geschichte. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was der Autor und seine Weggefährten über die Zeit gemacht haben. Die Geschichte ist sicherlich sexistisch, frauenfeindlich, Drogen verherrlichend, in weiten Teilen widerwärtig und niederträchtig, aber es spiegelt eben zumindest ansatzweise die Realität wieder und den Alltag in einem vergiften Sumpf von gierigen Personen ohne allzu großes Wertegerüst.

Es bietet einen faszinierenden Einblick in die Welt der Finanzmärkte und zeigt, dass hinter dem Glanz und Glamour auch viel Dunkelheit und Skandal stecken kann. Es ist auch eine inspirierende Lektüre für jeden, der mehr über das Leben in der Wall Street erfahren möchte. Eine klare Empfehlung für Fans von Business-Autobiografien und für alle, die eine unterhaltsame und lehrreiche Lektüre suchen.

In Teilen würde ich persönlich – und das will schon was heißen – eher den Film vorziehen als das Buch. Das kann ich aber auch generell zu beinahe allen Büchern sagen, die erst verfilmt und dann verlegt wurden. Die Handlung ist zwar nicht identisch zum Film, aber wer diesen gesehen hat, wird so ziemlich alles Wiedererkennung. Deswegen muss man es nicht unbedingt lesen, wenn man den Film bereits gesehen hat.

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