Die Börsenpsychologie setzt sich mit Faktoren auseinander, die das Verhalten und das Treffen von Entscheidungen von Anlegern an der Börse betreffen. Ein Teil davon sind sogenannte kognitive Verzerrungen, wozu auch der Home Bias gehört. In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau der Home Bias ist, welche Folgen er hat und wie das Phänomen überwunden werden kann.
Was bedeutet Home Bias?
Der Begriff Bias wird in der Forschung genutzt und beschreibt oftmals systematische Verzerrungen in den Bereichen Denken, Wahrnehmung und Urteilen. Sie können in unterschiedlicher Art und Weise auftreten. Eine dieser kognitiven Verzerrungen ist der sogenannte Home Bias. Er beschreibt eine Tendenz von Personen, in das eigene Land zu investieren.
Im Bereich der Investments bedeutet das, dass Anleger dazu tendieren, Vermögenswerte aus ihrem Inland zu handeln, anstatt international zu diversifizieren. Dies geschieht, obwohl der Zugang zu internationalen Vermögenswerten in vielen Ländern heute vergleichsweise einfach möglich ist.
Aus der Forschung ist bekannt, dass diese Neigung bei Anlegern weit verbreitet ist. Diese Tendenz steht im Widerspruch zu allgemeinen Grundlagen vom Investieren, wie einer möglichst breiten Streuung von Risiken durch Diversifikation.
Was sind die Gründe für den Home Bias?
Der Home Bias tritt häufig bei Personen mit einem starken Sicherheitsbedürfnis auf. Sie lassen sich oftmals eher von Emotionen leiten und investieren lieber in Unternehmen aus einem Land, das sie gut kennen. Das geschieht aufgrund einer bereits bestehenden Vertrautheit, die ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.
Oftmals besteht auch ein leichterer Zugang zu Vermögenswerten im Inland. Diese sind meist in großer Anzahl verfügbar, was eine hohe Auswahl bietet. Die bessere Verfügbarkeit kann dazu führen, dass Vermögenswerte aus anderen Ländern nicht beachtet werden.
Zudem fehlt oft das Wissen über andere Länder. Investoren wollen in wirtschaftlich und politisch stabile Länder investieren. Fremde Produkte und Bedingungen können den Handel mit solchen Vermögenswerten erschweren, da sich Investoren erst Wissen aneignen müssen. Viele Bedingungen können nicht von Anfang an realistisch eingeschätzt werden, wodurch viele Investoren Abstand nehmen.
Darüber hinaus besteht oftmals die Angst vor höheren Risiken beim Handel mit internationalen Vermögenswerten. Hierzu gehört beispielsweise die Angst vor Währungsrisiken.
Manche ausländischen Märkte haben höhere Eintrittsbarrieren für private Investoren aus dem Ausland. Das kann dazu führen, dass sich internationale Anleger abschrecken lassen und lieber im eigenen Land bei leichter Verfügbarkeit und Zugänglichkeit investieren, ohne sich mit bestimmten Voraussetzungen auseinandersetzen zu müssen.
Beim Handel an ausländischen Märkten kann es auch zu höheren Transaktionskosten kommen. Das gilt besonders für schwer zugängliche Märkte, von denen viele Anleger lieber Abstand nehmen. Oftmals ist hier zudem keine ausreichende Transparenz geboten, was es schwieriger macht, schnell an alle wichtigen Informationen zu kommen.
Welche Folgen hat der Home Bias?
Ein ausgeprägter Home Bias kann dazu führen, dass das Gesamtrisiko des eigenen Portfolios stark erhöht wird. Auch geringere Renditechancen sind mit einem starken Home Bias verbunden.
- Teilweise kann sich die Entwicklung eines Marktes stark von den anderen Märkten unterscheiden
- Ein zu ausgeprägter Anteil an inländischen Investitionen kann länderspezifische Probleme auslösen, wenn beispielsweise die Wirtschaft des eigenen Landes schwächelt
Zudem haben unterschiedliche Länder verschiedene Schwerpunkte in ihren Sektoren und Branchen, in die sie vermehrt investieren. Ein Portfolio, das sich ausschließlich auf das eigene Land fokussiert, kann daher nicht alle Bereiche ausreichend abdecken und verliert daher an Renditepotenzial.
Wie kann der Home Bias überwunden werden?
Der Home Bias kann umgangen werden, indem Sie systematisch investieren. Stellen Sie sich ganz bewusst Regeln für Ihre Investitionen auf und beschäftigen Sie sich damit, welche Anteile Ihres Portfolios Sie in anderen Ländern investieren wollen.
Wenn Sie bewusste Anlageentscheidungen treffen, basierend auf einem vorab festgelegten System, ist es deutlich unwahrscheinlicher, dass Sie kognitiven Verzerrungen unterliegen. Dadurch können Sie die Sicherheit Ihres Portfolios und die Chancen auf Renditen erhöhen.
Zudem können Sie bestimmte Geldanlagen wie ETFs in Erwägung ziehen, die international breit aufgestellt sind. Es gibt ETFs, die den gesamten globalen Markt abbilden, wodurch eine ausreichende Diversifikation gewährleistet werden kann.
Fazit: Home Bias Aktien - Definition und Folgen
Kognitive Verzerrungen können zu fehlerhaften Gedanken, Urteilen oder einer Wahrnehmung führen. Im Bereich Investments ist hier der Home Bias zu nennen. Dieser beschreibt den Umstand, dass Anleger dazu tendieren, vermehrt in das eigene Land zu investieren.
Das geht mit Problemen einher. Eine hohe Tendenz zum Home Bias kann zu höheren Risiken im Portfolio und zu niedrigeren Renditen führen. Der Home Bias steht im Widerspruch zur allgemeinen Regel, eine ausreichende Diversifikation zu berücksichtigen, um Risiken auszugleichen.
Die Gründe für diese Verhaltensweisen sind vielseitig. Ein starkes Sicherheitsbedürfnis, leichter Zugang zu inländischen Vermögenswerten, fehlendes Wissen, Angst vor höheren Risiken, höhere Markteintrittsbarrieren oder Kosten können dazu führen, dass Anleger ihr eigenes Land bevorzugen.
Grundsätzlich ist es ratsam, systematisch zu investieren, um diesem Effekt vorbeugen zu können. Darüber hinaus kann es auch hilfreich sein, bestimmte Geldanlagen in Erwägung zu ziehen, die international investieren und den globalen Markt abbilden.